Ein Solokonzert zu komponieren ist an sich schon schwierig genug. Der Komponist sollte das Instrument, für das er schreibt, sehr gut kennen und zudem über einen Interpreten verfügen, der sich des Werkes annimmt. Wenn es gelingt, dem Virtuosen das Stück gleichsam ‚auf den Leib‘ zu schreiben und dieser das Konzert auch spielt, können immer noch Publikum und Kritiker ablehnend reagieren. Genügend Schwierigkeiten also – doch Krzysztof Penderecki, Polens wohl berühmtester zeitgenössischer Tondichter, geht noch einen Schritt weiter. Mehrmals gelang es ihm bereits, eigene Konzerte für ein anderes als das ursprünglich vorgesehene Instrument umzuarbeiten. Diese Praxis war zwar bis ins frühe 19. Jahrhundert hinein üblich (noch Beethoven richtete den Solopart seines Violinkonzertes für Klavier ein), erscheint jedoch heute angesichts des speziellen Zuschnitts auf das jeweilige Instrument kaum noch denkbar. Pendereckis Klarinettenkonzert entstand 1997 als Umarbeitung des 14 Jahre zuvor komponierten Violakonzertes; das Werk existiert außerdem in einer von Boris Pergamenschikow angefertigten Transkription für Violoncello. Das Flötenkonzert, komponiert für Jean-Pierre Rampal, wurde drei Jahre später zu einem Klarinettenkonzert umgeschrieben – hier war Sharon Kam die Uraufführungs-Interpretin. Beide Werke wurden (in ihrer Originalfassung) auf dieser CD unter Pendereckis Leitung von der Sinfonia Varsovia eingespielt, die Solisten sind Dmitri Ashkenazy (Klarinette) und David Aguilar (Flöte). Gleichsam als Zugabe erklingt noch das ‚Agnus Dei‘, 1981 komponiert und später in das monumentale ‚Polnische Requiem‘ integriert.
Die sechs Abschnitte des Klarinettenkonzertes lassen die traditionelle Dreisätzigkeit kaum noch erahnen. Schnelle und langsame Passagen wechseln einander ab, oft darf sich die Klarinette auch unbegleitet entfalten – etwa gleich zu Beginn des ‚Recitativo‘. Penderecki gelingt es, viele Facetten des Instrumentes zur Entfaltung zu bringen und dabei auch das Orchester nicht zu kurz kommen zu lassen. Mit Ashkenazy hat das Werk einen vorzüglichen Interpreten, der durch seine hoch entwickelte Technik und eine große dynamische Bandbreite beeindruckt. Insbesondere die raschen Tempowechsel gelingen ihm herausragend. Penderecki ist stets Herr über seine farbenreiche, aber durchsichtige Partitur, die dem Soloinstrument nie ein zu großes orchestrales Gegengewicht zur Seite stellt. Klangtechnisch ist die Balance zwischen Solo und Orchester sehr gut, vielleicht einen Tick zu sehr auf die Klarinette zugeschnitten – aber bei einem Solokonzert kann man das akzeptieren. Schließlich soll ja der Solist im Vordergrund stehen.
Das verhält sich im (ebenfalls sechsteiligen) Flötenkonzert nicht anders, wobei sich eine Flöte naturgemäß schwieriger gegen ein Orchester durchsetzen kann als die klangstärkere Klarinette. Aguilars differenziertes Spiel und Pendereckis auch hier bei aller Raffinesse eher sparsame Instrumentation ermöglichen es gemeinsam, die Flöte strahlen zu lassen. Der Vergleich mit dem Klarinettenkonzert zeigt hier ein leichtes Übergewicht des sanglichen Elementes, obwohl die Virtuosität vor allem in den schnellen Abschnitten keinesfalls zu kurz kommt. Die faszinierendsten Momente stellen sich aber im dritten Abschnitt (‚Andante‘) ein, wenn Aguilar eine endlos lange Kantilene über zarter Streichergrundierung entfalten kann. Dass sich Penderecki hier von den eruptiven Klangmassen seiner frühen Schöpfungen weit entfernt hat, schmälert den Rang des Flötenkonzertes keineswegs. Die Balance zwischen Solo und Orchester stimmt ebenfalls.
Eher harmlos wirkt dagegen das ‚Agnus Dei‘ für Streicher, das wohl den noch verbleibenden Platz auf der CD füllen sollte. Es sind die beiden Konzerte, die diese Veröffentlichung empfehlenswert machen: Für Freunde maßvoll moderner Solokonzerte, für Flöten- und Klarinettenliebhaber und natürlich für alle, die Penderecki – mit einigem Recht – zu den führenden Komponisten der Gegenwart zählen. Einziger Schönheitsfehler: Der Booklet-Text ist nicht ins Deutsche übersetzt worden. |