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Mittwoch, 26. November 2014

Bach, Johann Sebastian - Lautentranskriptionen

Glasklare Linienführung - Bach auf der Laute


Label/Verlag: Linn Records
Detailinformationen zur Platte


Die Wiederverffentlichung der Lautentranskriptionen Nigel Norths in einer Box ist absolut lohnenswert. North besticht hier durch technische Meisterschaft und ein untrgliches Gespr fr Bachs Kontrapunktik. Einfach klasse.

Bearbeitungen fallen in (mindestens) zwei Kategorien: Solche, die, mit hohem künstlerischem Anspruch verfertigt, zusätzliche Potentiale eines Werkes eröffnen und solche, die einem Musikstück mehr nehmen als geben (etwa durch eine Simplifizierung der Struktur oder einer verringerten Farbigkeit). Jene von dem Lautenvirtuosen Nigel North vorgelegten Lautentranskriptionen von Werken Johann Sebastian Bachs gehören zweifellos zu der ersten Gruppe: Sie verleihen sowohl den dicht gefügten Partiten und Sonaten für Violine solo als auch den Cello-Suiten eine luftigere, zartere Klanglichkeit, gleichzeitig wird hier die enge Kontrapunktik, gerade in den eigentlich für Violine konzipierten Werken, subtil herausgehoben. Und neben der rein klanglichen Qualität lässt sich dieses Bearbeitungsprojekt auch noch musikhistorisch legitimieren. Denn bevor sich eine Ästhetik des autonomen und originalen Kunstwerks in fast sakraler Überhöhung im 19. Jahrhundert etablierte, ließ sich ein emphatisch gedachtes „Original“ von einer Bearbeitung kaum unterscheiden; beides waren Zustände eines Stücks, keines davon moralisch oder ästhetisch höherwertig. Nigel North konnte sich bei seinen Bearbeitungen auf den Komponisten selbst berufen, der, vermutlich als Laie in Bezug auf die Laute, eigene Werke für dieses damals so hoch geschätzte Instrument bearbeitete: seine Suite für Cello solo BWV 1011, in der Bearbeitung für Laute mit der BWV-Nummer 995 versehen.

Das audiophile schottische Label Linn Records bringt mit einer 4-CD-Box nun die seinerzeit heiß begehrten Lautentranskriptionen von und mit Nigel North wieder auf den Markt. Das lohnt sich durchaus, denn subtiler, klarer und klanglich feiner abgestuft dürfte man diese Werke nur selten hören.

 

Mit Liebe gemacht

 

Nigel North, seit Jahrzehnten einer der führenden Lautenisten und nebenbei noch ein sehr gelehrter Kopf in der Alten Musik, ließ seinen Einrichtungen für Laute viel Liebe zum Detail angedeihen. Er beließ bei seinen Transkriptionen die Werke so weit wie möglich in ihrer Originalgestalt, schafft es aber, durch handwerklich feine und künstlerisch skrupulös abgewogene Kleinarbeit (Oktavierungen, klarere Bassstimmenverläufe, Akkordumschichtungen, etc.), die Streicherwerke optimal für die Laute zu bearbeiten, so dass das klangliche Potential der „leisen Musik“ (dazu zählte die Laute im 18. Jahrhundert) voll ausgeschöpft wird.

Was an Norths Interpretation fasziniert, ist die glasklare Linienführung der Einzelstimmen. Die eng verzahnte Kontrapunktik in den Sonaten und Partiten für Violine solo wird von North mit stupender Leichtigkeit und brillanter Virtuosität ganz duftig und transparent – und damit im Charakter ganz anders als in der „Original“-Gestalt der Werke. Seinen Grund hat dies vor allem in der hohen Musikalität, in dem tiefen Verständnis, das Nigel North dieser Musik entgegenbringt, aber vor allem in der seiner technischen Meisterschaft, deren Folge es ist, das höllischen Anforderungen an den Musiker völlig vergessen zu lassen, um nur mit klanglicher Wirkung zu begeistern ( - anders als etwa in den Virtuosenschinken des 19. Jahrhunderts, in denen das Vorzeigen von körperlicher Anstrengung Teil der Werkkonzeption zu sein scheint). North wirkt als Interpret völlig zurückgezogen, allein das Werk zählt. Was natürlich nicht stimmt, denn um diese Wirkung hervorrufen zu können, braucht es schon einen versierten Musiker, der den Einruck von Natürlich zu erzeugen vermag. Nigel North kann das, sehr gut sogar. Seine Tempi sind fließend, der Tanzcharakter kommt in fließender Phrasierung zum Tragen, ohne forciert zu erscheinen, das Beste aber ist Norths virtuose Fähigkeit, einzelne Stimmen aus der kontrapunktischen Verzahnung leicht nach vorne zu ziehen, um so über der strukturell klaren Basis einen hauchdünnen Vordergrund von melodischer Prägnanz zu schaffen. Das macht ihm so schnell keiner nach.

Farbiger Klang

 

Von den Linn-Tonmeistern wurde dieses polyphone Geflecht kongenial eingefangen. Der Klang ist sehr direkt, vor allem die feinen farbigen Schattierungen der unterschiedlichen Register (D-Dur-Suite BWV 1012!) kommen bestens zum Tragen. Gleichzeitig wird durch diesen Klang einmal mehr die Meisterschaft Norths deutlich; denn jede kleinste Unebenheit in der Technik, die man auf der Laute sofort mit Störgeräuschen quittiert bekommt, würde bei diesem Klang ungeschönt an den Hörer weitergegeben. Aber das passiert nicht, Norths stupender Fingerarbeit sei Dank.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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