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Mittwoch, 19. Juni 2013

Dillen, Oscar van - de stad

Eine Sinfonie der modernen Großstadt


Label/Verlag: Cybele
Detailinformationen zur Platte


'de Stad' von Oscar van Dillen entstand für eine stadtgeschichtliche Ausstellung in Rotterdam. Die Ensemblekomposition liegt im Original und einer elektroakustischen Montage vor - interessantes Werk!

Bei der Ensemblekomposition 'de Stad’ (‚die Stadt’) dachte der niederländische Komponist Oscar van Dillen (geb. 1958) zwangsweise an Rotterdam, denn vom Fonds voor de Scheppende Toonkunst kam der Auftrag, für die Ausstellung ‚Geschichte des neuen Rotterdam’ im dortigen Historischen Museum eine Musik zu komponieren. Ganz konkret wurde der Komponist jedoch auch durch das gleichnamige Buch von Ben Stroman inspiriert. Das Werk für die untypische Besetzung von Bassklarinette, Posaune, Schlagzeug, Klavier, Geige, Bratsche, Violoncello und Kontrabass wurde 2003 termingerecht fertig und noch im selben Jahr vom ensemble gelberklang aufgenommen und in einer ‚Stadsgeschiedenis’ betitelten ‚elektroakustischen Montage’ für die multimediale Ausstellung aufbereitet. Beides zusammen wurde auf eine SACD gepackt und vom Neue Musik-Label Cybele bereits 2003 auf den Markt gebracht. (Dass die Besprechung jetzt erst erfolgt, ist wohl auf Berührungsängste mit Neuer Musik im Allgemeinen oder im konkreten Fall mit dem damals noch jungen Medium der SACD zurückzuführen.) – Tatsächlich ist ein SACD-Spieler mit angeschlossenem Surround-System ratsam, um die Montage ‚Stadsgeschiedenis’ in vollen Zügen genießen zu können.

Musik und die Stadt

Architektur und Städtebau wurden immer wieder mit Musik in Verbindung gebracht. Komponisten haben versucht, die Atmosphäre bestimmter Städte in Klang zu bringen – zum Beispiel Ottorino Respighi mit seiner römischen Trilogie oder Ralph Vaughan Williams mit seiner 'London Symphony’. Dem raschen Wechsel verschiedenster Assoziationen und Bildeindrücke, wie er auch in den berühmten Großstadtromanen wie ‚Berlin Alexanderplatz’ oder ‚Manhattan Transfer’ Niederschlag gefunden hat, erfasste Charles Ives in verschiedenen Werken wie 'Central Park in the Dark’ wohl als erster in dieser Radikalität. Obwohl sich Oscar van Dillen nun auf Rotterdam bezieht, will er seine Komposition ganz bewusst allgemein verstanden wissen – als ‚Symphonie der Stadt’, also der Großstadt als Phänomen des menschlichen Lebens im 20. und 21. Jahrhundert.

So stilistisch vielfältig wie die moderne Großstadt gibt sich auch van Dillens Musik – eine gewisse Beziehungslosigkeit gehört dann einfach dazu. Anklänge findet man an die europäische Avantgarde gleichermaßen wie an Jazz und Pop, aber auch Minimalisten wie Philip Glass und Arvo Pärt. Zwar gibt es durchaus auch ‚Klangmalerei’, im Wesentlichen handelt es sich bei 'de Stad’ aber um ‚absolute’ Musik. Daran ändert auch die Klangmontage wenig, in der die etwa eine Dreiviertelstunde dauernden und auch einzeln aufführbaren sechs Teile von 'de Stad’ in einen kontinuierlichen Ablauf gebracht und dabei auf eine Spielzeit von exakt einer halben Stunde eingedampft wurden. Diverse ‚konkrete’ Klänge wie Wasserplätschern, Baustellenlärm, Telefone und auch Zugaben in Form von gesprochenen Abschnitten stellen den Bezug zur Stadt Rotterdam her.

Idealer Partner

Mit dem ensemble gelberklang wurde der wohl ideale Partner gefunden, denn dieses Kammerensemble widmet sich verstärkt interdisziplinären Projekten; so hat es bereits des Öfteren in Galerien ein auf die jeweilige Ausstellung zugeschnittenes Programm gespielt. Für die vorliegende Produktion hat zudem der Komponist am Pult gestanden, was erhöhte Authentizität verspricht. Unter seiner Leitung entfalten die neun technisch über jeden Zweifel erhabenen Musiker dann auch ein faszinierendes Klangporträt der modernen Großstadt; alle sechs Sätze sind in ihrer Charakteristik außerordentlich unterschiedlich, bilden aber dennoch ein überzeugendes Ganzes. Die ungewöhnliche Besetzung ermöglicht ein großes Klangspektrum; die spieltechnischen Möglichkeiten der Musiker feinste Farbschattierungen. Die hervorragende Klangqualität und das gute Textheft runden die Produktion ab. Die Aufnahme von 'de Stad’ hat einen außerordentlich natürlichen und gestochen scharfen Klang; für die Montage wurden die fünf Kanäle voll ausgenutzt – Musik und Klangeinblendungen werden räumlich gut getrennt mit dem Ergebnis einer deutlich höheren Transparenz, als wenn alle Schichten nur aus zwei Lautsprechern schallen. Schließend sei darauf hingewiesen, dass 'de Stad’ beim Hören Freude macht – das Stück sei wegen seiner durchaus vorhandenen Querbeziehungen zur populären Musik als ‚besonders einsteigerfreundlich’ deklariert.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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