> > > Purcell, Henry: Ten sonatas in four parts
Freitag, 4. September 2015

Purcell, Henry - Ten sonatas in four parts

Italienisches von der Insel


Label/Verlag: Linn Records
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das englische Retrospect Trio spielt fr Linn Records zehn posthum verffentlichte Triosonaten von Henry Purcell ein und vermag durch Stilsicherheit und eleganten Klang zu berzeugen.

Henry Purcell war, im Gegensatz zu manchen seiner Landsleute, von der Kunst der italienischen Geigenvirtuosen begeistert, die sich im späten 17. Jahrhundert in London die Ehre gaben. Die fahrenden Musiker machten Concerti und Triosonaten in ganz Europa bekannt, und Purcell war von der italienischen Instrumentalmusik so angetan, dass er sich mit seinen eigenen Werken bewusst an diesen Stil anlehnte. Er veröffentlichte im Jahr 1685 ein Heft mit Triosonaten, die 'Twelve Sonatas of III Parts’, und posthum erschien 1697 ein zweiter Band mit dem Titel 'Ten Sonatas in Four Parts’. Die Besetzung ist allerdings in beiden Werkzyklen identisch, es sind jeweils vier Musiker beteiligt. Der Dirigent und Cembalist Matthew Halls führt die ambivalente Namensgebung auf einen veränderten Zeitgeschmack zurück – seitdem neue Kompositionen häufig eine sehr selbständig geführte Generalbassstimme enthielten und die Verleger auch einen eigenen Cembalopart herausgaben, wurde auch die Benennung angepasst. Halls’ Interpretation der zweiten Serie von Purcells Sonaten ist nun in einer Einspielung des englischen Labels Linn Records zu hören. Er musiziert mit dem Retrospect Trio, das sich aus drei in England und den Niederlanden ausgebildeten, auf Barockmusik spezialisierten Musikern formiert: den Geigern Sophie Gent und Matthew Truscott sowie Jonathan Manson an der Bassgambe.

Die zehn 'Sonatas in Four Parts’ entsprechen dem Typus der Sonata da camera, sind also suitenartige Werke ohne thematische Verwandtschaft zwischen den einzelnen Sätzen, und versammeln in ihrer Gesamtheit höchst unterschiedliche Charaktere auf engem Raum. Neben italienischen Einflüssen sind auch Elemente des französischen Instrumentalstils spürbar; auch Purcells eigene Vorliebe für exponierte Dissonanzen und eine avancierte, stufenreiche Harmonik finden Eingang in die Kompositionen. Es ist auffällig, wie flexibel Purcell mit der traditionellen Viersätzigkeit der Triosonate verfährt: der an zweiter Stelle stehende Allegro-Satz trägt oft den Titel 'Canzona’, wie die französische Air mitnichten ein auf Gesanglichkeit hinweisendes Attribut; häufig wird ein zusätzlicher langsamer Satz integriert; die fünfte Sonate in g-Moll enthält gar sieben Sätze. Die ausgeprägte Kontrapunktik bezieht auch die Bassstimme mit ein – dies führt zu erstaunlicher satztechnischer Vielfalt, gerade in den fugierten Allegro- und Presto-Sätzen.

Das Retrospect Trio liefert eine historisch informierte, sehr durchdachte Wiedergabe. Die Generalbassgruppe stützt das Klangbild jederzeit, tritt aber niemals in den Vordergrund; wenn die Basslinie am thematischen Geschehen teilhat, zeichnet sie sich durch große Beweglichkeit aus. Die beiden Geigenstimmen verschmelzen nahezu ideal – kadenzierende Synkopenvorhalte gewinnen durch die stilsichere Abphrasierung zur Konsonanz ein melancholisches Pathos, das sich besonders charakteristisch in der dritten Sonate in a-Moll zeigt. Gelegentlich dürften aufgeregte oder leidenschaftliche Affekte noch couragierter dargeboten werden; das Ensemble kultiviert einen aus technischer Perspektive untadeligen, aber emotional recht kontrollierten Tonfall. Durch eine sehr ansprechende graphische Gestaltung überzeugt die SACD auch optisch. Der englische Begleittext von Matthew Halls wartet mit detailgenauen Informationen zur Entstehungsgeschichte der Werke auf; der Aufnahmeort, die verwendeten Instrumente und die historische Stimmung sind vorbildlich dokumentiert. Eine wertvolle, in vieler Hinsicht überzeugende Einspielung.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Linn Records:

