> > > Hndel, Georg Friedrich: Parnasso in Festa HWV 73
Mittwoch, 2. September 2015

Hndel, Georg Friedrich - Parnasso in Festa HWV 73

Carolyn Sampson überstrahlt alle


Label/Verlag: Hyperion
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Glnzende sngerische Leistungen machen diese Einspielung zu einer runden Sache. Vor allem Carloyn Sampson berzeugt.

Im Jahr 1733 stand Händel unter Zugzwang: Die neugegründete Opernkompanie ‚Opera of the Nobility’ stellte einen ernstzunehmenden Konkurrenten dar, dem Händel immer neue Attraktionen entgegenzusetzen hatte. Anlässlich der Vermählung von Prinzessin Anne mit Prinz Wilhelm von Oranien entstand deshalb seine festa theatrale 'Parnasso in festa'. Die Handlung des Librettos folgt dabei ganz den Genre-Konventionen, die für eine festa theatrale eine Verknüfung mythologischer und allegorischer Figurenkonstellationen vorsah, die konzertant aufgeführt werden konnte. So dreht sich 'Parnasso in festa' um die Hochzeit des Königs Peleus mit der Nymphe Thetis, die von den Musen Calliope, Clio und Euterpe, sowie Apollo, Orpheus, Mars und Clori gefeiert wird. Rezitative, Arien und verschiedene Ensemblesätze wechseln sich in bunter Reihenfolge ab und stellen dabei diverse Stimmungen und Gefühlslagen dar. Händel nutzte dafür Teile seines Oratoriums 'Athalia', die er nach dem Verfahren der Parodietechnik, der neuen Handlung anpasste.

Die Musiker des King’s Consort haben jetzt zusammen mit ihrem momentanen musikalischen Leiter Matthew Halls das selten gespielte Werk neu aufgenommen, wobei die Solopartien sehr prominent besetzt sind: Carolyn Sampson ist in der Rolle der Cliozu hören, Rebecca Outram singt die Calliope und Peter Harvey den Part des Mars. Dazu kommen Diana Moore als Apollo und Euterpe, Lucy Crowe als Orpheus, Ruth Clegg als Clori sowie Chor und Orchester des King’s Consort.

Den ersten Teil dominiert die wunderbare Carolyn Sampson, deren fantastisches stimmliches Material aus jeder Arie ein Fest für die Ohren zaubert. Ihr glockenheller Gesang trägt in den gravitätischen Stücken, wie dem 'Quanto breve' oder dem eröffnenden 'Verginelle', mit strahlender Brillanz über alle Instrumentalstimmen hinweg. Glitzernd schweben ihre Verzierungen, ihre Phrasierung ist harmonisch und elegant: Musikalisch bleiben keine Wünsche offen!

Dagegen zeigt Diana Moore einen sehr vibratoreichen Mezzosopran, der recht ungewöhnlich klingt. Ihre Stimme mischt sich nicht gut mit den leichten, klaren Stimmen der Sopranistinnen, was in den gemeinsamen Duetten negativ auffällt. Beispielhaft sei dafür das Duett von Apollo und Clio 'Sin le grazie' erwähnt, bei dem der lupenreine Sopran von Carolyn Sampson in Diana Moores Interpretation keinen adäquaten Gegenpart findet. Das starke Tremolieren von Moores Stimme trägt auch in der raffinierten Koloraturarie 'Gran Tonante' nicht zu einem schönen Klangbild bei.

Die Chorsätze lässt Matthew Halls in flottem Tempo singen, wobei er einen sehr harmonischen Gesamtklang erzielt. Dieser ist ohne größere Ecken und Kanten und deshalb auf die Dauer etwas ausdruckslos. Er könnte ruhig härtere Akzente setzen, um die pastorale Idylle etwas aufzulockern.

