> > > Bach, Johann Sebastian: Englische Suiten
Freitag, 22. Mai 2015

Bach, Johann Sebastian - Englische Suiten

Rasant und tnzerisch


Label/Verlag: harmonia mundi
Detailinformationen zur Platte


Richard Egarr gelingt mit dieser Einspielung der Englischen Suiten von Bach der perfekte Spagat zwischen historisch informierter Spielweise und lebendiger Neuinterpretation.

Die Rezensentin muss zugeben, dass sie die vorliegende CD nicht ganz unvoreingenommen in den CD-Player einlegte, sondern allerhöchste Erwartungen hatte. Über die Jahre sind ihr Richard Egarrs Mozart- und Bach-Interpretationen sehr ans Herz gewachsen, so dass sie auch die Englischen Suiten mit größter Spannung erwartete. Ob Goldberg-Variationen oder die beiden Alben zum Wohltemperierten Klavier – Richard Egarr hat sich bisher als feinfühliger und historisch informierter und sensibler Interpret dieser Musik erwiesen. Allein sein Booklet-Text macht deutlich, dass es sich hier nicht um einen stimmungsgetriebenen Glamour-Interpreten handelt. Den interessierten Leser erwartet vielmehr eine kritische Quellenanalyse, die sowohl die Überlieferungswege der Bachschen Suiten beschreibt als auch ihre musikalische Verortung im Musikleben der damaligen Zeit versucht.

So akribisch wie die theoretische Auseinandersetzung ist auch Egarrs spieltechnische Ausformung der Stücke. Mit großer Sachkenntnis arbeitet er die typischen Charakterzüge der einzelnen Tanzsätze heraus, während er gleichzeitig den Bachschen Tonfall wunderbar zu neuem Leben erweckt. Die Komplexität der polyphonen Stimmführung scheint aus dem musikalischen Moment wie zwingend zu entstehen, so dass jede Note mit Sinn und Ausdruck gefüllt ist. Egarr entwickelt die Musik wie eine Improvisation, ohne dabei die interpretatorischen Konventionen des Barocks zu vergessen. So gelingt ihm der perfekte Spagat zwischen historisch informierter Spielweise und lebendiger Neuinterpretation. Selten klingen die Suiten so frisch und frei wie hier. Ihr tänzerischer Duktus scheint selbst in so komplexen, vielstimmigen Sätzen wie der 'Allemande' aus der Suite a-Moll BWV 807 immer durch die enge Textur der Stimmen hindurch. Auch die Wahl flüssiger Tempi in den Präludien wie in den Suiten Nr. 4 und 5 trägt dazu bei, dass Egarr dem Hörer Energie und Spielfreude an Bachs Musik vermittelt. Selbst der getragene, quasi improvisiert wirkende Anfang des Präludiums der Suite BWV 811 wird von Egarr mit einem sehr flinken Mittelteil kombiniert, der den Hörer durch immer neue harmonische Wendungen überrascht.

Das von Egarr gewählte Instrument, ein Ruckers-Nachbau durch Joel Katzman (Amsterdam, 1991) ist von bestechender Klangfülle. Es besitzt eine warme Mittellage, kräftige tiefe Register sowie eine mild strahlende Höhe ohne klirrende Spitzen. Durch Egarrs Entscheidung, das Cembalo auf a‘ = 409 zu stimmen, wird dieser Klangeindruck noch positiv verstärkt. Er erreicht dadurch eine Ausgewogenheit der Stimmen, die sich besonders in den fugierten Sätzen auszahlt, wenn ein Motiv durch die verschiedenen Register wandert. Die vorliegende CD-Box mit Bachs Englischen Suiten ist ein weiterer Meilenstein in Richard Egarrs grandioser Aufnahmereihe Bachscher Werke.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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