> > > Bruckner, Anton: Symphony No.9
Montag, 22. Dezember 2014

Bruckner, Anton - Symphony No.9

In Memoriam Heinz Rögner


Label/Verlag: Berlin Classics
Detailinformationen zur Platte


Gleich zu Beginn der neuvorgelegten Bruckner-Aufnahme (Sinfonie Nr.9) mit dem Rundfunk-Sinfonie-Orchester Berlin gibt der Klangkrper nicht unbedingt eine eindrucksvolle Visitenkarte ab, denn die Intonation bei den Unisono-Klngen ist geringfgig unstimmig. Doch im weiteren Verlauf hlt die immerhin 20 Jahre alte Produktion (1983) was das Booklet vollmundig verspricht: Dort ist die Rede vom ?Primat des weichen, runden, stets ?krperhaften' Tons und einer geraden, dreidimensionalen Klangarchitektur?, so Autor Dirk Stve, der sich exzellent auskennt. Seinen Ausfhrungen darf man sich getrost anschlieen und hinzufgen, dass diese Aufnahme eine tolle Plastizitt zeigt.
Das sprt der Hrer insbesondere zu Beginn des 2. Satzes: Scherzo. Bewegt, lebhaft. Die instrumentalen Soli von Oboe und Klarinette bestechen mit Przision; weniger diejenigen der Flte - da steht Daniel Barenboim bei seiner exzellenten 1976er Einspielung mit dem Chicago Symphonie Orchestra eine viel bessere zur Verfgung.
Rgners Klang federt gut und entfaltet eine sehr breite Dynamik. Harnoncourt hat in seiner jngst vorgelegten Einspielung das gestochenere Klangbild, auch trumpft der Grazer mit grerer, geheimnisvollerer Attitde auf - Heinz Rgner fehlt dieses pathetische, schicksalhafte, dramatische Element, er trimmt das Rundfunk Sinfonie Orchester auf Leichtigkeit oder zumindest grte Zielstrebigkeit, was sich in raschen Zeiten widerspiegelt. Was bei Heinz Rgners Aufnahme auffllt, ist sein ungeheures Talent zum weichen, quasi mit der Blende vollzogenen bergang von Stelle zu Stelle. Das ist einzigartig.

Die Karriere des Dirigenten Heinz Rgner verlief aus westlicher Perspektive eher unspektakulr, geradlinig, steil aufwrts: Von Leipzig, wo er studierte, arbeitete er sich ber Weimar (Korrepetitor, 2. Kapellmeister), Leipzig (Dozent an der Musikhochschule und Dirigent des Groen Orchesters von Radio Leipzig) zum GMD der Staatsoper Berlin, also zu einem von Daniel Barenboims Vorgngern, hoch. Schlielich wird Rgner 1973 -1993 Chef von Rundfunkchor und Rundfunk Sinfonie Orchesters Berlin und gleichzeitig Professor fr Orchesterleitung an der Hochschule fr Musik Hanns Eisler. In dieser Zeit entstand die vorliegende Aufnahme, genau gesagt vom 9.-12.2.1983. Ein Jahr spter wird er zustzlich Chefdirigent und 1990 stndiger Gastdirigent des Yomiuri Nippon SO Tokyo . Er starb am 10. Dezember 2001 fast 73-jhrig in Leipzig.

Das Adagio atmet viel Kraft und bei Rgner sprt der Hrer dessen groe Brucknerliebe und -verehrung. Die Aufnahme dieses Satzes steht der in Westdeutschland so verehrten letzteren Aufnahme von Gnther Wand nicht nach. Heinz Rgner - auch wenn er die religise Komponente der Musik Bruckners sozialistisch treu (?) indirekt leugnen mag (so kann man es dem Booklet entnehmen) - verdient auch bundesweit mehr Beachtung. Allein die Flle der exzellenten Aufnahmen, z.B. Chicago SO/ Barenboim, Berliner Philharmoniker/ Barenboim, Wiener Philharmoniker/ Harnoncourt, um nur drei zu nennen, lassen die abschlieende Bewertung nur durchschnittlich ausfallen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Weitere CD-Besprechungen zum Label Berlin Classics:

