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Details zu Skride, Baiba: Violin Concertos
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Kritik zu Sony Classical: Skride, Baiba: Violin Concertos

Glühwein im September


tocafi, 01.10.2004

Skride, Baiba: Violin Concertos
Label: Sony Classical , VÖ: 23.08.2004


Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 
Booklet: 





Baiba Skride die zweite: Nach ihrem gelungenen Soloeinstand darf das junge
Talent nun seine  Fähigkeiten im Zusammenspiel mit dem Orchester (hier: das
Kammerorchester C. Ph. E. Bach) demonstrieren. Warum sich die 23-jährige
gerade in diesem Fall, wo es sich doch  um den Teamgeist drehen sollte, wie
eine Diva auf ihrem Sessel fläzt, dürfte wohl das Geheimnis des Fotografen
bleiben. Und während das Cover sich noch um einen 18. Jahrhundert-Anstrich
bemüht, wird die sorgsam (und noch durch einen stabilen Pappschuber betonte)
Illusion auf der Rückseite mit einer Aufnahme des durch elektrische Lampen
illuminierten Hotelflurs zunichte gemacht. Was aber recht eigentlich gut
passt zu einer CD, welche die Süße und ‘Natürlichkeit’ von Zuckerwatte
aufweist.

Davon aber erst später mehr, denn ganz schön perfide und ganz und gar nicht
lieblich präsentiert sich erst einmal der ganz gewiss zu Missverständnissen
führende Aufdruck auf der Hülle: Wer vor dem Namen Haydn den Buchstaben ‘M’,
statt ‘J’ bemerkt, darf sich glücklich schätzen, hier nicht daneben
gegriffen zu haben. Man mag einwenden, dass ‘Violin Concertos’ nicht so sehr
von seinen Komponisten, als vielmehr der Interpretin leben soll, doch kann
ein gewisses Kalkül kaum ausgeschlossen werden. Und Michael mag früher als
sein älterer Bruder zu Ruhm und Anerkennung gefunden und einige bedeutende
und starke Werke verfasst haben, sein ‘Concerto in B-Dur’, welches das Album
ausklingen lässt, gehört nicht dazu. Musik wie ein einziges großes Klischee
ist das - sie muss Kubrick für ‘Barry Lyndon’ und seine Odyssee im Weltall
entgangen sein - unverbindlich, gefällig und wenig aufregend. Und statt sich
dem flauschigen Mittelmaß mit aller Macht entgegenzustemmen, bleibt auch
Skride in ihrem Ansatz etwas farb- und harmlos. Lediglich der langsame
Mittelsatz hat außer Schönklang auch einige substantiellere Momente
vorzuweisen, doch fehlt auch hier das gewisse Etwas.


Gut, dass es noch Mozarts ‘Concerto No. 3’ gibt, eine sichere Bank zwar,
doch eben auch eine, bei welcher der Solistin ausreichend Platz zur
Entfaltung persönlicher Potentiale gelassen wird. Und die nützt Baiba Skride
bedeutend besser als bei dem müden Haydn: Forsch, doch niemals schneidend
ist ihr Ton,  bestimmt, doch nicht egoistisch. Wer etwas anderes oder gar
eine auf Machtgehabe ausgerichtete Show erwartet hat, muss wohl überlesen
haben, dass diese Frau seit ihrer Kindheit im Ensemble mit ihren Schwestern
Kammermusik praktiziert. Wie auch auf ihrer Zusammenstellung von Partitas
sind sublime Laut/Leise-Kontraste und butterweiche Läufe die herausragenden
Merkmale ihres Spiels - so herausragend gar, dass man meint, sie aus
Tausenden heraushören zu können.


Hartmut Haenchen und das Produzententeam lassen derweil bereits im September
die Weihnachtsglöckchen bimmeln: Das Adagio ist ein Walzer mit Zuckerguss in
surrealistischen Neon-Farben und auch der Rest der Platte kommt mit einem
runden, warmen Wohlfühlklang daher, der eigentlich besser zu Winter,
Eiskristallen auf dem Fenster und Glühwein passt. Andererseits muss man
sagen: Das Material verträgt die Vorgehensweise und immer dann, wenn einem
kalt und traurig ums Herz ist, wird diese Musik Wunder wirken. Und Skride
schärft mit Entschiedenheit und Präzision das leicht konturenlose Bild des
Orchesterklangs.

Die Deutsche Grammophon hat Hillary Hahn, die Decca Janine Jansen und Sony
jetzt Baiba Skride - der Dreikampf kann beginnen! Eine ganz und gar reizende
Aussicht, haben doch alle drei Damen ein eigenes Profil, reichlich Talent
und ein gesundes Maß an Ehrgeiz vorzuweisen. Wenn diese beiden CDs eines
beweisen, dann dieses: Den Anschluss an die Spitzengruppe junger
Geigenvirtuosinnen hat Skride quasi aus dem Stand geschafft.

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