Peter Harvey liefert eine gewohnt souveräne Gesangsleistung als Mars ab. Sein wohlgeführter Bass ist geläufig, in allen Registern ausgeglichen und expressiv. Seine Arie 'Del nume' klingt betörend virtuos. Rebecca Outram könnte in 'Già le furie' mit etwas kräftigerer Tongebung und einer energiegeladeneren Interpretation den Ausdrucksgehalt ihrer Rolle deutlich steigern. Die furiose Arie singt sie mit einem beherrscht-kontrollierten Sopran, dem die nötige Schärfe fehlt. In der zweiten Arie 'Sempre aspira' lässt sie ebenso eine persönliche Notevermissen, um den Textinhalt überzeugend zu vermitteln. Ruth Clegg singt ihre Partie fein belebt und klar, wenn ihr auch etwas der obertönige Glanz von Sampsons Stimme fehlt.

Die Neueinspielung von Halls ist zwar ein lobenswerter Rekonstruktionsversuch des ursprünglichen so gefeierten Jubelwerks Händels, doch ist die Leistung des Solistenensembles nicht homogen genug, um uneingeschränktes Lob zu erhalten. Stattdessen ragen die Einzelleistungen von Sampson und Harvey aus einem ansonsten durchschnittlichen Ensemble heraus.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Hyperion:

  • Zur Kritik... Viel verschenktes Potential: Martin Roscoe ist den Klavierwerken Ern Dohnnyis zwar technisch vollauf gewachsen, htte aber vor allem im dynamischen Bereich noch mehr Wirkung erzielen knnen. Weiter...
    (Dr. Michael Loos, )
  • Zur Kritik... Wenig Neues ber Schubert: Stephen Houghs Schubert-Lektre zeichnet sich durch eine geschmackvolle Annherung aus, doch damit bleiben einige Seiten der eingespielten Klaviersonaten unterbelichtet. Weiter...
    (Michael Pitz-Grewenig, )
  • Zur Kritik... Erfrischend anders: Marc-Andr Hamelins neues Mozart-Album erfllt hohe Erwartungen. Weiter...
    (Thomas Gehrig, )
blättern

Alle Kritiken von Hyperion...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Christiane Bayer:

  • Zur Kritik... Altbekannt in neuem Gewand: Die CD feiert das 25-jhrigen Bhnenjubilum des Flanders Recorder Quartet mit Arrangements von Werken von Vivaldi, Bach, Heinichen und Purcell in einer Besetzung fr vier Blockflten, Streicher und Basso continuo. Weiter...
    (Dr. Christiane Bayer, )
  • Zur Kritik... Von Tnzen und Chorlen: Dorothee Oberlinger und Vittorio Ghielmi prsentieren ein kurzweiliges, interessant zusammengestelltes Programm, das vor allem mit tnzerischer Leichtigkeit, aber auch klanglicher Deftigkeit besticht. Weiter...
    (Dr. Christiane Bayer, )
  • Zur Kritik... Englische Weihnachten: Eine Weihnachtsgabe hoher Gte: Der Knabenchor des King's College Cambridge begeistert mit lupenreiner Intonation, bester Stimmbalance und feiner klanglicher Rundung. Weiter...
    (Dr. Christiane Bayer, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Christiane Bayer...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Feinsinnige Lesart eines bedeutenden Sonatenzyklus: Der Geigerin Ariadne Daskalakis gelingt im Dialog mit dem Ensemble Vintage Kln eine sehr farbenreiche Lesart von Heinrich Ignaz Franz Bibers 'Rosenkranzsonaten'. Weiter...
    (Dr. Stefan Drees, )
  • Zur Kritik... Zauberhaft: Der Pianist Laurens Patzlaff zeigt mit seinen neuesten Improvisationen eindrucksvoll, was man mit einem musikalischen Thema so alles anstellen kann. Weiter...
    (Yvonne Rohling, )
  • Zur Kritik... berzeugend auf ganzer Linie: Das Quartetto di Cremona begeistert mit einer emotional weit gespannten Aufnahme von zwei entstehungsgeschichtlich weit auseinander liegenden Streichquartetten Ludwig van Beethovens. Weiter...
    (Sonja Jschke, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Internationaler Mozartwettbewerb

Anzeige

Magazine zum Downloaden

harmonia mundi magazin (8/2015) herunterladen (1831 KByte) NOTE 1 - Mitteilungen (9/2015) herunterladen (3117 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

 4442 im Portrait Frhling der Knste im Frstentum
Das Festival Printemps des Arts de Monte-Carlo bringt Ungewohntes zusammen.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich

Don Giovanni