> > > Ravel, Maurice: Klavierwerke
Dienstag, 3. Mrz 2015

Ravel, Maurice - Klavierwerke

Kühle Leidenschaft


Label/Verlag: Linn Records
Detailinformationen zur Platte


Ein klarer und schlssiger Einstieg in das Klavierwerk Maurice Ravels: Artur Pizarro zeigt sich als Kenner der franzsischen Schule und ambitionierter Interpret der Tastenkunst Ravels.

Nach einem Bonmot des Schriftstellers Jean Cocteau seien die Klavierwerke von Maurice Ravel (1875-1937) ‚Musik ohne Soße’ – reduziert auf das Wesentliche, aber durchaus nicht ohne Substanz. Und diese ja durchaus ambivalente Einschätzung weist in eine richtige Richtung: Ravels Klaviersatz ist von leichter, niemals schwülstiger Poesie durchweht, bleibt immer klar, reduziert und reich zugleich. Den Sätzen merkt man die lange konzeptionelle Arbeit und Vorbereitungszeit des Komponisten an – sie sind gezügelt leidenschaftlich, manchmal durchsichtig bis zu kristalliner Härte und doch auf eine dezidierte Weise emotional, oft indirekt, wie das bloße Zitat einer wirklichen Emotion.

Das alles vollzieht sich technisch brillant und ambitioniert im glänzenden Spiel der verschiedenen Klangfarben. Lange Glissandi bestimmen das Klangbild ebenso wie die häufige Verwendung der silbrigen Höhenregister. Bei aller klanglichen Leichtigkeit stellen die frei konzipierten Werke hohe spieltechnische Anforderungen – der Interpret muss das in vielen Sätzen mitgedachte und anklingende Orchester, das manchem der Stücke nach Bearbeitung durch Ravel selbst zu späterem Ruhm verhalf, mitempfinden.

Kundig & mit Einfühlung

 

In dem frühen ‚Jeux d’eau’, dem dreiteiligen ‚Gaspard de la nuit’, der ‚Sérénade grotesque’, dem sechsteiligen Zyklus ‚Miroirs’ und der abschließenden ‚La Valse’ stellt der 1968 geborene portugiesische Pianist Artur Pizarro sich als intimer Kenner der französischen Klavier-Schule vor. Er verfügt über eine sehr feine Technik, bewältigt die erheblichen Herausforderungen mit guter Geläufigkeit und schafft es, Ravels kompositorische Ideen ohne Schatten umzusetzen. In herrlich leichten Läufen, perlenden Tonketten präsentiert er seinen zarten Zugriff und legt die delikate Faktur der Musik offen. Trotz aufblitzender Brillanz hat Pizarro genug Geduld, um auch verhaltene Sätze intensiv zu gestalten. Dazu verhilft ihm auch ein sehr kontrollierter Anschlag, der feinste dynamische Differenzierungen erlaubt.

Insgesamt präsentiert Arturo Pizarro einen vielversprechenden ersten Teil des Klavierwerks Maurice Ravels: Als intensiver Interpret findet er zur notwendigen Mischung aus Eleganz, Brillanz, Kraft und Zurückhaltung, mischt genug Zweifel und ironisch gebrochene Leichtigkeit in ‚seinen’ Ravel – man wird den Fortgang des Projekts mit Interesse verfolgen können.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Weitere CD-Besprechungen zum Label Linn Records:

  • Zur Plattenkritik... Bruckners Zweite als Ensemblemusik: Bruckners Zweite in einer Bearbeitung fr Ensemble: mehr Licht als Schatten. Weiter...
    (Dr. Aron Sayed, 30.09.2014)
  • Zur Plattenkritik... Gren des zweiten Blicks: Groe Komponisten der Tudor-Zeit in einem interessanten Programm, mit einem Schwerpunkt abseits der groen Namen. Das Ensemble Magnificat berzeugt mit feiner Vokalkunst. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, 26.08.2014)
  • Zur Plattenkritik... Feinheiten und Rafinessen: Eine musikalisch sehr gute und in der kammermusikalisch reduzierten Darstellung symphonischer Musik intime und durchsichtige Interpretation von Mahlers Vierter Sinfonie und Debussys 'Prlude l'aprs-midi d'un faune'. Weiter...
    (Dr. Claudia Maria Korsmeier, 04.07.2014)
blättern

Alle Kritiken von Linn Records...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Matthias Lange:

  • Zur Plattenkritik... Klangfreudig: Die Capella Cracoviensis legt eine weitere solistische Deutung der Motetten Johann Sebastian Bachs vor. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, 23.02.2015)
  • Zur Plattenkritik... Intim und inspiriert: Richard Egarr und seine Academy of Ancient Music mit einer sehr eleganten, solistisch besetzten Interpretation der Bachschen Orchestersuiten. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, 20.02.2015)
  • Zur Plattenkritik... Polnische Schmuckstcke: Ein hochinteressantes Programm mit Musik von Marcin Mielczewski, Adam Jerzębski und Mikołaj Zieleński in einer hochklassigen Interpretation durch Manfred Cordes und sein Ensemble Weser-Renaissance. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, 19.02.2015)
blättern

Alle Kritiken von Dr. Matthias Lange...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Plattenkritik... In Hochform: Das Trio Jean Paul spielt Klaviertrios von Joseph Haydn und berzeugt einmal mehr mit gestalterischer Raffinesse. Weiter...
    (Yvonne Rohling, 02.03.2015)
  • Zur Plattenkritik... Schwarzwei und in Farbe: Dennis Russel Davis untersucht Strawinskys 'Sacre du Printemps' aus verschiedenen Blickwinkeln - mit ambivalentem Ergebnis. Weiter...
    (Cornelius Rauch, 01.03.2015)
  • Zur Plattenkritik... Nahe dran: Murray McLachlan erweist sich als in jeder Hinsicht sattelfester Interpret der Klavierwerke von Ronald Stevenson. Weiter...
    (Dr. Jrgen Schaarwchter, 28.02.2015)
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

harmonia mundi magazin (2/2015) herunterladen (3800 KByte) NOTE 1 - Mitteilungen (3/2015) herunterladen (2709 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Paul Graener: Drei Schwedische Tnze op. 98 - III. Dalekarlien. Allegro non troppo ma marcato

Radio starten

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Catherine Gordeladze im Portrait "Mein Traum ist, dass sich Kinder noch strker mit klassischer Musik befassen"
Geronnene Improvisation - die Pianistin Catherine Gordeladze erkundet den Grenzbereich zwischen Klassik und Jazz

weiter...
Alle Interviews...


Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich