> > > Katherine Bryan spielt: Werke fr Flte & Orchester von L. Liebermann, Poulenc, Nielsen & He
Mittwoch, 2. September 2015

Katherine Bryan spielt - Werke fr Flte & Orchester von L. Liebermann, Poulenc, Nielsen & He

Virtuositt auf Kosten der Phantasie


Label/Verlag: Linn Records
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Der jungen Fltistin Katherine Bryan gelingt die Einspielung vier vielschichtiger Werke des vergangenen Jahrhunderts mit groer technischer Sicherheit und einem hohen virtuosen Anspruch. Leider wirkt ihre Interpretation teils etwas uninspiriert.

Ein außerordentlich anspruchsvolles Programm präsentiert die junge Ausnahmeflötistin Katherine Bryan auf ihrer ersten solistischen bei Linn Records erschienenen CD-Einspielung. Neben den beiden bekannten Flötenkonzerten von Lowell Liebermann und Carl Nielsen umfasst die Aufnahme noch die für Orchester arrangierte Sonate von Francis Poulenc und Georgés Hes 'Fantasie', ebenfalls in der Fassung für Soloflöte und Orchester. Damit präsentiert die Aufnahme ausschließlich Kompositionen des 20. Jahrhunderts. Diese geben gerade hinsichtlich ihrer unterschiedlichen Formgestaltung als Konzert, Sonate oder Fantasie von der Ein- bis zur Dreisätzigkeit ein sehr facettenreiches Gesamtbild von Flötenwerken aus der Spätromantik, dem Impressionismus und der Postmoderne. Die Zusammenstellung dieser Kompositionen erscheint äußerst gelungen, beeindrucken die Werke doch in ihrem Umgang mit Instrumentation und Klanggestaltung.

Mit der reichlich bebilderten Gestaltung des Booklets werden vordergründig aber weniger die Flötenwerke illustriert. Im Zentrum dieser Einspielung steht zweifellos die Flötistin Katherine Bryan, die bei allen Werken vom Royal Scottish National Orchestra unter der Leitung von Paul Daniel begleitet wird. Die Britin veröffentlicht ihre erste Aufnahme mit den Kompositionen, die sie entweder für erfolgreiche Wettbewerbe oder Konzerte bereits vielfach vorbereitet hat, wie aus dem Booklet hervorgeht. Die erstaunliche Reife beim Flötenspiel der jungen Musikerin kann über alle vier Werke hinweg beeindrucken. Gerade die virtuosen Passagen in Liebermanns Konzert meistert Bryan mit bemerkenswerter Leichtigkeit; die schier endlosen Melodiebögen im zweiten Satz dieses Konzerts werden in einem großen Spannungsbogen mit nicht nachlassender Klangintensität interpretiert.

Obwohl auf dem Cover des Booklets neben dem großen Profilfoto der Flötistin die Aufmerksamkeit auf das Konzert von Liebermann gelenkt wird, geht vor allem von ihrer Interpretation des zweisätzigen Nielsen-Konzerts eine besonders nachhaltige Wirkung aus. Die hohe Agilität des Orchesters verstärkt das ausdrucksstarke und virtuose Spiel der Flötistin. Trotzdem erscheint das Ausdrucksspektrum der Flötistin insgesamt leider recht beschränkt. Für den musikalischen Ausgleich sorgen die vielen, geballten Klangereignisse, die sich im Orchester abspielen und dabei teils vom Flötenpart ablenken.

Ein interessantes Hörerlebnis bieten die beiden Bearbeitungen der ursprünglichen Flötenwerke mit Klavierbegleitung von Poulenc und He, die in Orchesterfassungen nur äußerst selten zu erleben sind. In der Sonate des französischen Komponisten Francis Poulenc verliert das Arrangement für Orchester durch die reichhaltige, bisweilen übertriebene Instrumentierung von Lennox Berkeley an musikalischer Tiefe und klanglicher Direktheit. Besonders die 'Cantilena' (zweiter Satz) unterliegt hier einer beinahe durchgängigen Klangfläche durch die Streicher; in Kombination mit der recht eingeschränkten Agogik Bryans geht der Reiz des langsamen Satzes, der sich doch gerade in der engen, charakteristischen Verzahnung von Flöte und Klavier ausdrückt, leider etwas verloren. Die typischen Gestaltungsmerkmale des französischen Impressionismus treten dadurch gerade bei diesem Werk auch dadurch in den Hintergrund, dass es Bryans Interpretation stellenweise an phantasievoller Eingebung mangelt. Der Mangel an einem intuitiven, flexiblen und ausdrucksstarken Spiel steht bei der Aufnahme insgesamt im unauflösbaren Widerspruch zum sehr hohen flötentechnischen Anspruch der Nachwuchsflötistin.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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