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Details zu Schostakowitsch, Dimitri: 24 Präludien & Fugen op. 87
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Kritik zu Hänssler CLASSIC: Schostakowitsch, Dimitri: 24 Präludien & Fugen op. 87

Gewichtiger Beitrag


Michael Pitz-Grewenig, 03.07.2009


Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 
Booklet: 





Es gibt von Dimitri Schostakowitschs Präludien und Fugen op. 87 nicht so viele Aufnahmen, und so packte man in freudiger Erwartung die neue Einspielung mit der Pianistin Lin in das Abspielgerät. Und, in der Tat, die amerikanische Pianistin enttäuschte die Erwartungen nicht. Sie bietet ein quirlig-lebendiges und zugleich fest gemeißeltes Klavierspiel, dessen Haltung die Bachsche Vorlage gewissermaßen transzendiert. Dabei folgt sie nie dem Impuls, die Musik gegen den Strich zu bürsten, sondern spürt vor dem Hintergrund einer beachtlichen manuellen Geschicklichkeit, die lockere und entspannte Gesetzlichkeit, die sich in dieser Musik von Dimitri Schostakowitsch verbirgt, auf. Dabei hält Jenny Lin sich mit interpretatorische weitestgehend zurück, und lässt den der Musik innewohnenden Kräften freien Lauf.

Eine solche Interpretation bewährt sich in Bescheidenheit und äußerster Hingabe an die Sache; gleichzeitig intensiviert Jenny Lin aber die Detailanalyse des Klangs, lässt so die polyphonen Linien und Strukturen erkennen. Das Werk bleibt aber bei sich und will gewissermaßen vom Zuhörer selbst entdeckt werden. Manchmal ist vielleicht ihr Anschlag etwas hart, wie zum Beispiel in der a-Moll-Fuge. Aber in der rhythmischen Präzision und Schärfe der Klanglichkeit wirkt ihre Herangehensweise werkgerecht. So werden die Ecken und Kanten erkennbar, aber auch die stellenweise vorhandene Ironie, etwa in den Präludien in es-Moll oder Des-Dur. An solchen Feinheiten ist die Klugheit einer Pianistin zu erhören, die nicht zur Sklavin einer Herangehensweise wird, die den Zyklus in eine insgesamt schlüssige Konzeption zu pressen versucht. Dies entspräche auch nicht dem kompositorischen Sachverhalt, den die vorliegenden Präludien und Fugen sind eher als lose Sammlung, denn als stringenter Zyklus zu verstehen.

Und so erspürt Jenny Lin tatsächlich die jedem Präludium und jeder Fuge innewohnende eigene Klanglichkeit. Ein wohliges Zurücklegen in eine stellenweise konventionelle Klanglichkeit, mit schmerzlichen Espressivo, wie bei der Einspielung von Keith Jarrett zu hören, ist nicht möglich. Wenngleich Jenny Lin manchmal auch ins unverbindliche, nicht zielgerichtete Plaudern kommt, etwa bei der F-Dur-Fuge, so stellt diese neue Aufnahme eine gewichtigen interpretatorischen Beitrag dar.

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