> > > Vaughan Williams, Ralph: On Wenlock Edge
Samstag, 1. November 2014

Vaughan Williams, Ralph - On Wenlock Edge

Unendliche Klangfacetten


Label/Verlag: Linn Records
Detailinformationen zur Platte


James Gilchrist erweist sich wieder einmal als Liedsnger erster Gte. Das Begleitensemble zaubert unglaubliche Farbwerte. Eine grandiose Platte, groartige Werke in einer hervorragender Interpretation prsentiert.

Selten bekommt man eine Platte zu hören, die so unendlich viel Feines, Subtiles, Poetisches zu bieten hat wie diese neueste Veröffentlichung des schottischen Labels Linn. Neben der fruchtbaren Zusammenarbeit dieses Labels mit dem Scottish Chamber Orchestra konnte mit James Gilchrist ein wahres Kleinod der zeitgenössischen Sängerzunft gewonnen werden. Welch hervorragender Liedsänger Gilchrist ist, zeigte bereits sein Einstieg bei Linn mit Liedern von Gerald Finzi (Linn Records CDK 253). Mit der vorliegenden Aufnahme mit Liedern bzw. Liedzyklen von Vaughan Williams, Warlock, Bliss und Gurney allerdings legt er ein wahres Meisterwerk vor.

Zitterndes Blättergeraschel und impressionistische Wärme

 

Gemeinsam ist den hier aufgenommenen Werken, dass es sich um Lieder der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts von englischen Komponisten handelt, die mit aparten Instrumentenkombinationen aufwarten. Nicht wie üblich für Singstimme und Klavier gestaltet, sondern etwa für Klavierquintett und Singstimme (Vaughan Williams) oder Flöte, Englischhorn und Singstimme (Warlock), zeigen diese Werke einen großen Reichtum an klangfarblichen Schattierungen. Das Fitzwilliam String Quartet versteht es vortrefflich, dieses Angebot weidlich zu nutzen, um die poetischen Stimmungen kongenial zu unterstreichen.

So zelebrieren die Musikerinnen und Musiker in Vaughan Williams Zyklus ‘On Wenlock Edge’ ein raffiniert subtiles Spiel mit Klangfarben wie man es heutzutage von einem Streichquartett kaum mehr gewohnt ist. Sicherlich kommt dem Ensemble seine historisch orientierte Herangehensweise an verschiedenes Repertoire hier zugute. Allein schon der delikate und zarte Einsatz verschiedener Grade des Vibrato-Einsatzes machen deutlich, welch Klangfarbengespür hier waltet. Vom fahl-matten, ungemütlich kalten klaren Sound ohne jegliche Bebung zu sorgsam dosiertem Vibrato reicht die Palette, die durch weitere Nuancen in der Klanggebung und Phrasierung unterstützt wird. Damit schaffen es die Musiker zusammen mit der ebenso feinfühlig agierenden Anna Tilbrook am Klavier, die Stimmung jedes einzelnen Liedes klanglich einzufangen, um James Gilchrist eine bestmögliche Grundierung zu verschaffen.

Tiefe Melancholie

 

Gilchrist selbst präsentiert sich hier als denkbar gut geeigneter Interpret dieses Repertoires. Auf der rein technischen Ebene und der Sprachgestaltung erweist er sich als formidabler Gestalter, auf der Ebene der Textausdeutung als ein dem Instrumentalensemble in Bezug auf Färbung und Klanggestaltung mehr als ebenbürtig. Am eindringlichsten gelingen ihm jene Lieder, in denen er seinen samtenen Tenor in der Mittellage natürlich und unaufgeregt deklamieren lassen kann. Höhepunkt in Vaughan Williams’ Zyklus ist hier das impressionistisch gefärbte ‘Bredon Hill’, das sich zu wahrer Tragik steigert, nachgezeichnet von James Gilchrist mit lebhaftem Ausdruck und einer auch in der Höhe stets unangestrengt klingenden Stimme (auch wenn das Vibrato in der Höhe ein wenig zu ausgeprägt ist – besonders im Vergleich zur sparsamen Vibration in der Mittellage).

Von tiefer Melancholie ist neben den Liedern aus ‘On Wenlock Edge’ auch Peter Warlocks (1894–1930) ‘The Curlew’ geprägt, ein Zyklus aus vier direkt miteinander verbundenen Liedern, zudem kompositorisch eng miteinander verknüpft. Auch hier präsentiert sich das Instrumentalensemble (Streichquartett, Flöte, Englischhorn) als ein höchst differenzierter Klanggrund, über dem James Gilchrist die elegische Poesie William Butler Yeats’ in ein Farbenspiel unterschiedlicher Stimmungen verwandeln kann. Besonders die Anlage der Lieder als ein ununterbrochenes Werk mit Vor-, Zwischen- und Nachspiel des Ensembles lassen Warlocks ‘The Curlew’ zu einem eindringlichen, von poetischer Zartheit geprägten Höhepunkt dieser erstklassigen SACD werden.

In ebenso lobenden Tönen ließe sich von Gilchrists Gestaltung des ‘Elegiac Sonnet’ von Arthur Bliss (1891–1975) schwärmen, dem als Schluss – und abermaligem Höhepunkt – Ivor Gurneys (1890–1937) Liedzyklus ‘Ludlow & Teme’ folgt, ebenso wie Vaughan Williams’ Zyklus basierend auf Gedichten von Alfred Edward Housman.

All diese Lieder sind ebenso meisterlich gearbeitet wie sie auch interpretiert werden – ein große Bereicherung des Repertoires, sind dies doch einzigartige Schätze, die zu heben sich zweifelsohne mehr als gelohnt hat!

Freilich können sich die kostbaren Nuancen dieser exzellenten Einspielung nur in dem Maße entfalten, in dem sie von der Technik eingefangen wurden. Die Techniker von Linn bewiesen hier abermals höchste Kunstfertigkeit. Die Balance zwischen Sänger und Instrumentalensemble ist stets ausgezeichnet, die Farbigkeit im Vokalen und Instrumentalen von unendlichen Schattierungen geprägt. Und welche Klangwunder wären da erst zu erwarten, wenn man Hinweis auf der CD ‘This CD sounds even better through a Linn CD Player’, beherzigte!

Ausgestattet ist das optisch sehr ansprechende Booklet mit einem vor allem auf die Entstehung der Werke eingehenden Text und den kompletten Texten – allerdings nur auf englisch.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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