> > > Franui spielt: Schubertlieder, Brahms Volkslieder & Mahlerlieder
Dienstag, 22. Juli 2014

Franui spielt - Schubertlieder, Brahms Volkslieder & Mahlerlieder

Es schallt vom Dorfe


Label/Verlag: col legno
Detailinformationen zur Platte


Die Banda Franui aus dem osttiroler Innervillgraten prsentiert eine Zusammenstellung romantischer Lieder, erschienen beim Label col legno. Das Ensemble ist auch hier fr berraschungen gut.

Franui – der Name hat in den letzten Jahren eine große Runde in den Konzertsälen deutschsprachiger Länder gemacht. Zu Recht, denn das Ensemble, seit 1993 bestehend aus zehn versierten Musikern, die sich an Holz-, Blech-, Saiten- und Zupfinstrumenten eifrig betätigen, bietet stets ein amüsantes und hochinteressantes musikalisches Programm. Der Zuschauer ist schon gut unterhalten, wenn der Leiter Andreas Schett die Geschichte des Ensembles in breitestem Tiroler Dialekt erzählt: Diese Geschichte gestaltet sich so, dass sich die zehn Musiker bereits seit frühester Jugend aus ihrem Heimatdorf Innervillgraten inmitten der alpinen Landschaft kennenlernen durften und seitdem ihre ganz eigenen Interpretationen bekannter klassischer Werke einem immer breiter werdenden Publikum darbieten. So auch in dieser Kollektion mit eigenwilligen Interpretationen romantischer Lieder, die das Label col legno, bekannt für Repertoire abseits ausgetretener Hauptwege, veröffentlicht hat.

Die Banda widmet sich hier auf drei CDs Lieder von Schubert und Mahlers sowie Volksliedern von Brahms. Man kann jedoch nicht sagen, dass es eine wortgetreue Interpretation ist. Vielmehr lässt sich das Ensemble von den großen Komponisten der romantischen Epoche inspirieren. Die Schubertlieder umkreisen das typisch romantische Thema der Wanderung, des Weggehens und des Wiederkommens in die Heimat. Dabei spielen Emotionen wie das Sehnen nach der Heimat und die Aufgeregtheit gegenüber dem Neuen und die Neugier eine Rolle. All das lassen Franui den Hörer auf der CD durchleben. Das Heimatverbundene steckt in den pompösen Wirtshaus-Klängen der Tuba, die den Wanderer auf seiner Reise erden sollen, sowie in der Verwendung heimischer Instrumente, wie Volksharfe, Zither und Hackbrett. Die Neugier des Wandernden findet der Hörer in aufgeregt flirrenden Tönen der Violine, die den Fluss neben dem Wanderer herfließen lassen. Zwischendrin gibt es immer wieder Zitate der Liedtexte, gesungen von Sven-Eric Bechtolf.

Sehnsuchtsvoll erklingen die Bläser in wärmsten Tönen in einer Ode des Wanderers 'An den Mond'. Doch die Traurigkeit währt nur kurz, denn der 'Abschied' ist auch immer mit Freude und Aufgeregt sein verbunden – ausgedrückt durch kurze Liedsequenzen, begleitet von typischen Tuba-Nachschlägen. Das Leben geht also weiter, trotz des Abschieds und das Ensemble blickt freudig nach vorne.

Als nächstes erscheint Johannes Brahms auf der Volksliedbühne, die Franui in der Kollektion eröffnet. Brahms wird von Franui locker-leicht angesetzt. Mit viel Witz in Alt-Saxophon und Violine wird das Erhabene der Brahms-Lieder reduziert auf ein kurzweiliges Erlebnis. Doch die Interpretation verliert dabei nicht an Ernsthaftigkeit: Dafür sorgen pathetische Blechbläserklänge, die 'Dort oben auf jenem Berge' erschallen und im alpinen Hochgebirge ihren Resonanzkörper finden.

Auch Gustav Mahler darf in dieser Interpretationsreihe deutschsprachigen Liedguts nicht fehlen. Und tatsächlich: Auch hierfür findet die Musicbanda Franui ihre eigene Klangsprache. Der erste Titel 'Wenn mein Schatz Hochzeit macht' lässt den Hörer eine Hochzeit auf dem Lande zwischen Blumenwiesen und Bergen fantasieren. Das Ensemble bewirkt dies durch die Verbindung aus typischen Tanzrhythmen in den Blechbläsern und darüber schwebenden Geigentönen. 'Das irdische Leben' ist für Franui geprägt von Irrrungen und Wirrungen. So tutet und bläst es die ganze Zeit unkontrolliert aus den Bläserecken, während die Geige zwischendrin herumstolpert und nicht zur Ruhe kommen will. Genauso aufgeregt tänzelt die 'Revelge (For a Drummerboy) ' vor sich hin.

Der Hörer bekommt mit dieser anregend freisinnigen Lieder-Zusammenstellung viel Unerwartetes zu hören. Die Musik befindet sich stets zwischen der Heimatverbundenheit von Franui und dem dadurch die Tiroler Einfärbung entstehenden Neuen der Lieder.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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