Ja herrlich, Strauss Johann, Vater, samt Söhnen Johann, Eduard und Josef. Und noch mal herrlich, weil so ungewöhnlich: Walzer, Quadrille, Galopp und Polka schnell, Mazur und francaise, luftig und leicht, kammermusikalisch klar. Ein heiterer Disput mal langsam, dann wieder schnell, hitzig, überlegt, versponnen oder übermütig und prustend vor Lachen. Die fröhlichen Disputanten sind zwölf wunderbare Musiker um den Dirigenten Arthur Kulling. Anlässlich seines 80. Geburtstages in diesem Jahr gibt sein Sohn Ralph, Stehgeiger (Soloviolinist) der Einspielung, diesen Zusammenschnitt von 1985, aus zehn Jahren Arbeit des Alt-Wiener Strauss-Ensembles, noch einmal heraus. Gut so, und Glückwunsch dem Gründer und spiritus rector dieser kammermusikalischen Tanzmusikvereinigung.
Kulling Vater war neugierig und wollte herausfinden, wie die hier versammelten Stücke einst in kleiner Besetzung im alten Wien geklungen haben könnten. Originalnotenmaterial existierte nicht mehr, nur das Wissen darum, dass seinerzeit auf keinen Fall massige Sinfonieorchester in Gärten und Ballsälen die Walzer, Polkas, Quadrillen und Galoppe dermaßen aufbrausen ließen, als seien sie nicht von Johann Strauss Vater, Sohn oder Eduard und Josef, sondern von Richard Strauss und ein bisschen auch noch von Richard dem anderen.
Arthur Kulling konnte sich bei seiner Rekonstruktionsarbeit auf Einspielungen mit dem unvergessenen Dirigenten und Strauss-Spezialisten Willi Boskowsky stützen und sogar auf die Klänge eines kostbaren Tondokuments. Auf einer Walze ist eine Interpretation des ‘Frühlingsstimmenwalzers’ verewigt, durch keinen Geringeren als Johann Strauss III, den Sohn Eduards.
Kulling und die Mitglieder das Alt-Wiener Strauss-Ensembles kommen in ihrer ‘kleinen’ Besetzung zu großen Ergebnissen. Die Musik gewinnt an Feinheiten, sogar an Raffinesse und sie duftet. Der Humor ist freundlich, wie in der entzückenden schnellen Polka ‘Plappermäulchen’(Josef). Elegant sind die tänzerischen Gesten in der ‘Attaque-Quadrille’(Johann), dem Ländler ‘Die Nasswalderin’(Josef). Eine muntere und forsche Folge von Melodien aus Johanns Operette ‘Prinz Methusalem’ bietet die selten zu hörende Ouvertüre. Geschwind fliegt Eduards Polka ‘Wo man lacht und lebt’ dahin, weniger rasch, dafür mit den Verzögerungen einer kleinen, heurigenseligen Schwermut, Josefs Polka Mazur ‘Vergissmeinnicht’. Natürlich muss auf Walzer nicht verzichtet werden, aber hier kommen sie leicht gewebt daher, sie walzen und überrollen nicht, sie schweben, laden ein. Zum Schluss ein graziler Galopp von Vater Strauss, ‘Gitana’. 1985 brauchten die Musiker genau 2:38 Minuten um diese Köstlichkeit nach einer spanischen Zigeunermelodie einzuspielen, 18 Jahre später, so belegt der Bonustrack, nur noch 2:11 Minuten. Geschwindigkeit, so exzellent, ist keine über die Noten huschende Raserei.
Charmant, mit Schmäh und großer Kunst für kleine Klänge, der Sound beim großen oder kleinen Braunen. |