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Kritik zu Guild: Benno Moiseiwitsch: Werke von Delius und Rachmaninoff

Noch immer nicht angestaubt


Erik Daumann, 06.10.2007


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Sein Name dürfte den meisten hierzulande nur (noch) wenig geläufig sein: Benno Moiseiwitsch. Der 1890 in Odessa geborene Pianist debütierte 1908 in England und sollte dort ab 1915 zu den populärsten Tasteninterpreten avancieren. Das Repertoire des 1963 Verstorbenen war enorm, was nicht zuletzt die bei ‚Naxos’ in den vergangenen Jahren erschienene Reihe mit zahlreichen – zum Teil sehr frühen - Aufnahmen Moiseiwitschs belegt. Die klassische Literatur war für ihn ebenso selbstverständlich wie die Musik seiner Zeitgenossen. Rachmaninow erklärte ihn zu seinem pianistischen Erben. Und nicht zuletzt war es die Musik seiner Wahlheimat England, die Moiseiwitsch favorisierte. Frederick Delius’ Klavierkonzert, mehr oho als man vermuten würde, war seit 1915 in Moiseiwitschs Repertoire. 1946 nahm er das Stück für HMV mit Constant Lambert und dem Philharmonia Orchestra für die Schallplatte auf und noch 1955 hat er es in der Royal Albert Hall während der Proms-Konzerte mit dem BBC Symphony unter Sir Malcolm Sargent aufgeführt. 1955 war der Pianist mit denselben Kräften auch mit Rachmaninows ‚Rhapsodie über ein Thema von Paganini’ zu hören und hatte zuvor mit Hugo Rignold und dem Philharmonia Orchestra das zweite Klavierkonzert in den Abbey Road Studios aufgenommen. Alle drei genannten Tondokumente sind nun bei ‚Guild Historical’ veröffentlicht worden.

Intellektuelles Kalkül war Moiseiwitsch fremd. Sein Spiel, das zeigen diese Aufnahmen, ist nicht verkopft, es ist musikalisch sensibel nachgezeichnet. Die alte, klanglich edle Tradition des 19. Jahrhunderts schwingt in Moiseiwitschs Spiel immer mit: der noble, dunkle, nuanciert gefärbte Ton. Rhythmische Brillanz und die Vollgriffigkeit seines Anschlags stellen die 1946 er Schallplattenaufnahme von Delius’ Klavierkonzert in den Schatten und offenbaren eine situativ-inspirative Lesart des Stücks, wie sie während einer ‚Live’-Aufführung nicht tiefgründiger und plastischer zutage treten kann. Hier wie auch in Rachmaninows ‚Rhapsodie’ verschmelzen Klavierpart und die von Malcolm Sargent so eindringlich evozierten satt ausgespielten Phrasen des BBC Symphony Orchestra zu perfekter Intensität des musikalisch Ausdrückbaren. Markant, geradezu charismatisch die Ecksätze kontrastierend und das musikalische Volumen des Klavierparts voll ausschöpfend geht Moiseiwitsch auch in der Studio-Aufnahme des zweiten Klavierkonzerts von Rachmaninow vor, kongenial unterstützt vom Philharmonia Orchestra unter Hugo Rignold.

Das Alter der über 50 Jahre alten Aufnahmen ist ihnen tontechnisch anzumerken. Und doch ist das Klangbild plastisch genug und dynamisch so tiefengestaffelt, dass die auditiven Einbussen eine Marginalie bleiben. Die typischen Huster während der Proms-Konzertaufnahmen stören da wenig.

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