> > > Hndel, Georg Friedrich: Parnasso in Festa HWV 73
Mittwoch, 24. September 2014

Hndel, Georg Friedrich - Parnasso in Festa HWV 73

Carolyn Sampson überstrahlt alle


Label/Verlag: Hyperion
Detailinformationen zur Platte


Glnzende sngerische Leistungen machen diese Einspielung zu einer runden Sache. Vor allem Carloyn Sampson berzeugt.

Im Jahr 1733 stand Händel unter Zugzwang: Die neugegründete Opernkompanie ‚Opera of the Nobility’ stellte einen ernstzunehmenden Konkurrenten dar, dem Händel immer neue Attraktionen entgegenzusetzen hatte. Anlässlich der Vermählung von Prinzessin Anne mit Prinz Wilhelm von Oranien entstand deshalb seine festa theatrale 'Parnasso in festa'. Die Handlung des Librettos folgt dabei ganz den Genre-Konventionen, die für eine festa theatrale eine Verknüfung mythologischer und allegorischer Figurenkonstellationen vorsah, die konzertant aufgeführt werden konnte. So dreht sich 'Parnasso in festa' um die Hochzeit des Königs Peleus mit der Nymphe Thetis, die von den Musen Calliope, Clio und Euterpe, sowie Apollo, Orpheus, Mars und Clori gefeiert wird. Rezitative, Arien und verschiedene Ensemblesätze wechseln sich in bunter Reihenfolge ab und stellen dabei diverse Stimmungen und Gefühlslagen dar. Händel nutzte dafür Teile seines Oratoriums 'Athalia', die er nach dem Verfahren der Parodietechnik, der neuen Handlung anpasste.

Die Musiker des King’s Consort haben jetzt zusammen mit ihrem momentanen musikalischen Leiter Matthew Halls das selten gespielte Werk neu aufgenommen, wobei die Solopartien sehr prominent besetzt sind: Carolyn Sampson ist in der Rolle der Cliozu hören, Rebecca Outram singt die Calliope und Peter Harvey den Part des Mars. Dazu kommen Diana Moore als Apollo und Euterpe, Lucy Crowe als Orpheus, Ruth Clegg als Clori sowie Chor und Orchester des King’s Consort.

Den ersten Teil dominiert die wunderbare Carolyn Sampson, deren fantastisches stimmliches Material aus jeder Arie ein Fest für die Ohren zaubert. Ihr glockenheller Gesang trägt in den gravitätischen Stücken, wie dem 'Quanto breve' oder dem eröffnenden 'Verginelle', mit strahlender Brillanz über alle Instrumentalstimmen hinweg. Glitzernd schweben ihre Verzierungen, ihre Phrasierung ist harmonisch und elegant: Musikalisch bleiben keine Wünsche offen!

Dagegen zeigt Diana Moore einen sehr vibratoreichen Mezzosopran, der recht ungewöhnlich klingt. Ihre Stimme mischt sich nicht gut mit den leichten, klaren Stimmen der Sopranistinnen, was in den gemeinsamen Duetten negativ auffällt. Beispielhaft sei dafür das Duett von Apollo und Clio 'Sin le grazie' erwähnt, bei dem der lupenreine Sopran von Carolyn Sampson in Diana Moores Interpretation keinen adäquaten Gegenpart findet. Das starke Tremolieren von Moores Stimme trägt auch in der raffinierten Koloraturarie 'Gran Tonante' nicht zu einem schönen Klangbild bei.

Die Chorsätze lässt Matthew Halls in flottem Tempo singen, wobei er einen sehr harmonischen Gesamtklang erzielt. Dieser ist ohne größere Ecken und Kanten und deshalb auf die Dauer etwas ausdruckslos. Er könnte ruhig härtere Akzente setzen, um die pastorale Idylle etwas aufzulockern.

Peter Harvey liefert eine gewohnt souveräne Gesangsleistung als Mars ab. Sein wohlgeführter Bass ist geläufig, in allen Registern ausgeglichen und expressiv. Seine Arie 'Del nume' klingt betörend virtuos. Rebecca Outram könnte in 'Già le furie' mit etwas kräftigerer Tongebung und einer energiegeladeneren Interpretation den Ausdrucksgehalt ihrer Rolle deutlich steigern. Die furiose Arie singt sie mit einem beherrscht-kontrollierten Sopran, dem die nötige Schärfe fehlt. In der zweiten Arie 'Sempre aspira' lässt sie ebenso eine persönliche Notevermissen, um den Textinhalt überzeugend zu vermitteln. Ruth Clegg singt ihre Partie fein belebt und klar, wenn ihr auch etwas der obertönige Glanz von Sampsons Stimme fehlt.

Die Neueinspielung von Halls ist zwar ein lobenswerter Rekonstruktionsversuch des ursprünglichen so gefeierten Jubelwerks Händels, doch ist die Leistung des Solistenensembles nicht homogen genug, um uneingeschränktes Lob zu erhalten. Stattdessen ragen die Einzelleistungen von Sampson und Harvey aus einem ansonsten durchschnittlichen Ensemble heraus.

Interpretation:
Klangqualität:
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