> > > Mozart, Wolfgang Amadeus: Colloredo Serenade KV. 203
Mittwoch, 27. Mai 2015

Mozart, Wolfgang Amadeus - Colloredo Serenade KV. 203

Glanz und Gltte


Label/Verlag: Linn Records
Detailinformationen zur Platte


Handwerklich makellose Darstellungen, gedanklich recht unambitioniert.

Die Frage, ob es immer weiterer Einspielungen alt vertrauten Repertoires bedarf, einer hundertsten digitalen Beethoven-Fünften oder ‚Kleinen Nachtmusik’, kann klar beantwortet werden: Ja. Die hundertste Aufnahme desselben Mozart-Stücks ist unverzichtbar wie die erste, sofern sie der musikalischen ‚Wahrheit’ um weniges näher kommt, und sei es für Augenblicke.

Das Scottish Chamber Orchestra wurde von Sir Charles Mackerras, der heute als Ehren-Dirigent firmiert, auf einen durchaus eigenwilligen musikalischen Gestus eingeschworen: Man ist historisch informiert, neigt zu vibratoarmem, raschem, motorisch schwungvollem Musizieren – und barockisierender Terrassendynamik –, hält aber meistenteils an ‚modernen’ Instrumenten fest. Im günstigsten Fall gelingt eine Synthese aus dem Besten beider Auffassungen, der archaisierenden wie der modernen. Von beiden Seiten her wurde Mackerras und ‚seinem’ Ensemble hohe Anerkennung zuteil – am spektakulärsten vielleicht, als Alfred Brendel, notorisch skeptisch gegen ‚historische Aufführungspraxis’, mit Mackerras und den Schotten Mozart-Konzerte einspielte.

Mag das SCO ohne das Prestige seines spiritus rector auf dem Musikmarkt nur halb so viel wert sein – der technische und künstlerische Standard bleibt hoch: Vorliegende SACD (Linn Records) bezeugt es in durchaus eindrucksvoller Weise. Mozarts ‚Colloredo’-Serenade KV 203 steht auf dem Programm, weiters das Divertimento KV 251. Man musiziert in schlanker Besetzung von ca. zwei Dutzend Personen; für Transparenz ist gesorgt. Die Tempi sind erwartungsgemäß rasch, beinahe manisch. Rhythmische Konturen werden nähmaschinen-scharf nachgezeichnet, Phrasierungen, in alerter Beschwingtheit, akkurat ausformuliert, wenngleich nicht im Übermaß ausdrucksvoll und gesanglich. Das Element der Klangrede tritt gegenüber gut geöltem (und bestens gelauntem) ‚absolutem’ Musizieren zurück. Mozart ist, solcherart aufgefasst, in Gefahr, wie Rossini zu klingen.

Alexander Janiczek, österreichischer Geiger polnisch-tschechischer Herkunft, besticht mit reinem Ton und ebensolchen Phrasierungen. Was immer kritisch gegen diesen Musiker vorgebracht werden mag – solches Geigenspiel zu hören, wird durchweg Vergnügen bereiten – wenn auch zuweilen nicht mehr. Janiczeks musikalische Sozialisation als Schüler des großartigen Mozart-Interpreten und Bartók-Vertrauten Sándor Végh gäbe Anlass zur Hoffnung, dass mehr als intelligente Heiterkeit erstrebt wird, auch wo es um bloße ‚Divertimenti’ geht; dass Mozart als Mozart, nicht als Rossini, zur Geltung gebracht wird. Diese Erwartung wird, auf unzweifelhaft hohem Niveau, enttäuscht.

Ob diese ‚hundertste’ Einspielung der Mozart-‚Divertimenti’ unverzichtbar ist? Man wird es, trotz aller Meriten, verneinen.

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