Sie sind hier:  Magazin > Plattenbesprechungen

Plattenkritiken, sortiert nach     | Empfehlungen | Datum | Komponist | Interpret | Orchester | Dirigent | Label

CD-, DVD-, Schallplatten- und Buch-Kritiken

Details zu Paganini, Niccolo: Sonate für Violine solo A-Dur
Cover vergrößern

Kritik zu Edition Peters: Paganini, Niccolo: Sonate für Violine solo A-Dur

Ein Jugendwerk Paganinis


Dr. Stefan Drees, 21.09.2009

Viele kleinere Kompositionen Niccolò Paganinis sind der Forschung zwar durchaus bekannt und tauchen in dem 1982 von Maria Rosa Moretti und Anna Sorrento erstellten Katalog seiner Werke auf, bleiben jedoch bislang der Öffentlichkeit vorbehalten. Ein Beispiel hierfür bietet die nun erstmals bei C. F. Peters publizierte Sonate A-Dur für Violine solo, ein Werk, für das sich aus verschiedenen Vermutungen und biografischen Hinweisen eine Entstehungszeit um 1799/1800 annehmen lässt. Herausgeber Michael Jelden, als Geiger selbst ein ausgewiesener Paganini-Spezialist, hebt in seinem Vorwort mit Blick auf das in fremder Kopistenhandschrift überlieferte Manuskript den ambitionierte Versuch Paganinis hervor, sich den Gattungsnormen einer dreisätzigen Sonate für unbegleitete Violine zu stellen, wodurch für ihn der besondere Stellenwerk dieser Komposition markiert ist.

Den damit verknüpften kompositorischen Möglichkeiten vermag der junge Virtuose freilich nicht zu folgen, denn viel zu schematisch und unbeholfen ist sein Zugriff, der gerade im groß dimensionierten Kopfsatz (vom Herausgeber mit der Tempoangabe ‚Allegro moderato’ ergänzt) oft einem Aneinanderkleben unterschiedlicher Abschnitte gleicht. Die eigentlichen Reize des Werkes mögen dagegen woanders liegen: Im Hinblick auf den langsamen, kantablen Mittelsatz (‚Adagio non tanto’) geht Jelden vom richtigen Gedanken aus, dass die einfache Struktur wohl zu Zeiten des Komponisten lediglich als Gerüst gedient hat, das im Falle der Wiedergabe weiter ausgeziert wurde. Folglich fügt er eine Ausführungsmöglichkeit als Variante hinzu, die den lediglich einstimmigen Notentext des Manuskripts mit Doppelgriffpassagen und Akkorden anreichert, sich jedoch an einigen Stellen durchaus auch attraktiver und weniger schematisch gestalten ließe.

Das Finale, eine ‚Polonoise variée’ im ‚Andantino’ mit insgesamt sieben Variationen, setzt auf den effektvollen Einsatz spezifischer Violintechniken wie Flageoletts und Passagenwerk und definiert damit letzten Endes auch den hohen Schwierigkeitsgrad des gesamten Werkes, das ausschließlich für sehr versierte Spieler geeignet ist. Dass das Defilee geigerischer Kabinettstückchen hier doch ein wenig sehr ermüdet, wird den Herausgeber zu der Bemerkung veranlasst haben, der eine oder andere Interpret wolle den Satz möglicherweise um eine Variation verkürzen – angesichts der musikalischen Redundanz keine schlechte Idee. Wie dem auch sei: Jelden hat sich mit der Edition große Mühe gegeben und neben den Fingersatzbezeichnungen auch Lesarten und Ausführungsmöglichkeiten von etwas kryptisch notierten Originalstellen angeführt sowie den Umgang mit den Textproblemen in einem Revisionsbericht dokumentiert.

Mehr erfahren über den Autor

Weitere Kritiken zum Label Edition Peters:

Waldteufel
Waldteufel
Die Sonate für Cello und Klavier a-Moll op. 52 von Heinrich von Herzogenberg bereichert die Literatur für Cello und Klavier um ein leidenschaftliches, dramatisches Werk.
Weiter...
Schubert-Sonatinen
Schubert-Sonatinen
Die inneren Werte zählen: In gewohnt altmodischem Peters-Layout kommt die Neuausgabe der Schubert-Sonatinen daher, inhaltlich ist sie dafür umso mehr wissenschaftlich wie praktisch auf der Höhe der Zeit.
Weiter...
Endlich!
Endlich!
Ein zeitgemäßer Band mit Klaviermusik zu vier Händen, der auch neuste Musik nicht ausklammert.
Weiter...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

Blockflöten-Schmuckstücke
Blockflöten-Schmuckstücke
Spätbarocke Höhepunkte auf der Blockflöte: Michael Schneider und die Cappella Academica Frankfurt mit einer rundum überzeugenden Einspielung einiger interessanter Konzerte.
Weiter...
Alt und Neu ohne Zwischenraum
Alt und Neu ohne Zwischenraum
Die historische Spannung im Repertoire der Viola da Gamba ist von Simone Eckert zu einem Programm komponiert worden.
Weiter...
Bartók in Perfektion
Bartók in Perfektion
Im Rahmen der Gesamtaufnahme von Béla Bartóks Werken stellt die Ungarische Nationalphilharmonie unter Leitung von Zoltán Kocsis eine herausragende Aufnahme dreier Orchesterkompositionen vor.
Weiter...
Ihnen gefällt diese Seite?

Hinweise:
Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:
Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich
Login
E-Mail:
Kennwort:
Kennwort vergessen?
Newsletter abonnieren
klassik.com empfehlen
Anzeige
Veranstaltungshinweis
Anzeige

harmonia mundi magazin (7/2010) herunterladen (1481 KByte)

Jetzt im klassik.com Radio

Valentin Rathgeber: Concerto in C, Opus VI/21 - Adagio

Radio starten

Empfehlungen der Redaktion
Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...
Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen weiter...
Musikzeitschriften
Österreichische Musikzeitschrift
Vorwort
[weiter]
Portrait
Kurt Rydl im Portrait
"Wagner-Export nach Shanghai"
Mammut-Projekt der Kölner Oper anlässlich der Expo 2010
Sponsored Links


Home | Aktuell | Community | Magazin | Portraits | Musikshop | Professionals
Mein klassik.com | Hilfe / Sitemap | Wir über uns | Kontakt
Werbung | Stellenangebote | Praktika | Datenschutz | Lizensierung | Impressum

© Copyright 1993-2010 eMusici.com GmbH - Alle Rechte vorbehalten.
Powered by StageKit 2.0