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Details zu Händel, Georg Friedrich: Solomon
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Kritik zu Naxos: Händel, Georg Friedrich: Solomon

Solides Niveau


Erik Daumann, 01.09.2006

Händel, Georg Friedrich: Solomon
Label: Naxos , VÖ: 26.06.2006
Hörbeispiele:
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Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 
Booklet: 





Eine bekannte Geschichte in äußerster Kürze wiedergegeben: nachdem seine Opern mehr und mehr unpopulär wurden, wandte sich Georg Friedrich Händel der Komposition von Oratorien zu. ‚Solomon’ von 1748 zählt zu Georg Friedrich Händels unleugbaren Meisterwerken seines Oratorienschaffens. Alles, was eine gute und wirksame Dramaturgie ausmacht, ist enthalten: Massenszenen, Pomp und delikate Liebesmusik vor dem Hintergrund der alttestamentlichen Erzählung, die den Grundstoff des Librettos bildet, dieses aber auch die ‚Jüdischen Altertümer’ des Flavius Josephus mit einbezieht.

Seit Jahren widmet sich Joachim Carlos Martini in Theorie und Praxis dem oratorischen Schaffen Händels und dezidiert den meist noch wenig beachteten Oratorien. Seine Aufführungen Händel’scher Oratorien mit der Jungen Kantorei und dem Barockorchester Frankfurt sind geradezu legendär. Es sind dies rundherum stimmige Darbietungen zweiter Ensembles, die seit vielen Jahren miteinander musizieren und über die Jahre hinweg eine homogene individuelle Klanglichkeit erworben haben, die sich bereits in zahlreichen Einspielungen niedergeschlagen hat. Für Naxos hat Martini mit ‚seinen’ Ensembles Händels ‚Athalia’, ‚Deborah’, ‚Saul’, Gideon’, Nabal’ und ‚Il Trionfo del Tempo e della Verità’ aufgenommen. Jetzt legt er ‚Solomon’ vor, in einer Live-Aufnahme vom 30. Mai 2004 im Kloster Eberbach im Rheingau. Eine energiegeladene Aufführung von spannungsreicher Intensität und Konzentration, in der vor allem das solistische Personal das grundsolide Niveau etabliert und stellenweise herausragende Momente hat. Die polnische Mezzo-Sopranistin Ewa Wolak führt die Solistenriege mit einem kraftvollen, geradezu männlich timbrierten Salomon an. Matthias Vieweg als Levit singt seine Linie klangschön aus, könnte in der Tiefe jedoch ein profunderes Volumen vertragen. Den Zadok gibt Knut Schoch mit jenem schlanken, aber klar an der Phrase orientierten Tenor-Klang, wie er in England kultiviert wird und wie er geeigneter für Händels Oratorien nicht sein könnte. Ein Glanzpunkt der Aufnahme. So auch die beiden Sopranistinnen Elisabeth Scholl und Nicola Wemyss, die allein durch die Klarheit des Tons und die unprätentiöse Gestaltung der Arien brillante Augenblicke dieser Live-Aufzeichnung schaffen.

Die aus Laien bestehende Junge Kantorei, die sich für jedes Chorprojekt einer intensiven Probenarbeit unterziehen, meistern die Chorpartien in der doppelchörigen Anlage diszipliniert und intonatorisch sauber. Stets bleibt der Chor klanglich flexibel, singt die Phrasen mit großer Intensität aus – alles in ausgereifter Homogenität. Der in hörbar großer Zahl disponierte Chor mag hier und da ein wenig schleppen und Textdeutlichkeit vermissen lassen, doch viel wichtiger ist der Elan des Ensembles, das Martini mit routinierter Hand durch das Oratorium führt. Das Barockorchester Frankfurt kommt erst nach der müßig dahinphrasierten und rhythmisch unentschlossen gespielten Ouvertüre auf Touren. Martini entfacht den Spielwitz, die bestechend scharfe Artikulation und rhythmische Verve des Orchesters erst mit Beginn der ersten Szene. Dann aber lässt sich unter der Hand des versierten Martini ein die Dramaturgie des Oratoriums stets vorantreibendes Instrumentalensemble hören, der Motor des großen Bogens, den das Oratorium verlangt, voller Binnenspannung in der Faktur.

Eine Einspielung auf solidem Boden, tontechnisch meisterlich ausbalanciert und mit einem, für Naxos außergewöhnlich niveauvollen Einführungstext von Joachim Carlos Martini selbst. Das Libretto ist übrigens im Internet als PDF-Datei abrufbar.

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