Viele kleinere Kompositionen Niccolò Paganinis sind der Forschung zwar durchaus bekannt und tauchen in dem 1982 von Maria Rosa Moretti und Anna Sorrento erstellten Katalog seiner Werke auf, bleiben jedoch bislang der Öffentlichkeit vorbehalten. Ein Beispiel hierfür bietet die nun erstmals bei C. F. Peters publizierte Sonate A-Dur für Violine solo, ein Werk, für das sich aus verschiedenen Vermutungen und biografischen Hinweisen eine Entstehungszeit um 1799/1800 annehmen lässt. Herausgeber Michael Jelden, als Geiger selbst ein ausgewiesener Paganini-Spezialist, hebt in seinem Vorwort mit Blick auf das in fremder Kopistenhandschrift überlieferte Manuskript den ambitionierte Versuch Paganinis hervor, sich den Gattungsnormen einer dreisätzigen Sonate für unbegleitete Violine zu stellen, wodurch für ihn der besondere Stellenwerk dieser Komposition markiert ist.
Den damit verknüpften kompositorischen Möglichkeiten vermag der junge Virtuose freilich nicht zu folgen, denn viel zu schematisch und unbeholfen ist sein Zugriff, der gerade im groß dimensionierten Kopfsatz (vom Herausgeber mit der Tempoangabe ‚Allegro moderato’ ergänzt) oft einem Aneinanderkleben unterschiedlicher Abschnitte gleicht. Die eigentlichen Reize des Werkes mögen dagegen woanders liegen: Im Hinblick auf den langsamen, kantablen Mittelsatz (‚Adagio non tanto’) geht Jelden vom richtigen Gedanken aus, dass die einfache Struktur wohl zu Zeiten des Komponisten lediglich als Gerüst gedient hat, das im Falle der Wiedergabe weiter ausgeziert wurde. Folglich fügt er eine Ausführungsmöglichkeit als Variante hinzu, die den lediglich einstimmigen Notentext des Manuskripts mit Doppelgriffpassagen und Akkorden anreichert, sich jedoch an einigen Stellen durchaus auch attraktiver und weniger schematisch gestalten ließe.
Das Finale, eine ‚Polonoise variée’ im ‚Andantino’ mit insgesamt sieben Variationen, setzt auf den effektvollen Einsatz spezifischer Violintechniken wie Flageoletts und Passagenwerk und definiert damit letzten Endes auch den hohen Schwierigkeitsgrad des gesamten Werkes, das ausschließlich für sehr versierte Spieler geeignet ist. Dass das Defilee geigerischer Kabinettstückchen hier doch ein wenig sehr ermüdet, wird den Herausgeber zu der Bemerkung veranlasst haben, der eine oder andere Interpret wolle den Satz möglicherweise um eine Variation verkürzen – angesichts der musikalischen Redundanz keine schlechte Idee. Wie dem auch sei: Jelden hat sich mit der Edition große Mühe gegeben und neben den Fingersatzbezeichnungen auch Lesarten und Ausführungsmöglichkeiten von etwas kryptisch notierten Originalstellen angeführt sowie den Umgang mit den Textproblemen in einem Revisionsbericht dokumentiert. |