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Details zu Trio Bornalie: Klarinettentrios
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Kritik zu Edition Hera: Trio Bornalie: Klarinettentrios

Kammermusikalische Intimität und Intensität


Tobias Pfleger, 07.01.2004

Trio Bornalie: Klarinettentrios
Label: Edition Hera , VÖ: 08.12.2003
Spielzeit: 59:38 , aufgenommen 05/2003


Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 
Booklet: 





‘Ich mag Orchestermusik lieber als Kammermusik’, das kann man des öfteren hören. Mit Kammermusik tun sich einige Hörer schwerer als z.B. mit Orchestermusik. Warum eigentlich? Bei einer Bruckner-Sinfonie kann einem der Einsatz eines Themas beinahe nicht entgehen, denn erstens baut sich davor eine ungeheurer Steigerung auf und zweitens wird das Thema dann in einer derartigen Monumentalität vorgestellt, dass man es eigentlich nicht verpassen kann. Kammermusik ist in dieser Hinsicht schwerer zu hören: Denn wenn Themeneinsätze von nur einem Instrument, oder wenigstens von wenigen gespielt werden, dann fällt einem das nicht unbedingt auf, wenn man nicht wirklich den formalen Ablauf verfolgt. Und auch in puncto Klang kann eine Kammermusikbesetzung, ein Streichquartett beispielsweise, nicht den Klangfarbenreichtum eines großen Symphonieorchesters bieten. Aber natürlich hat die Kammermusik auch ihre Stärken und die liegen in ihrer ungemein direkten, transparenten, intensiven Faktur. Hier werden wenige Instrumente als gleichberechtigte Partner angesehen, es ergibt sich ein Dialog (mit mehreren Teilnehmern), der auch kleinste Details hörbar macht und Nuancen auskostet.

In diese Sparte von Kammermusik fallen alle auf der vorliegenden CD enthaltenen Werke. Unerhört feine Ausdruckscharaktere ergeben sich im ‘Dialog’ zwischen Klarinette, Cello und Klavier. Johannes Brahms wollte ja eigentlich nach dem Streichquintett op. 111 schon gar nichts mehr komponieren, doch als er 1891 den Klarinettenvirtuosen Richard Mühlfeld kennen lernte, entschied er sich dafür, noch ein paar Werke für Klarinette in Kammermusikbesetzung zu komponieren. Im Zuge dessen entstanden das Klarinetten-Trio op. 114, sowie das Klarinetten-Quintett op. 115. Im Gegensatz zu den früheren Kammermusikwerken Brahms´ herrscht in dem Trio keine derart dichte, komplexe Satzstruktur vor; vielmehr scheint sich Brahms hier auf das Nötigste (an Noten) zu beschränken, um den Satz transparent, leicht und doch intensiv zu gestalten. Genau dies vermittelt die Interpretation des Trios Bornalie. Das Zusammenspiel ist durchweg perfekt, man hat den Eindruck als würde dieses Ensemble schon seit Urzeiten miteinander Musik machen. Was diese Aufnahme zu einem besonderen Ereignis macht ist die weiche, klare Linienführung der einzelnen Instrumente. Hier besticht der ehemalige Soloklarinettist des Staatstheaters Stuttgart, Leiter verschiedener Jugendorchester und Professor für Klarinette (in Stuttgart), Norbert Kaiser, mit seiner ungekünstelten, natürlichen Art Melodiebögen frei auszusingen. Und auch der französische Cellist Francis Gouton fügt sich in dieses Ensemble perfekt ein. Hier lässt sich keine Spur von Ruppigkeit oder ähnlichem feststellen, der Klang des Cellos ist fast durchweg geprägt von einem seidenweichen Timbre. Und nicht zuletzt die Pianistin Saoli Saito tut ihr übriges, um nicht nur den Melodieinstrumenten einen ‘Satzuntergrund’ zu verschaffen, sondern auch darin eingearbeitet Motive aus dem Stimmengeflecht sanft an die Oberfläche zu transportieren. Hört man einmal die kleinen, anrührenden Rubati an den vorbereiteten Kadenzen z.B. am Übergang vom ersten zum zweiten Thema des ersten Satzes, so kann man diesem Ensemble nicht nur spieltechnische, sondern auch Interpretatorische Perfektion attestieren. Dies gilt jedoch nicht nur für feine Detials, an Stellen, an denen es richtig zur Sache geht, ist der Klang füllig und expressiv.

Das gleiche gilt auch für die anderen Stücke dieser Aufnahme. Die ‘Drei Triominiaturen’ aus op. 18 von Paul Juon (1872-1940) reichen zwar satztechnisch nicht an eine so ausgestaltete Satzfaktur eines Brahms heran, doch drückt die Bezeichnung ‘Miniaturen’ genau das aus, was man auch zu hören bekommt: spätromantische Charakterstücke, die von dem Ensemble mit farbiger Noblesse interpretiert werden. Das Trio von Robert Kahn (1865-1951) hat hier etwas mehr zu bieten: Die drei Sätze erweisen sich als kompositorisch fein gearbeitete Kammermusik, die in ihrem Reichtum an Klangfarben und Ausdrücken als wahre Bereicherung des nicht sehr weiten Repertoires für die Besetzung Klarinette, Cello, Klavier zu werten ist.

Die von dem Stuttgarter Label Edition Hera herausgebrachte Aufnahme kann sich also mehr als sehen lassen: Eine von Inspiration durchdrungene Interpretation und – was noch positiv hinzukommt – ein sehr direkter, knackiger Klang, der sehr direkt und nah wirkt. Auch dynamische Unterschiede kommen hier sehr deutlich heraus, die Bandbreite an instrumentalen Klangfarben ist enorm hoch. Allein das Booklet dürfte ein wenig mehr Informationen zu den aufgenommenen Werken enthalten, aber das sei nur ein kleiner Kritikpunkt.

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