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Details zu Schubert, Franz: Schubert Wanderer-Fantasie - Liszt h-Moll Sonate
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Kritik zu Genuin: Schubert, Franz: Schubert Wanderer-Fantasie - Liszt h-Moll Sonate

Musikalische Wanderung mit Hürden


Matthias Oberritter, 28.11.2004

Schubert, Franz: Schubert Wanderer-Fantasie - Liszt h-Moll Sonate
Label: Genuin , VÖ: 01.06.2006
Spielzeit: 55:51 , aufgenommen 12/2003
Hörbeispiele:
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Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 
Booklet: 





Nach seinem äußerst gelungenen Erstlingswerk mit den späten Schubert- Sonaten wartet Daniel Röhm, einer der hoffnungsvollsten deutschen Nachwuchspianisten, nun mit einer technischen Steigerung auf. Die Nachfolge-CD, wieder bei Genuin erschienen, enthält die ungleich schwerere ,h-moll Sonate' von Franz Liszt, die ,Wanderer Fantasie' von Franz Schubert sowie die Bearbeitung für Klavier von Liszt ,Der Müller und der Bach' nach dem gleichnamigen Lied Schuberts. Röhm stellt damit einen sinnfälligen Zusammenhang zwischen den beiden Komponisten her, vor allem angesichts der Tatsache, dass es auch eine Orchester-Version der ,Wanderer Fantasie' Schuberts gibt, die wiederum aus Liszts Feder stammt. Eine weitere Verbindung findet sich im Aufbau der ,Wanderer Fantasie' und der ,h-moll Sonate'. Beide knüpfen an das Spätwerk Beethovens an und nehmen das Modell der Sonaten-Form zwar auf, aber stellen es durch die sehr freie Handhabung gleichfalls in Frage.

Courage

Keine Frage, wer sich derart häufig veröffentlichten Werken annimmt, der beweist Courage, muss er sich doch gegen unzählige geniale wie weniger geniale Interpretationen behaupten. Insofern ist es bewundernswert, dass Röhm sich bereits so früh in seiner Karriere einer derartigen Herausforderung stellt. Zweifellos beweist er auf seiner zweiten CD wieder großes Talent, aber im Vergleich zu den zuvor veröffentlichten Schubert-Sonaten ist diese Aufnahme meines Erachtens nach sehr unausgeglichen. Herausragende Momente wechseln mit schwächeren und haben es mir nicht einfach gemacht, mich entweder auf die Seite der Kritiker oder der Bewunderer zu stellen; fest steht, dass mehr Potential vorhanden ist als hier abgerufen wurde.

Glänzender Einstieg

Mit der ,Fantasie C-Dur' (,Wanderer') gelingt Daniel Röhm ein glänzender Einstieg in die Aufnahme. Der erste Satz ,Allegro con fuoco, ma non troppo' lässt durch die entsprechend feurige Umsetzung des prägnanten Anfangsrhythmus schon die Qualitäten des Pianisten erahnen. Die Hervorhebung melodischer Phrasen gegen den fließenden Strom der Sechzehntelfigurationen gelingt ausgezeichnet, was sich im gefühlvoll gespielten ,Adagio' des zweiten Satzes geradewegs fortsetzt. Das anschließende ,Presto' erschallt mit viel Schwung und einem zwar nicht vorgezeichneten, aber gespielten ,attacca'. Röhm schafft es, den federnden punktierten Rhythmen Leben zu verleihen und einen gelungenen Übergang auch zum letzten Satz herzustellen, in dem wiederum der prägnante Anfangsrhythmus im Mittelpunkt steht.
,Der Müller und der Bach', als Bindeglied zwischen den größeren Werken, wirkt etwas gehetzt. Im Vergleich zur Interpretation von Jorge Bolet (Gesamteinspielung der Klavierwerke Liszts) braucht Röhm ganze 1:19min weniger, und das bei einem derart kurzen Stück von einer Gesamtlänge von 4:47 min. Dennoch versteht er es der einprägsamen Melodie noch genügend Raum zu lassen. Dieses kurze Liedbearbeitung ist gut dazu geeignet, zwischen den größer angelegten Werke ein wenig inne zu halten.

Leichte Schwächen

Zu Beginn der H-Moll Sonate, wenn das thematische Material vorgestellt wird, wirkt Röhm für meine Begriffe etwas zögerlich und zurückhaltend. Clifford Curzon beispielsweise schafft es bereits in den Anfangstakten seiner Einspielung (1963) eine dramatische Wirkung zu entfalten, wie sie Röhm nicht erreicht. Vor allem bei den ,pesante'- und ,marcato'-Stellen im ersten Satz fehlt es an Tiefe und Ausdruckskraft. In diesem Zusammenhang wäre insbesondere die ,Grandioso'-Passage zu erwähnen. Das durch seine Klangdichte fast orchestral wirkende ,Grandioso' gerät bei Röhm etwas spärlich. Dagegen ist der Beginn der Durchführung nach den Einleitungstakten mit seinen Sechzehntelfigurationen geradezu genial. Mit spielender Leichtigkeit, so scheint es, meistert der Interpret diesen schwierigen Teil. Überhaupt erweckt es den Eindruck, dass die figurativen Elemente dieser Sonate Röhm geradezu Spaß bereiten, so fließend und virtuos, wie er sie präsentiert.
Ebenfalls im Positiven zu erwähnen ist das ,cantando espressivo', das äußerst gefühlvoll vorgetragen ist und seinen lyrischen Charakter dadurch voll entfalten kann. Im zweiten Satz klingt die analoge Stelle zum ,Grandioso' des ersten Satzes wiederum wenig rund. Ansonsten ist das ,Andante sostenuto', das sich nach wenigen Takten schon als ,Quasi Adagio' entpuppt, mit viel melodischem Gespür und sehr flüssig gespielt. Die Überleitungstakte zum ,Allegro energico' könnten schließlich noch etwas mehr an Spannung und Tiefe vertragen. Im folgenden letzten Satz, der spieltechnisch noch einmal alles vom Pianisten abverlangt, ist Röhm den Anforderungen zu jeder Zeit gewachsen. Er bewältigt die sehr abwechslungsreichen und schwierigen Stellen scheinbar mühelos.

Zu viel Höhen

Eine Schwachstelle, die die Aufnahmetechnik betrifft, ist das zu höhenlastige Abmischen des Klavierklangs. Mittlere und tiefere Frequenzen erscheinen sehr abgespeckt im Verhältnis zu den etwas aufdringlich wirkenden hohen Frequenzen. Zwar zeichnet sich der Gesamtklang durch große Klarheit und wenig Nebengeräusche aus, doch das ungleichmäßige Mischverhältnis führt dazu, dass der Klang wenig warm und sehr dünn, ja fast gläsern wirkt. Das Booklet ist hingegen gut gefüllt. Es umfasst ausreichend Informationen zu Werk und Künstler.

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