  • Zur Kritik... Bruckners Zweite als Ensemblemusik: Bruckners Zweite in einer Bearbeitung fr Ensemble: mehr Licht als Schatten. Weiter...
    (Dr. Aron Sayed, )
  • Zur Kritik... Gren des zweiten Blicks: Groe Komponisten der Tudor-Zeit in einem interessanten Programm, mit einem Schwerpunkt abseits der groen Namen. Das Ensemble Magnificat berzeugt mit feiner Vokalkunst. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Feinheiten und Rafinessen: Eine musikalisch sehr gute und in der kammermusikalisch reduzierten Darstellung symphonischer Musik intime und durchsichtige Interpretation von Mahlers Vierter Sinfonie und Debussys 'Prlude l'aprs-midi d'un faune'. Weiter...
    (Dr. Claudia Maria Korsmeier, )
blättern

Alle Kritiken von Linn Records...

Weitere CD-Besprechungen von Wendelin Bitzan:

  • Zur Kritik... Bemerkenswerte Spannungsbgen: Tomasz Wija und David Santos prsentieren ein ungewhnliches, dramaturgisch sinnvolles Liedprogramm in sehr ansprechender Weise. Nur der Klang lsst ein wenig zu wnschen brig. Weiter...
    (Wendelin Bitzan, )
  • Zur Kritik... Flammendes Pldoyer fr die englische Symphonik: Dieser in allen Belangen berzeugende Tontrger vereint Aufnahmen von Schlsselwerken der beiden bedeutendsten englischen Symphoniker der neueren Zeit, Elgar und Vaughan Williams. Sir Colin Davis leitet das Orchester des Bayerischen Rundfunks. Weiter...
    (Wendelin Bitzan, )
  • Zur Kritik... Kontrastierende Handschriften: Eine inspirierte Darbietung von Bla Bartks Sonate fr zwei Klaviere und Schlagzeug wird kombiniert mit der Ersteinspielung eines Werkes gleicher Besetzung von Wolfgang Rihm. Musiker und Aufnahmeleitung gelangen zu einem durchweg berzeugenden Ergebnis. Weiter...
    (Wendelin Bitzan, )
blättern

Alle Kritiken von Wendelin Bitzan...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Begegnungen: Die Sinphoniker und der Taipei Male Choir mit interessanter neuer Chormusik, berzeugend gesungen, mit ein wenig Luft nach oben. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Delicatessen: Das Quartett La Ritirata erkundet das Schaffen Juan Crisstomo de Arriagas mit Verve und Stilsicherheit auf historischem Instrumentarium. Das Ergebnis ist tadellos. Weiter...
    (Dr. Jrgen Schaarwchter, )
  • Zur Kritik... berraschend gut: ein flottes Brahms-Requiem: Marin Alsops Aufnahme des 'Deutschen Requiem' von Brahms ragt vor allem wegen des zgigen Tempos aus den Vergleichseinspielungen hervor. Der Ansatz ist aber schlssig und wird durch einen sehr differenzierten Umgang mit Agogik und Dynamik untersttzt. Weiter...
    (Sonja Jschke, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Internationaler Mozartwettbewerb

Anzeige

Magazine zum Downloaden

harmonia mundi magazin (8/2015) herunterladen (1831 KByte) NOTE 1 - Mitteilungen (9/2015) herunterladen (3117 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Pietro Mascagni: L'amico Fritz - Intermezzo

Radio starten

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Erik Schumann im Portrait "Musik ist mein Lebensinhalt"
Der Geiger Erik Schumann ber seine neue CD, Johannes Brahms, Kammermusik, das Aufwachsen in einer Musikerfamilie, das Internet und Musik als therapeutisches Mittel.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich

Don Giovanni