> > > Anna Zassimova spielt: Klavierwerke von Medtner, Skrjabin, Catoire & Roslavez
Samstag, 20. Dezember 2014

Anna Zassimova spielt - Klavierwerke von Medtner, Skrjabin, Catoire & Roslavez

Ausdrucksintensiv


Label/Verlag: Antes Classics
Detailinformationen zur Platte


Vergessen, aber glcklicherweise nicht verloren: Anna Zassimowa spielt russische Klaviermusik abseits ausgetretener Pfade und berzeugt durch Vielseitigkeit und Entschlossenheit.

‚Vergessene Weisen’ nennt Anna Zassimowa ihre CD: ‚Russische Klaviermusik im Aufbruch zum 20. Jahrhundert’. Tatsächlich erinnert sich vermutlich kaum jemand an die Klänge der eingespielten Musik, dennoch ist der Titel nur halb zutreffend. Denn zumindest außerhalb Russlands sind die meisten Werke auf dieser CD nie ins Bewusstsein des Publikums gelangt. Selbst bei vier Werken von Aleksandr Skrjabin handelt es sich um vergleichsweise unbekannte Stücke, dabei ist Skrjabin schon der bekannteste der hier versammelten Komponisten.

So gibt es einiges zu entdecken. Der Titel der CD ist übernommen von einem Zyklus Nikolaj Medtners, aus dem hier die 'Canzona matinata’ und die 'Sonata tragica’ eingespielt sind. Im Vergleich zur relativ nüchternen Interpretation aus der Gesamtaufnahme von Hamish Milne haucht Anna Zassimowa beiden Werken sehr viel entschlossener neues Leben ein. So weich ihr Anschlag in der 'Canzona’ ist, so stürmisch drängend tobt sie durch die Sonate. Sehr agogisch ist ihr Spiel, außerdem dynamisch fein differenziert und mit sehr ausdrucksintensiven, klangvollen Höhepunkten. Zuweilen donnert Zassimowa so lustvoll in die Tasten, dass wohl auch die großen Recken der russischen Klavierschule zufrieden wären. Hier scheint sie von ihrer Ausbildung in Moskau zu profitieren.

Nikolaj Roslawez distanzierte sich nach beendetem Studium von seinem früheren Vorbild Skrjabin. In seiner Musik hört man auf Anhieb allerdings eher die Ähnlichkeit zu den Spätwerken des neun Jahre älteren Kollegen. Abseits der traditionellen Tonalität vermittelt auch seine Klangsprache oft den Eindruck des Wolkigen, Schwebenden und Nebulösen. Dennoch schärft Anna Zassimowa auch die Konturen kleiner Details, ein bisschen ähnlich vielleicht wie Igor Schukow in seinen frühen Skrjabin-Interpretationen. Im letzten der fünf zwischen 1919 und 1922 komponierten Préludes ('Lento, rubato’) verzichtet sie auf den pauschalen Klangteppich des Pedals und gestaltet sehr zurückhaltende Töne, zart und anrührend. Ansonsten wirkt ihr Spiel allerdings eruptiver als das Irina Emeliantsevas in einer weiteren Neuaufnahme der Préludes. Bei aller Kürze wirken die Stücke unter Zassimowas Händen wie zerklüftet, mit starken dynamischen Kontrasten und langen Pausen.

Die größte Rarität der CD bilden sieben 'Morceaux’ von Georgij Katuar (wegen seiner französischen Vorfahren meist Georges Catoire geschrieben). Für diesen Komponisten (1861–1929) setzt sich Anna Zassimova nicht nur als Pianistin, sondern auch in wissenschaftlichen Publikationen ein. Technisch wie musikalisch wiederum sehr beeindruckend präsentiert sie die kurzen Werke, die von idyllisch verhaltenen Klängen bis zur imposant vorbeirauschenden Virtuosität der 'Etude fantastique’ reichen.

Klanglich ist die Aufnahme vom Mai 2008 gut gelungen. Auch das Beiheft bietet zu allen vier Komponisten und der Künstlerin informative und ansprechende Texte.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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