> > > Friedrich der Grosse: Music for the Berlin Court
Freitag, 22. August 2014

Friedrich der Grosse - Music for the Berlin Court

Am Hof des Knigs


Label/Verlag: harmonia mundi
Detailinformationen zur Platte


Die Akademie fr Alte Musik Berlin mit ihrem Beitrag zum 300. Geburtstag Friedrichs II.: brillant musizierte Instrumentalmusik aus dem Umfeld des Knigs.

Friedrich II. hat im Jahr seines 300. Geburtstags Konjunktur, auch musikalisch, was angesichts seiner Prägung, seiner Interessen und vor allem seiner Fähigkeiten in diesem Bereich kaum verwundern kann. Friedrich als bemerkenswerten Flötisten, aus solch intimer Kenntnis instrumentaler Idiomatik auch durchaus soliden Komponisten zu profilieren, ist eine Aufgabe, der sich manche Produktion stellt. Daneben – und das scheint dem Rezensenten das weit größere Verdienst zu sein – wird Friedrich als Initiator eines intensiven musikalischen Lebens am preußischen Hof gewürdigt, einschließlich des Aufbaus einer in ihrer Leistungsfähigkeit schließlich herausragenden Hofkapelle, getragen von etlichen bemerkenswerten Köpfen.

Vor allem diesem Aspekt widmet sich auch die aktuelle Produktion der Akademie für Alte Musik Berlin: Das Programm bringt eine Ouvertüre und ein Concerto von Johann Gottlieb Graun (1703-1771), ein Concerto von Christoph Nichelmann (1717-1762) und die Sinfonie Nr. 1 von Carl Philipp Emanuel Bach (1714-1788) mit einer Flötensonate Friedrichs II. (1712-1786) zusammen.

Graun, der als Konzertmeister in Friedrichs Hofkapelle in der Rezeption im Schatten seines jüngeren Bruders Carl Heinrich stand, nimmt durch eine originelle formale Gestaltung seiner Ouvertüre für sich ein, dabei die gattungstypischen Üblichkeiten berücksichtigend. Die souverän beherrschten Sätze von avancierter Ausdehn06ung überzeugen mit variantenreicher Linearität. Auch konzertant beweist Graun seinen ausgeprägten Sinn für eine differenzierte instrumentale Idiomatik, die sich in gedämpfter Virtuosität entfaltet. Christoph Nichelmanns Beispiel zeigt, wie subtil man in Verlauf des 18. Jahrhunderts das konzertierende Prinzip neu zu beleben begann: Orchestrale und solistische Sphären sind durchbrochen und häufig miteinander verschlungen, es dominieren schon deutlich strukturferne Eleganz und ein empfindungsreicher Ton, besonders im 'Adagio'. Carl Philipp Emanuel Bachs Sinfonie steckt in jedem ihrer enorm lebendigen Sätze voller Überraschungen in allen Parametern – und bietet damit jedem potenten Ensemble eine attraktive Vorlage. Bach kennt hörbar alle maßgeblichen Strukturmodelle und bewegt sich doch mit größter Sicherheit und spürbarem Selbstbewusstsein im orchestralen Metier. Bleibt noch die dreisätzige Flötensonate Nr. 190 von Friedrich II., die den Monarchen mit einer durchaus gefälligen, idiomatisch verständigen, harmonisch nicht gänzlich reizlosen Setzweise porträtiert, in der Behandlung der Begleitung aber doch keine überragende Differenzierung verrät und in der Summe eher keine ganz gewichtige Komposition vorstellt.

Wunderbares Spielfutter

In seiner Verschiedenartigkeit ist das Programm aber wie gemacht für die üppigen Möglichkeiten der Akademie für Alte Musik Berlin: Die Instrumentalisten sichern mit der tollen Plastizität ihrer Register beste Durchhörbarkeit. Viel perfekt dosiertes Temperament und sprühende Agilität sind zu erleben, immer wieder schnellen knackige Begleitfiguren zur Oberfläche und sichern dezidierte Strukturklarheit. Alle Akteure agieren technisch makellos und sind jederzeit in der Lage, Linien von charmanter Kantabilität zu präsentieren. Das vollzieht sich in entschieden gewählten Tempi, aus denen sich überzeugende Beziehungen ergeben, die die Kompositionen kontextuell deuten helfen. Auch die differenzierte Dynamik ebnet nichts ein, jede präsentierte Nuance wird zu einem Teil der Interpretation.

Neben einer makellosen Intonation sind es vor allem die artikulatorischen Feinheiten, die herausstechen: Mit enormer Leichtigkeit, oft auch mit einem brillanten Zug überzeugen die Berliner, gerade die Basssphäre ist sehr klar und mit etlicher Konturschärfe gefasst. Nichts wird breiter als nötig musiziert, alles wirkt deutlich kontrolliert. Gerade hier zeigt sich der Vorzug eines dirigentenlosen Ensembleansatzes, werden doch alle Sphären und Details gleichermaßen belebt, herrscht in jeder Hinsicht individuell motivierte interpretatorische Verantwortung zum Wohl des Ganzen. Zwangsläufig integrieren sich die selbstverständlichen und hochklassigen Solobeiträge von Raphael Alpermann, Christoph Huntgeburth und Jan Freiheit souverän und harmonisch in dieses lebendige Gefüge.

Technisch gelingt eine schöne Balance zwischen klanglich selbstbewusster Größe und fein ausgeleuchtetem Detailreichtum in ansprechender Staffelung. Alle klingenden Sphären werden harmonisch abgebildet, auch die kammermusikalische Dezenz der Friedrich-Sonate. Die Akademie für Alte Musik entzündet ihr enormes Potenzial an der schönen, dabei alles andere als systematischen Auswahl von Kompositionen aus dem Umfeld Friedrichs II. – die Aufmachung unter dem Friedrich-Label ist in diesem Jahr verständlich, wenngleich der Blick sich erfreulicherweise auf eine respektable Komponisten-Riege weitet. Interpretatorisch gehört die Platte bisher sicher zu den gehaltvollsten Beiträgen des Jubiläumsjahrs, auch wenn das bei der aggressiven Öffentlichkeitsarbeit manch anderer Produktion auf den ersten Blick nicht deutlich werden mag.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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