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Details zu Raff, Joseph Joachim: Cello Concertos
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Kritik zu Tudor: Raff, Joseph Joachim: Cello Concertos

Raff und das Cello


Michael Loos, 04.02.2005

Raff, Joseph Joachim: Cello Concertos
Label: Tudor , VÖ: 13.12.2004
Hörbeispiele:
1 - 2 - 3 - 4 - 5 - 6 - 7 - 8 - 9 -


Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 
Booklet: 





Um das Cellokonzert ist es zwischen den Werken von Schumann und Dvorak nicht besonders gut bestellt. Gewiß wurden in diesem Zeitraum einige Cellokonzerte komponiert, etwa von Saint-Saëns; aber die Werke, die sich im Repertoire gehalten haben, lassen sich an einer Hand abzählen. Da freut man sich über jede Entdeckung, etwa über die beiden Konzerte von Joseph Joachim Raff, die aus den Jahren 1874 und 1876 stammen. Das erste Konzert op. 193 schrieb der Komponist für den Cellisten Friedrich Grützmacher, der es im Jahr der Entstehung uraufführte. Das zweite Konzert wurde dagegen zu Raffs Lebzeiten nicht gespielt, die Uraufführung erfolgte erst 1997. Daniel Müller-Schott hat die beiden Konzerte zusammen mit den Bamberger Symphonikern unter der Leitung des Raff-Exprerten Hans Stadlmair bei Tudor eingespielt. Zwei Werke Raffs für Cello und Klavier fanden zudem Platz auf der CD: Das ´Begegnung´ betitelte Phantasiestück op. 86 Nr. 1 und das ´Duo´ op. 59. Hier wird Müller-Schott von Robert Kulek am Klavier begleitet.

Formal entsprechen die Konzerte den Standards des 19. Jahrhunderts mit drei Sätzen und einer klar hervorgehobenen Rolle des Solisten. Das erste Konzert steht in d-moll und wirkt wohl auch deshalb dramatischer, pathetischer als das G-Dur-Schwesterwerk. Den Kopfsatz des ersten Konzertes gehen Stadlmair und Müller-Schott spritzig und mit flottem Tempo an; sicherlich angebracht angesichts einer Musik, die zwar durch eingängige Einfälle und eine gekonnte Instrumentierung überrascht, bereits beim zweiten Hören aber etwas banal wirkt. Im ´Larghetto´-Mittelsatz sieht es diesbezüglich besser aus, Müller-Schott kann sein Instrument mit breiten Kantilenen zum Singen bringen und beweist so, daß er nicht nur (wie im Kopfsatz zu hören) über eine ausgereifte Technik, sondern auch über Musikalität verfügt. Stadlmair gibt dem Solisten allen Raum, den er zur Entfaltung benötigt. Das Finale bietet eine nicht sonderlich originelle Mischung aus Rondo-Elementen und solistischer Virtuosität. Trotz einer insgesamt sehr gelungenen Interpretation kann man Raffs Konzert nicht zu den großen Werken seiner Zeit rechnen. Immerhin bietet es angesichts der wenigen Standardwerke, die wieder und wieder gespielt werden, eine unterhaltsame Abwechslung.

Das zweite Konzert ist zwar keine bloße Kopie des ersten, bietet aber – wenn man Nr. 1 gehört hat – auch nichts wirklich Neues mehr. Es präsentiert sich etwas ausgedehnter, jeder der drei Sätze dauert etwa zehn Minuten. Erneut gelingt Müller-Schott und Stadlmair eine überzeugende, klangsinnliche Interpretation dieser hochromantischen und durchaus hörenswerten Musik. Die Feststellung, daß es sich auch hier um kein Meisterwerk handelt, ist nicht abwertend zu verstehen – verglichen mit dem Durchschnitt des späten 19. Jahrhunderts können sich Raffs Kompositionen allemal behaupten.

Bei den beiden Werken für Cello und Klavier handelt es sich um hörenswerte Schöpfungen, vor allem die ´Begegnung´ überrascht durch nette pizzicato-Effekte und inspirierte Melodien. Eine gewisse Nähe zur Salonmusik (vor allem im Klavierpart) nimmt man da billigend in Kauf. Kulek ist hier ebenso ein sicherer Begleiter wie im Duo, einem etwas anspruchsvolleren Werk. Die 1848 entstandene Komposition zeigt Raff noch unter dem Einfluß Mendelssohns, dem er eine frühe Förderung verdankte.

Ob Raffs Cellokonzerte durch dieses lobenswerte Engagement von Daniel Müller-Schott den Weg in den Konzertsaal finden, ist zu bezweifeln. Letztlich haben beide Werke trotz vieler inspirierter Stellen zu wenig Substanz. Aber eine Entdeckung stellt diese CD auf jeden Fall dar – die Konkurrenz ist praktisch nicht vorhanden. Sowohl Cello-Freunden als auch Raff-Verehrern kann man diese Veröffentlichung ans Herz legen, zumal die Klangqualität hervorragend ist. Die gängigen (Vor-)Urteile über den Komponisten, er sei ein Epigone und Nachahmer gewesen, werden durch die Cellokonzerte freilich eher bestätigt als entkräftet.

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