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Details zu Apkalna, Iveta: Himmel & Hölle
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Kritik zu Edition Hera: Apkalna, Iveta: Himmel & Hölle

Ein Tanz mit der Orgel


Martin Kofler, 10.02.2005

Apkalna, Iveta: Himmel & Hölle
Label: Edition Hera , VÖ: 21.10.2004
Spielzeit: 71:58
Hörbeispiele:
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Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 
Booklet: 





Die junge lettische Organistin Iveta Apkalna eröffnet auf dieser CD dem Zuhörer einen Zugang in die Welt ihres Instruments wie er vielseitiger und eindrucksvoller wohl kaum auf Tonträger festgehalten werden kann. Ihrer atemberaubenden Interpretation gebührt höchste Anerkennung. Die Tonqualität der Aufzeichnung ist ebenso hervorragend und lässt den Klang sich in all seiner Fülle und die Werke sich in ihrem Formenreichtum entfalten.

Vogelpredigt und Walpurgisnacht

Dein Eingang bietet eine Toccata über den Choral von J.S. Bach ‘Allein Gott in der Höh´ sei Ehr’. Dabei handelt es sich, wie bei einigen anderen Stücken, um Weltersteinspielungen. Ein wunderbar geschmeidiges Spiel verbindet sich hier mit einfühlsamer Interpretation. In dieser Toccata offenbart sich ein betörender Klangfluss, der immer mehr zum Strom anschwillt je weiter er fortschreitet.
Track 2 ist die Vogelpredigt des Heiligen Franziskus von Assisi, eine Komposition von Franz Liszt. Hohe Triller stellen die Stimmen der Vögel dar. Die Klangfarben der Orgel werden sehr gekonnt eingesetzt. Bei 3:30 kann man Franz von Assisi förmlich mit den Tieren sprechen hören, seine Stimme ist durch einfache Melodien in mittlerer Tonhöhe musiziert. Zwei Minuten später erhebt sich das Instrument um die ganze Erhabenheit der Predigt auferstehen zu lassen. Nach dieser Passage wird es wieder ruhiger, man vernimmt erneut die Vogelstimmen, während im Hintergrund die Predigt noch nachklingt. Dabei wirkt der Vortrag der jungen Organistin plastisch und transparent, sie bringt die Orgel förmlich zum Sprechen, um diese Geschichte zu erzählen.

In der ‘Walpurgisnacht’, einer Begebenheit aus dem Faust-Zyklus, bieten sich innerhalb der acht Minuten dem Ohr nur schwer Orientierungspunkte. Ein Hexentanz kann wohl kaum trefflicher vertont werden. Höhepunkte, auf welche melodisch oder dynamisch hingearbeitet wird, kommen nicht vor. Es gibt kein sanftes An- oder Ausklingen. Vielmehr ist das ganze Stück der Höhepunkt des Hexenjahres. Wild und brausend setzt sich der Klang der Bässe immer wieder durch, um für einige Ordnung zu sorgen; gerade so, als müsse das Geschehen auf diese Weise zurechtgewiesen werden um nicht völlig außer Kontrolle zu geraten. Liedhafte Melodien tauchen stellenweise auf und verschwinden wieder, die hohen Orgelpfeifen wettern auf die Bässe herab, welche ihre ordnende Kraft unbeeindruckt davon entfalten. Apkalna jedoch verliert keinen Augenblick lang die Kontrolle. Das Stück wird gekonnt zusammengehalten, sein Gesamteindruck ist einem wild schäumenden Gewässer vergleichbar, welches stellenweise über die Ufer zu treten droht, jedoch sein Bett nicht verlässt.
Die Toccata aus Duruflés Suite op.5. ist der letzte von drei Sätzen dieser Komposition. Er präsentiert sich als ein weiteres klangliches Ereignis. Die Musik findet sich zu Beginn der knapp 8 Minuten in heller Aufregung. Die hohen technischen Anforderungen dieses Werkes werden von der jungen Musikerin anstandslos gemeistert. Die Bässe mit ihrem kräftigen Klangfundament halten den Melodien und Akkordfolgen wacker stand, wirken dabei stellenweise wie gestanzt.

Eine gelungene Repertoirezusammenstellung

Weiter folgen die ‘Quatre Études Caprices’ von Nagy Hakim (ebenfalls eine Weltersteinspielung), ‘George Thomas Thalben-Ball’ (Variationen über ein Thema von Paganini), sowie zwei Stücke von Sergej Prokofjew (in Transkriptionen von Jean Goillou). Auch diese Stücke beeindrucken durch meisterhafte Interpretation, welche nicht nur hohes technisches Können und Phantasie, sondern auch eine entsprechende körperliche Fitness voraussetzt. Der Repertoirewert ist zum einen durch die Neueinspielungen sehr hoch, auch die Auswahl der Stücke ist durch die musikgeschichtliche Bandbreite empfehlenswert. Man darf gespannt sein was dieses viel versprechende junge Talent in den nächsten Jahren noch hervorbringt. Wer Gelegenheit hat eines ihrer Konzerte zu besuchen, sollte diese auch nützen.
Das dreisprachige Beiheft bietet in Englisch, Deutsch und Französisch kurze Besprechungen zu den einzelnen Werken. Iveta Apkalna wird mit Bild vorgestellt, sie kommt auch mit eigenen Gedanken zu Wort. So erfährt man Interessantes zur Auswahl der Stücke und auch warum diese CD den Titel ‘Himmel und Hölle’ trägt.

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