> > > Mozart, Wolfgang Amadeus: Sinfonien KV. 201, 207, 318, 385 & 425
Sonntag, 2. August 2015

Mozart, Wolfgang Amadeus - Sinfonien KV. 201, 207, 318, 385 & 425

Am Zenit


Label/Verlag: Linn Records
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Sir Charles Mackerras erweist sich einmal mehr als groartiger Mozart-Interpret, der diese Musik ebenso lebendig und locker wie natrlich und gespannt klingen lsst.

Was für eine wohltuende, großartige Aufnahme ist diese bei Linn erschienene Doppel-CD mit Sinfonien Wolfang Amadeus Mozarts mit Sir Charles Mackerras und dem Scottish Chamber Orchestra. Wohltuend, weil Mackerras die Mozartsinfonien nicht – wie viele seiner jüngeren Kollegen in jüngster Zeit – auf geräuschhaft-perkussiven Streicherkrawall bürstet, nicht nach möglichst ruppigen Klängen sucht und sportive Tempi, denen allzu leicht Mechanisches anhaftet, durch ein flüssig-bewegtes Musizieren ersetzt. Großartig ist die Einspielung der fünf zwischen 1774 und 1783 entstandenen Sinfonien auch, weil Mackerras es nicht mehr nötig hat, etwas beweisen zu müssen. Er hat diese Stücke schon einmal aufgenommen, damals mit dem Prager Kammerorchester bei Telarc, zeigend, dass Mozarts Musik in flotten Tempi und reduziertem Orchestergewand viel feingliedriger, aber auch dramatischer klingen kann. Nun, mit über 80 Jahren, ist Mackerras mit dieser stimmigen, lebendigen Aufnahme ohne Zweifel auf dem Zenit der Mozart-Interpretation angekommen. Das zeigte schon jene Produktion mit Mozarts letzten Sinfonien mit dem Scottish Chamber Orchestra, die dieser Aufnahme vorausgegangen war.

Hier erklingen nun die herrliche A-Dur-Sinfonie KV 201, die ‚Pariser‘ Sinfonie KV 297 (mit beiden Mittelsätzen), die G-Dur-Sinfonie KV 318 und die ‚Haffner‘-Sinfonie KV 385 sowie die ‚Linzer‘ KV 425 – Werke, in denen Mozart mehr noch als in den früheren Sinfonien den orchestralen Satz substanzreich strukturiert, mit kontrapunktischen Techniken zuweilen fast kammermusikalische Dichte schafft. Etwa im Kopfsatz der A-Dur-Sinfonie, in der charakteristische Motive imitiert werden (wie der einleitende Oktavsprung dann in den Celli, im Seitenthema der aufsteigende Sprung), später sich Gegenbewegungen zwischen Streichern und Bläsern (Oboe und Horn) einstellen, ehe die Coda mit einem hauchfeinen kontrapunktischen Gewebe für Verzahnung sorgt. Selten hat man diese Gegenstimmen so deutlich wahrnehmen können wir in Mackerras‘ Wiedergabe, die so wunderbar unangestrengt daherkommt: deutlich, aber nicht mit erhobenem Zeigefinger. Das Scottish Chamber Orchestra, im Blech auf historische Instrumente zurückgreifend, entfaltet gerade in dieser hell getönten Sinfonie mit den glanzvollen Hörnern in A eine ganz warme Klanglichkeit, die auch das „Andante“ zu einem beweglich vorgetragenen lyrischen Kleinod macht. Überhaupt erweist sich das Orchester nicht nur technisch als vorzüglich, sondern vor allem hinsichtlich der Klangkultur.

Mit flotten Tempi geht Mackerras die Musik an, legt aber das Hauptgewicht seiner klanglichen Darstellung auf die differenzierende Balance des Orchestersatzes. Das hoch engagierte, erstklassig agierende Kammerorchester setzt die Direktiven von Mackerras äußerst feinfühlig und vor allem lebendig um. Wunderschön, wie Mackerras in den Reprisen manchmal Nebenstimmen etwas mehr nach vorne zieht oder auch in den Wiederholungen durch Verschiebungen in der orchestralen Balance für Abwechslung sorgt, besonders gegen Ende der Sätze hin auch für Spannung, wenn die Bläser ihre bronzene Farbe kräftig beimischen dürfen. Neben einer ‚Pariser‘ Sinfonie, die nicht zuvorderst von ihren Effekten lebt, sondern von einer kecken Beweglichkeit ist es vor allem die ‚Linzer‘ Sinfonie, die hier in einer einzigartig schwungvoll-delikaten Wiedergabe erklingt und die Einspielung großartig abrundet. Mackerras verleiht der Musik eine ganz natürlich daherkommende musikalische Frische, dass man meint, man könne diese Stücke gar nicht anders spielen. Leider hat Mackerras für diese Folge den (nur englischen) Booklettext nicht selbst verfasst. Für das dünne Beiheft entschädigt aber ein toller Klang, der diese SACD aus dem Hause des schottischen High-End-Spezialisten Linn zu einem klanglichen Erlebnis erster Güte macht. Die von Mackerras fein herausgearbeiteten Farben kommen bestens zur Geltung, gleichzeitig erklingen die Stimmen in fabelhaft kammermusikalischer Transparenz – Charakteristika, die jeder Kammerorchester-Einspielung zu höchster Ehre gereichen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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