> > > Bruckner, Anton: Symphony No.9
Freitag, 31. Juli 2015

Bruckner, Anton - Symphony No.9

In Memoriam Heinz Rögner


Label/Verlag: Berlin Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Gleich zu Beginn der neuvorgelegten Bruckner-Aufnahme (Sinfonie Nr.9) mit dem Rundfunk-Sinfonie-Orchester Berlin gibt der Klangkrper nicht unbedingt eine eindrucksvolle Visitenkarte ab, denn die Intonation bei den Unisono-Klngen ist geringfgig unstimmig. Doch im weiteren Verlauf hlt die immerhin 20 Jahre alte Produktion (1983) was das Booklet vollmundig verspricht: Dort ist die Rede vom ?Primat des weichen, runden, stets ?krperhaften' Tons und einer geraden, dreidimensionalen Klangarchitektur?, so Autor Dirk Stve, der sich exzellent auskennt. Seinen Ausfhrungen darf man sich getrost anschlieen und hinzufgen, dass diese Aufnahme eine tolle Plastizitt zeigt.
Das sprt der Hrer insbesondere zu Beginn des 2. Satzes: Scherzo. Bewegt, lebhaft. Die instrumentalen Soli von Oboe und Klarinette bestechen mit Przision; weniger diejenigen der Flte - da steht Daniel Barenboim bei seiner exzellenten 1976er Einspielung mit dem Chicago Symphonie Orchestra eine viel bessere zur Verfgung.
Rgners Klang federt gut und entfaltet eine sehr breite Dynamik. Harnoncourt hat in seiner jngst vorgelegten Einspielung das gestochenere Klangbild, auch trumpft der Grazer mit grerer, geheimnisvollerer Attitde auf - Heinz Rgner fehlt dieses pathetische, schicksalhafte, dramatische Element, er trimmt das Rundfunk Sinfonie Orchester auf Leichtigkeit oder zumindest grte Zielstrebigkeit, was sich in raschen Zeiten widerspiegelt. Was bei Heinz Rgners Aufnahme auffllt, ist sein ungeheures Talent zum weichen, quasi mit der Blende vollzogenen bergang von Stelle zu Stelle. Das ist einzigartig.

Die Karriere des Dirigenten Heinz Rgner verlief aus westlicher Perspektive eher unspektakulr, geradlinig, steil aufwrts: Von Leipzig, wo er studierte, arbeitete er sich ber Weimar (Korrepetitor, 2. Kapellmeister), Leipzig (Dozent an der Musikhochschule und Dirigent des Groen Orchesters von Radio Leipzig) zum GMD der Staatsoper Berlin, also zu einem von Daniel Barenboims Vorgngern, hoch. Schlielich wird Rgner 1973 -1993 Chef von Rundfunkchor und Rundfunk Sinfonie Orchesters Berlin und gleichzeitig Professor fr Orchesterleitung an der Hochschule fr Musik Hanns Eisler. In dieser Zeit entstand die vorliegende Aufnahme, genau gesagt vom 9.-12.2.1983. Ein Jahr spter wird er zustzlich Chefdirigent und 1990 stndiger Gastdirigent des Yomiuri Nippon SO Tokyo . Er starb am 10. Dezember 2001 fast 73-jhrig in Leipzig.

Das Adagio atmet viel Kraft und bei Rgner sprt der Hrer dessen groe Brucknerliebe und -verehrung. Die Aufnahme dieses Satzes steht der in Westdeutschland so verehrten letzteren Aufnahme von Gnther Wand nicht nach. Heinz Rgner - auch wenn er die religise Komponente der Musik Bruckners sozialistisch treu (?) indirekt leugnen mag (so kann man es dem Booklet entnehmen) - verdient auch bundesweit mehr Beachtung. Allein die Flle der exzellenten Aufnahmen, z.B. Chicago SO/ Barenboim, Berliner Philharmoniker/ Barenboim, Wiener Philharmoniker/ Harnoncourt, um nur drei zu nennen, lassen die abschlieende Bewertung nur durchschnittlich ausfallen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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