Mozart hat seine Klavierkonzerte KV 413-415 in zwei Versionen drucken lassen: mit Orchester – und so sind die Werke bekannt – und mit kammermusikalischer Streicherbegleitung (2 Violinen, Viola und Violoncello, hier verstärkt durch einen Kontrabass). Dies war ohne Zweifel ein verkaufsstrategischer Coup und eröffnete dem aufstrebenden Neo-Wiener zusätzliche Absatzmärkte; zugleich offenbart die reduzierte Version, dass Mozarts Konzerten kammermusikalische Qualitäten inne wohnen. Die drei Konzerte sind jene, die der Komponist in einem Brief an seinen Vater so unnachahmlich treffend charakterisierte als „eben das Mittelding zwischen zu schwer – und zu leicht – [...] sehr Brillant – angenehm in die ohren – Natürlich, ohne in das leere zu fallen“. Tatsächlich zeichnen sich diese drei überaus charmanten Werke durch einen galanten Tonfall aus, aber unter dieser Oberfläche zeigen sich erstaunliche Züge, etwa kontrapunktisch konzipierte Passagen. Mit diesen Konzerten – den ersten gedruckten Klavierkonzerten Mozarts – etablierte sich der Komponist in Wien.
Die englische Pianistin Susan Tomes und das Gaudier Ensemble werfen mit ihrer Einspielung die Frage auf, warum diese Konzerte nicht öfter in der kammermusikalischen Besetzung erklingen. Freilich fehlen strahlende Tutti, Glanzlichter der von Mozart so delikat eingesetzten Bläser, dynamische Kontraste – all dies wird aber durch die frappierende Transparenz des kammermusikalischen Klanges wettgemacht. Ungeahnte Feinheiten treten so zu Tage. Als Beispiel bietet sich der Beginn des C-Dur-Konzertes KV 415 an: In der orchestralen Version sind es die machtvollen trompetenüberstrahlten Tutti, die eine majestätische Wirkung erzeugen; in der Kammermusikversion werden plötzlich Begleitfiguren hörbar, jeder Ton ist wichtig.
Susan Tomes überzeugt mit ihrem beredten Spiel voll und ganz. Sie setzt nicht auf große Gesten, sondern auf subtile Nuancen. Sie dialogisiert mit ihren Partnern. Erstaunlicherweise klingt das Klavier über weite Strecken gar nicht so dominant oder virtuos-konzertant, wie man es bei besetzungsmäßig reduzierten Klavierkonzerten erwarten würde; vielmehr ist das Klavier ein primus inter pares, man vermeint ein Klavierquartett zu hören. Die fünf Musikerinnen und Musiker des Gaudier Ensembles sind hörbar optimal aufeinander eingestimmt und verfügen über lange Kammermusik-Erfahrung. Sie sorgen für feine Klangschattierungen in den langsamen Sätzen und einen federnden Klanghintergrund in den schnellen Ecksätzen.
Diese unaufdringliche, aber musikalisch untadelige Einspielung verdient weite Verbreitung; keineswegs werden hier nur die Bedürfnisse jener befriedigt, die nach Kuriositäten und Randrepertoire Ausschau halten.
Endlich hat hyperion eine gute Übersetzerin für den Booklettext gefunden. Die optische Präsentation ist, bei hyperion selbstverständlich, als gediegen zu bezeichnen. Klanglich wurde eine gute Balance zwischen Klavier und Streichern gefunden. |