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Details zu Piazzolla, Astor: Michelangelo ´ 70
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Kritik zu Antes Classics: Piazzolla, Astor: Michelangelo ´ 70

Feurig, kraftvoll und ausdrucksstark


Marom, 04.10.2006

Piazzolla, Astor: Michelangelo ´ 70
Label: Antes Classics , VÖ: 16.11.2005
Hörbeispiele:
1 - 2 - 3 - 4 - 5 - 6 - 7 - 8 - 9 - 10 -


Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 
Booklet: 





Voll von argentinischem Flair, stimmungsvoller und spannungsreicher Musik, starken Kontrasten und kräftigen, ausdrucksvollen Akkorden ist die Tango-CD von Operassion definitiv ein gelungener Wurf. Es ist durchaus gewagt, eine weitere Einspielung jener derart berühmten, vielgespielten ‘klassischen’ Piazzolla-Tangos aufzunehmen – aber die Musiker beweisen in der Tat ihre Klasse, und die Aufnahme kann durchaus in der oberen Liga der Tangoaufnahmen mithalten – auch wenn sie eher Musik zum Hören als zum Tanzen bietet.

Die Einspielung verbindet berühmte Stücke des argentinischen Meisterkomponisten: ‘Michelangelo '70’, die vier Jahreszeiten (in Anspielung an Vivaldis berühmtes Werk), Milonga del Angel (ohne die anderen Stücke des Angel-Zyklus), ‘Tangata (Silfo y Ondina)’ und zum Schluss den berühmten Libertango. Musikalisch lässt die ausgereifte und schöne Interpretation wenig zu wünschen übrig. Gefühlvoll, ausdrucksstark und kontrastreich modelliert sie treffend Ton und Stimmung des argentinischen Tango. Die klangliche Abstimmung ist gut gelungen und erzeugt ein schönes, rundes Klangbild. Einzig mag an mancher Stelle der Rhythmus etwas zu 'kantig' sein. Insbesondere ‘Michelangelo '70’ ist gut gelungen und strotzt vor Kraft und Wucht.

Das Quintett, bestehend aus Fabian Dobler am Klavier, Antje Steen am Bandoneon, Susanne Hofmann an der Violine, Maya Valcheva am Kontrabass und Rares Popsa an der Gitarre, vollbringt eine eindruckvolle Leistung im sicheren und abgestimmten Zusammenspiel. Besonders hervorzuheben ist das eindrucksvolle, und überaus virtuose Klavierspiel von Fabian Dobler, der auch mit schöne improvisatorische Einwürfe glänzt. Aber auch Antje Steens und Susanne Hofmanns hochexpressives, technisch makelloses Spiel gebührt ein Lob.

Insgesamt ähnelt der musikalische Stil den Tangoalben Gidon Kremers. Klanglich etwas weicher abgemischt, ist die Interpretation etwas fülliger und satter, aber tendiert leider an manchen Passagen leicht zum Kitsch. Und obgleich oft von Piazollas Musik nachgesagt wird, sie sei untanzbar, geht der Reiz dieser Einspielung durchaus über das bloße Hören hinaus. Es ist schade, dass weitere Informationen über das gewählte Arrangement fehlen; oft ist es gut gelungen, hat musikalisch feine und einfallsreiche Pointen zu bieten, wie auch zahlreiche improvisatorische Elemente. Einzig der berühmte Libertango, der sozusagen zur Openstage des Tangoarrangements avanciert ist, bietet ein interessantes Arrangement, das aber energisch nicht voll und ganz ‘durchschlägt’.

Die gesamte Gestaltung der CD und des Booklets ist ansprechend gelungen, und farblich/grafisch liebevoll gemacht. Umfangreich führt der Hintergrundtext in die Hinter- und 'Abgründe' des argentinischen Tango ein – und bietet auch dem Tangoliebhaber etwas Neues, aber versammelt auch einige wohlbekannte Klischees – auch wenn sie für den Laien noch keine sein mögen. Die Musiker werden einzeln mit Portraitfoto und (teils albernen) Zitaten vorgestellt. Leider bewegt sich das Booklet aber auch am Rand zum Kitsch.

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