Sie sind hier:  Magazin > Plattenbesprechungen

Plattenkritiken, sortiert nach     | Empfehlungen | Datum | Komponist | Interpret | Orchester | Dirigent | Label

CD-, DVD-, Schallplatten- und Buch-Kritiken

Details zu Händel, Georg Friedrich: Acis & Galatea HWV 49a
Cover vergrößern

Kritik zu Linn Records: Händel, Georg Friedrich: Acis & Galatea HWV 49a

Drama statt Idylle


Prof. Dr. Michael Bordt, 05.02.2009


Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 
Booklet: 





Wieder einmal ist John Butt, dessen Einspielungen vom 'Messias' und der 'Matthäuspassion' oft gerühmt worden ist, eine ganz hervorragende Einspielung gelungen. Dieses Mal hat er sich Händels 'Acis and Galatea‘ angenommen. Von den verschiedenen Fassungen, die von dieser Pastorale in englischer Sprache überliefert sind, hat Butt eine Fassung rekonstruiert, die Händel in Cannons unter den dort gegebenen Bedingungen komponiert und realisiert hat. In Cannons gab es 1718 nur ein kleines Orchester, keinen Chor und unter den Solisten, die Händel zur Verfügung standen, keine Altstimme aber dafür drei Tenöre. Entsprechend ist das Orchester dieser Aufnahme besetzt: Nur zwei erste und zweite Violinen, zwei Celli, ein Kontrabass, zwei Blockflöten und zwei Oboen, ein Cembalo, aber auch ein Fagott. Der Klang ist immer klar und durchsichtig, manchmal schroff, selten spielerisch oder gar verspielt.

Denn Butt versteht 'Acis and Galatea‘ nicht so sehr als ein lyrisches Schäferidyll, sondern als ein packendes Drama. Und in der Tat ist der Stoff alles andere als harmlos: Die Nymphe Galatea liebt den Schäfer Acis und wird von ihm wiedergeliebt. Acis verlässt trotz Warnung seines Freundes Damon seine Herde, und findet Galatea ('Happy we!‘). Aber der Riese Polyphemus ist eifersüchtig, und obwohl sein Berater Coridon (der in späteren Fassungen der Pastorale als Person durch Damon ersetzt ist) ihn warnt, erschlägt er Acis mit einem Felsbrocken. Galathea besinnt sich auf ihre überirdischen Kräfte und verwandelt den toten Geliebten in eine sprudelnde Quelle.

Erstaunlich ist die Frische, die über dieser Aufnahme liegt. Die Dunedin Consort & Players spielen brillant. Sehr sorgfältig bemüht sich Butt darum, eine enge Verbindung von Text und Melodie bzw. Orchesterbegleitung aufzuzeigen. Man höre nur auf 'Billing, cooing, panting, wooing‘ in der Arie der Galatea oder 'O tell me it you say my dear‘ in Acis Arie. Das bei Gardiner oder Christie eher anmutig musizierte Terzett kurz vor Acis’ Tod 'The flocks shall leave the mountains‘ wird von Butt geradezu quälend langsam genommen. Bei Butt wird Galatea zu einer sehr irdischen Nymphe. Susan Hamilton singt die Rolle so, als gelte es, eine erwachsene, reife Frauengestalt zu gestalten. Und auch Nicholas Mulroys Acis ist nicht ein einfältiger Schäfer, sondern ein in seinen Gefühlen reifer und differenzierter Liebender. Man möchte beinahe schon Mozarts Tamino in der Rolle ahnen. In anderen Aufnahmen lässt Polyphemus bereits Rossinis Buffo-Baßpartien vorausahnen (und die Tatsache, dass die Auftrittarie dieses gefährlichen Riesen von einer Piccolo-Blockflöte begleitet wird, ist natürlich auch ein ironischer Kommentar Händels zu dieser Figur). Bei Butt wird aber deutlich, dass dieser Polyphemus tatsächlich brutal, gefährlich und unkontrolliert ist. Auch die Rollen der Freunde und Berater sind mit Thomas Hobbs als Damon und Nicholas Hurndall Smith bestens besetzt. Das Booklet bringt – leider nur in englischer Sprache – ein instruktives Essay von Butt.

Mehr erfahren über den Autor

Weitere Kritiken zum Label Linn Records:

Klangsuggestive Transparenz
Klangsuggestive Transparenz
John Butts Einspielung von J. S. Bachs h-Moll-Messe gehört zu den faszinierendsten Aufnahmen dieses Werks - musikalisch wie klanglich hinreißend gelungen!
Weiter...
Beethoven wieder einmal überraschend neu
Beethoven wieder einmal überraschend neu
Diese Einspielung von Beethovens Klavierkonzerten (Nr. 3, 4 und 5) mit Sir Charles Mackerras und Artur Pizzaro überzeugt in allen Belangen.
Weiter...
Am Zenit
Am Zenit
Sir Charles Mackerras erweist sich einmal mehr als großartiger Mozart-Interpret, der diese Musik ebenso lebendig und locker wie natürlich und gespannt klingen lässt.
Weiter...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

Blockflöten-Schmuckstücke
Blockflöten-Schmuckstücke
Spätbarocke Höhepunkte auf der Blockflöte: Michael Schneider und die Cappella Academica Frankfurt mit einer rundum überzeugenden Einspielung einiger interessanter Konzerte.
Weiter...
Alt und Neu ohne Zwischenraum
Alt und Neu ohne Zwischenraum
Die historische Spannung im Repertoire der Viola da Gamba ist von Simone Eckert zu einem Programm komponiert worden.
Weiter...
Bartók in Perfektion
Bartók in Perfektion
Im Rahmen der Gesamtaufnahme von Béla Bartóks Werken stellt die Ungarische Nationalphilharmonie unter Leitung von Zoltán Kocsis eine herausragende Aufnahme dreier Orchesterkompositionen vor.
Weiter...
Ihnen gefällt diese Seite?

Hinweise:
Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:
Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich
Login
E-Mail:
Kennwort:
Kennwort vergessen?
Newsletter abonnieren
klassik.com empfehlen
Anzeige
Veranstaltungshinweis
Anzeige

harmonia mundi magazin (7/2010) herunterladen (1481 KByte)

Jetzt im klassik.com Radio

Antonín Dvorák: Sinfonie Nr. 8 G - Dur op. 88 - Allegro, ma non troppo

Radio starten

Empfehlungen der Redaktion
Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...
Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen weiter...
Musikzeitschriften
Österreichische Musikzeitschrift
Vorwort
[weiter]
Portrait
Amandine Beyer im Portrait
""In ein Bad von Klang eintauchen""
Barockgeige und Stockhausen - für Amandine Beyer kein Spagat, sondern individuelles musikalisches Panorama
Sponsored Links


Home | Aktuell | Community | Magazin | Portraits | Musikshop | Professionals
Mein klassik.com | Hilfe / Sitemap | Wir über uns | Kontakt
Werbung | Stellenangebote | Praktika | Datenschutz | Lizensierung | Impressum

© Copyright 1993-2010 eMusici.com GmbH - Alle Rechte vorbehalten.
Powered by StageKit 2.0