CD-, DVD-, Schallplatten- und Buch-Kritiken
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Drei Schweizer Streichquartette
Christian Vitalis, 26.05.2007
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Allgemein bekannte schweizerische Komponisten gibt es ohnehin nicht so viele; die drei hier vorgestellten Vertreter würden einem zudem – wenn überhaupt – wohl kaum als erste einfallen. Das sagt aber über die Qualität ihres Schaffens nichts aus; ganz im Gegenteil: alle drei verdienten zweifelsohne mehr Aufmerksamkeit im Konzertbetrieb. Die 2004 und 2005 entstandene Einspielung von drei Streichquartetten, die das Schweizer Label Guild unter dem Titel ‚20th Century Swiss String Quartets’ veröffentlicht hat, bestätigt dieses. Im Falle von Hans Schaeuble (1906-1988) und Meinrad Schütter (1910-2006) muss man die Wirren des Zweiten Weltkriegs als Grund ansehen, dass frühe Erfolge zunichte gemacht und jegliche Kontinuität in der Rezeption unterbrochen wurde. Schaeuble, der in Deutschland gelebt und gewirkt hatte, wurde zudem nach seiner Rückkehr in die Heimat eben dieses zur Last gelegt. Erich Schmid schließlich hinterließ generell nur ein sehr schmales, qualitativ aber hochwertiges Œuvre. Wer mehr wissen möchte, findet im optisch sehr ansprechend gestalteten Booklet eine prägnante Einführung in die drei Biographien.
Kinder ihrer Zeit
Alle drei Komponisten sind durchaus Kinder ihrer Zeit; stilistisch zeigen sie in ihren Quartetten verschieden ausgeprägtem Maße eine Auseinandersetzung mit der zeitgenössischen Musik, insbesondere mit der Schönbergschen Zwölftontechnik. Die plausible Anordnung der Werke auf der CD führt dabei vom neoklassizistisch gemäßigten, eher an Hindemith erinnernden Quartett op. 19 Schaeubles über das freitonale Quartett Meinrad Schütters hin zu Erich Schmids Streichquartett op. 4, das konsequent in Reihentechnik gehalten ist. Ausdrucksstark und musikalisch empfunden sind dabei alle drei Quartette; auch Schmids Zwölftonwerk hat anrührende Momente, wenn sie auch eher auf einer zerbrechlich schlanken Klanglichkeit basieren denn auf der robusten Expressivität Schaeubles.
Frische und Engagement
Das deutsch-schweizerische casalQUARTETT bietet spieltechnisch blitzsaubere und interpretatorisch überzeugende Darbietungen aller drei Werke. Der in jedem Quartett durchaus verschiedene Grundton wird zielsicher getroffen; die Darbietungen sind von großer Frische und getragen vom spürbaren Engagement der vier – streng genommen fünf – Musiker (Daria Zappa und Rachel R. Späth, Violine; Markus Fleck, Violine und Viola; Dominik Fischer, Viola; Andreas Fleck, Violoncello). Klangtechnisch präsentieren sich die Quartette in gutem Licht, das Klangbild ist sehr natürlich und insbesondere plastisch, man wähnt sich geradezu mitten im Geschehen. Lediglich das Cello kommt etwas zu basslastig herüber. Summa summarum eine interessante und für Streichquartettfreunde bedenkenlos empfehlenswerte CD, die mit drei stilistisch selbständigen Werken entsprechend reiche Entdeckungen bietet. Schade nur, dass sie mit etwa 56 Minuten ein wenig kurz geraten ist. |
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