Merkwürdig, aber wahr: Sooft eine der beiden Violinromanzen von Beethoven ertönt, regt sich der kindliche Wunsch, diese herzergreifenden, mal gravitätisch schreitenden und dann wieder leichtfüßig und empfindsam singenden Klänge mögen nie - bitte nie! - versiegen. Dem jungen Cellisten Daniel Müller-Schott scheinen sie ähnlich eng ans Herz gewachsen zu sein. Was sonst, außer dem anregenden Stoß seines prominenten Kollegen, Steven Isserlis, hätte ihn wohl dazu bewogen, sie für sein Instrument umzuarbeiten und sie somit in sein Repertoire aufzunehmen?
Wenn Beethoven sie so, wie sie nun erstmals von Müller-Schott und dem Australian Chamber Orchestra eingespielt worden sind, hören könnte, er würde ihm, jeglichen Narzißmus mal beiseite legend, den stimmbruchartigen Eingriff an seinen Werken anstandslos verzeihen, ja, vielleicht sogar mit dem Gedanken spielen, ihm mindestens drei Orden zu verleihen: einen für das intelligente Arrangement, einen für die Wahl seines hervorragenden Begleitorchesters und einen für diese sensible und hingebungsvolle Interpretation.
Dabei sind die beiden Romanzen - op. 40 und op. 50 - jeweils nur stimmungsvolle ‚Anhängsel‘ nach den beiden berühmten Cellokonzerten in C- und D-dur von Joseph Haydn. Über sie müssen heute nicht mehr allzu viele Worte verloren werden. Jedem auch nur entfernten Liebhaber für das sonore Streichinstrument sind sie bereits mehrfach zu Gehör - vielmehr: zu Gemüt gekommen, egal, ob im Rundfunk, auf Tonträger oder im Konzertsaal, egal, ob von namhaften oder unbekannten Interpreten. Beide - in jedem Fall das C-dur-Konzert - scheinen wegen der äusserst hohen technischen Anforderungen und ihres fidelen, heiter-gefälligen und vor allem seelenrührenden Charakters keinesfalls im Repertoire fehlen zu dürfen. Doch trotz ihrer Popularität ist es nicht gerade so, als schreie die Musikindustrie nach einer weiteren Einspielung dieser.
Davon jedoch abgesehen wird auf der vorliegenden CD eine oft gemachte Erfahrung mit jungen Musikerinnen und Musikern wiederholt: Vom ersten bis zum allerletzen Akkord vermitteln sowohl das Ensemble als auch der Solist jugendlich frische, energiegeladene Spielfreude und bewegen ihr Publikum mit reifem, musikalischem Einfühlungsvermögen in die Kompositionen und dem klassisch ästhetischen Ideal im Hinterkopf.
Der aufgeweckte, natürliche und starallürenfreie Müller-Schott, der längst kein Geheimtipp mehr ist, erinnert mit seinem Spiel an sein allererstes Idol, Yo-Yo Ma, ohne freilich diesem blind nachzueifern. Dieser riskant anmutende Vergleich begründet sich nicht nur in dessen technisch erstaunlich sicherer und virtuoser Ausprägung und der dabei umwerfenden Leichtigkeit und Vitalität mit einem bescheiden reinen, formschönen Ton. Ma ist es nämlich auch, der den damals Fünfjährigen laut eigener Aussage bei einem Konzert so sehr beeindruckt hat, dass für ihn ab diesem Zeitpunkt feststand, dass er selbst Cellospielen lernen werde.
Nach seinem beeindruckenden CD-Debüt mit Bachs Cellosuiten im Jahre 2000 und den Cellosonaten französischer Impressionisten zusammen mit dem Pianisten Robert Kulek 2002, ist im Juni 2003 also bei ORFEO ein Produkt veröffentlicht worden, bei dem - als rein vorübergehende Bestandsaufnahme natürlich - nun endlich ein leicht abgewandelter Spruch mühelos über die Lippen geht: Alle großartigen Dinge sind drei! |