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Details zu Giuliano Sommerhalder: Romantic Virtuosity
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Kritik zu Solo Musica: Giuliano Sommerhalder: Romantic Virtuosity

Romantische Nebenwege neu gepflastert


Paul Hübner, 14.07.2009

Giuliano Sommerhalder: Romantic Virtuosity
Label: Solo Musica , VÖ: 20.03.2009


Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 
Booklet: 




Diese Aufnahme ist besonders empfehlenswert.


Als Proletariat der Musikinstrumente hat man Blechblasinstrumente schon bezeichnet, und auch ohne solch polemische Umschreibungen ist der soziologische Ort von Trompeten oder Posaunen immer noch die Blaskapelle – erst seit einem guten Jahrhundert ist mit dem Jazz ein der „ernsten“ Musik ebenbürtiger Partner aufgetreten, der dem Instrument zu einer ähnlichen Blütezeit verhalf wie das Generalbasszeitalter. Obwohl die Trompete aus kaum mehr als einem konisch geformten Blechrohr bestand, symbolisierte sie das Instrument der Könige, und zahlreiche Werke in strahlendem D-Dur künden davon. Seit der Wiener Klassik wollte man von dem Instrument jedoch nichts mehr wissen, obwohl erst durch Klappen, später durch Ventile, der gesamte Tonumfang auf dem Instrument verfügbar wurde. Zeitgleich begann der Siegeszug der Blechblasinstrumente in Militärkapellen, auf Tanzböden und in der großen Welt der dörflichen Blasorchester, aus der Gustav Mahler das Instrument dann zurück auf die symphonische Bühne holte.

Doch nicht alle Trompeter gaben sich mit der Welt der Salon- und Tanzmusik zufrieden. Vor allem in Russland, wo die erzkonservative Klassengesellschaft der westeuropäischen Klassik nicht so erstarrt war, entstanden zahlreiche Werke, die den „Traum der Trompeter vom romantischen Grand Concerto für den symphonischen Konzertsaal“ weiterdachten. Der Trompeter Oskar Böhme, Ende des neunzehnten Jahrhunderts nach St. Petersburg ausgewandert, schrieb 1899 sein Konzert in e-Moll für Trompete und Orchester, ein Werk, das als Soloinstrument die tief gestimmte Trompete des Symphonieorchesters und nicht das wendigere Cornet à Pistons verwendet. Nicht nur die Tonart des Stückes, auch melodische Wendungen und der Orchestersatz erinnern unüberhörbar an Felix Mendelssohns Violinkonzert.

Von Vassily Brandt, aus Westfalen als Willy Brandt ebenfalls im neunzehnten Jahrhundert nach Russland ausgewandert, stammen zwei Konzertstücke, die auf dieser CD zum ersten Mal mit der originalen Orchesterbegleitung zu hören sind. Die entsprechenden Partituren waren lange Zeit verschollen oder wurden rekonstruiert, und lassen die Werke, die zwar zum Standardrepertoire in Konservatorien und Wettbewerben gehören, öffentlich aber höchstens in der Blasorchesterversion zu hören sind, in ganz neuem Licht erscheinen. Der Streicherapparat fügt dem Trompetenpart eine weitere Farbpalette hinzu und grundiert wunderbar die Linien der Harmoniestimmen. Brandt, ebenfalls ein Trompeter, hat mit seinen Konzertstücken hochvirtuose Werke geschaffen, deren melodiöse Qualität nicht hinter der von Zeitgenossen zurücksteht. Deutlich sind die Anklänge an Tschaikowsky und die russische Schule, die der Musik einen ganz eigenen Charakter verleiht.

Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts entstanden in der Sowjetunion zahlreiche Werke, die versuchten, das nachzuholen, was der Trompete in der Romantik verwehrt blieb. Von diesen Kompositionen ist das Konzert in c-Moll von Vladimir Peskin, hier ebenfalls zum ersten Mal in der originalen Orchesterversion eingespielt, eines der inspiriertesten. Wie so viele Werke der Zeit wurde es für den russischen Trompeter Timofei Dokshitser geschrieben, der wiederum die lange Tradition russischer Trompetenmusik in Westeuropa bekannt machte.

Eingespielt hat diese Werke der junge Giuliano Sommerhalder, Solotrompeter im Gewandhausorchester und BBC New Generation Artist, gemeinsam mit der Neuen Philharmonie Westfalen unter Heiko Matthias Förster. Seine Interpretationen sind von einer spielerischen Leichtigkeit und einer unprätentiösen Virtuosität. Gemeinsam mit einem bestens aufgelegten Orchester gelingen aber auch die emotionalen Momente der Musik, die man so plakativ als der „russischen Seele“ entsprungen bezeichnet, jedoch ohne übertrieben romantisierenden Schwulst. Mit runder und doch schlanker Tongebung wirkt die Patina, die diese Werke im Laufe der Jahre angesetzt haben, wie weggewischt, was nicht zuletzt an der neuen Farbigkeit der Orchesterbegleitung liegen mag.

Ergänzt um einige Virtuosenstücke von Carl Höhne, Gustav Cords und Oskar Böhme hält der Hörer eine Aufnahme in der Hand, die ein neues und schönes Licht auf einen Nebenweg der Romantik wirft.

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