  • Zur Plattenkritik... Berechtigt: Concerto Kln mit einer feinen, ausgewogenen Ensembledeutung der Brandenburgischen Konzerte Johann Sebastian Bachs. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, 13.10.2014)
  • Zur Plattenkritik... Glnzende Abschiedsfeier: Das Kammerorchester Carl Philipp Emanuel Bach und Hartmut Haenchen verabschieden sich nach 34 Jahren Zusammenarbeit mit Glanz und Gloria. Weiter...
    (Daniel Eberhard, 12.09.2014)
  • Zur Plattenkritik... Musikalische Verdrngung und Weltflucht: Die Enttuschung sowie den Pessimismus der Kriegsjahre und die Verdrngung der gesellschaftlichen und politischen Situation verarbeitet Richard Strauss in seinen beiden ausdrucksstarken und hier ansprechend umgesetzten Blsersonatinen. Weiter...
    (Marion Beyer, 02.07.2014)
blättern

Alle Kritiken von Berlin Classics...

Weitere CD-Besprechungen von Manuel Stangorra:

  • Zur Plattenkritik... Stolz, trotzig, eigensinnig: Der erste Band der Brief-Ausgabe von Hugo Wolf bietet einen hochinteressanten Blick auf den Komponisten in seinen jungen Jahren. Die Edition ist hochwertig. Weiter...
    (Manuel Stangorra, 08.08.2014)
  • Zur Plattenkritik... Faszinierendes Grausen: Das Plattendebt von Marie-Nicole Lemieux, eine Zusammenstellung von Wagner-, Berlioz- und Mahler-Liedern, prsentiert eine mehr als talentierte, mit intensivem Ausdruck agierende Sngerin. Weiter...
    (Manuel Stangorra, 15.02.2014)
  • Zur Plattenkritik... Technisch blitzsauber: Mari Kodamas Einspielung des Klavierkonzerts Nr. 3 sowie des sogenannten Tripelkonzerts von Ludwig van Beethoven ist technisch ber weite Strecken blitzsauber und auch musikalisch berwiegend sehr ansprechend. Weiter...
    (Manuel Stangorra, 10.01.2014)
blättern

Alle Kritiken von Manuel Stangorra...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Plattenkritik... Meister der Instrumentation: Die erste Folge einer Einspielungsreihe von Telemanns Konzerten mit gemischten Soloinstrumenten ist uerst abwechslungsreich und zauberhaft musiziert. Weiter...
    (Christiane Bayer, 21.12.2014)
  • Zur Plattenkritik... Aus aller Welt: Eine wunderbar leichte Platte mit Arrangements von Liedern aus aller Welt, kongenial gesungen von den King's Singers. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, 21.12.2014)
  • Zur Plattenkritik... Dinner for Mozart: Der 90-jhrige Menahem Pressler bittet in Zusammenarbeit mit Paavo Jrvi das Publikum zu einem charmanten Mozart-Men. Weiter...
    (Daniel Eberhard, 20.12.2014)
blättern

Alle CD-Kritiken...

Denkmalrtsel

Anzeige

Magazine zum Downloaden

harmonia mundi magazin (11/2014) herunterladen (2900 KByte) CLASS aktuell (4/2014) herunterladen (4558 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Rudi Stephan: Musik fr 7 Saiteninstrumente - I. Sehr ruhig

Radio starten

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Paolo Carignani im Portrait "Bei Verdi kann man den Bhnenstaub riechen"
Von der Rockorgel in den Orchestergraben - das Feuer des italienischen Dirigenten Paolo Carignani lodert auf verschiedenen Gebieten

weiter...
Alle Interviews...


Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich