> > > Bruckner, Anton: Symphony No.9
Freitag, 24. Mai 2013

Bruckner, Anton - Symphony No.9

In Memoriam Heinz Rögner


Label/Verlag: Berlin Classics
Detailinformationen zur Platte


Gleich zu Beginn der neuvorgelegten Bruckner-Aufnahme (Sinfonie Nr.9) mit dem Rundfunk-Sinfonie-Orchester Berlin gibt der Klangkörper nicht unbedingt eine eindrucksvolle Visitenkarte ab, denn die Intonation bei den Unisono-Klängen ist geringfügig unstimmig. Doch im weiteren Verlauf hält die immerhin 20 Jahre alte Produktion (1983) was das Booklet vollmundig verspricht: Dort ist die Rede vom ‘Primat des weichen, runden, stets ‚körperhaften' Tons und einer geraden, dreidimensionalen Klangarchitektur’, so Autor Dirk Stöve, der sich exzellent auskennt. Seinen Ausführungen darf man sich getrost anschließen und hinzufügen, dass diese Aufnahme eine tolle Plastizität zeigt.
Das spürt der Hörer insbesondere zu Beginn des 2. Satzes: Scherzo. Bewegt, lebhaft. Die instrumentalen Soli von Oboe und Klarinette bestechen mit Präzision; weniger diejenigen der Flöte - da steht Daniel Barenboim bei seiner exzellenten 1976er Einspielung mit dem Chicago Symphonie Orchestra eine viel bessere zur Verfügung.
Rögners Klang federt gut und entfaltet eine sehr breite Dynamik. Harnoncourt hat in seiner jüngst vorgelegten Einspielung das gestochenere Klangbild, auch trumpft der Grazer mit größerer, geheimnisvollerer Attitüde auf - Heinz Rögner fehlt dieses pathetische, schicksalhafte, dramatische Element, er trimmt das Rundfunk Sinfonie Orchester auf Leichtigkeit oder zumindest größte Zielstrebigkeit, was sich in raschen Zeiten widerspiegelt. Was bei Heinz Rögners Aufnahme auffällt, ist sein ungeheures Talent zum weichen, quasi mit der Blende vollzogenen Übergang von Stelle zu Stelle. Das ist einzigartig.

Die Karriere des Dirigenten Heinz Rögner verlief aus westlicher Perspektive eher unspektakulär, geradlinig, steil aufwärts: Von Leipzig, wo er studierte, arbeitete er sich über Weimar (Korrepetitor, 2. Kapellmeister), Leipzig (Dozent an der Musikhochschule und Dirigent des Großen Orchesters von Radio Leipzig) zum GMD der Staatsoper Berlin, also zu einem von Daniel Barenboims Vorgängern, hoch. Schließlich wird Rögner 1973 -1993 Chef von Rundfunkchor und Rundfunk Sinfonie Orchesters Berlin und gleichzeitig Professor für Orchesterleitung an der Hochschule für Musik Hanns Eisler. In dieser Zeit entstand die vorliegende Aufnahme, genau gesagt vom 9.-12.2.1983. Ein Jahr später wird er zusätzlich Chefdirigent und 1990 ständiger Gastdirigent des Yomiuri Nippon SO Tokyo . Er starb am 10. Dezember 2001 fast 73-jährig in Leipzig.

Das Adagio atmet viel Kraft und bei Rögner spürt der Hörer dessen große Brucknerliebe und -verehrung. Die Aufnahme dieses Satzes steht der in Westdeutschland so verehrten letzteren Aufnahme von Günther Wand nicht nach. Heinz Rögner - auch wenn er die religiöse Komponente der Musik Bruckners sozialistisch treu (?) indirekt leugnen mag (so kann man es dem Booklet entnehmen) - verdient auch bundesweit mehr Beachtung. Allein die Fülle der exzellenten Aufnahmen, z.B. Chicago SO/ Barenboim, Berliner Philharmoniker/ Barenboim, Wiener Philharmoniker/ Harnoncourt, um nur drei zu nennen, lassen die abschließende Bewertung nur durchschnittlich ausfallen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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