> > > Rosenmller. Johann: Sonatas 1682
Dienstag, 7. Juli 2015

Rosenmller. Johann - Sonatas 1682

Sonatenkunst


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zur Platte


Sonaten von Johann Rosenmller in einer in allen wichtigen Aspekten sehr gelungenen Einspielung durch Roland Wilson und das Ensemble Musica Fiata.

Johann Rosenmüller (1619-1684) bewegt sich in der Rezeption der Gegenwart längst nicht mehr in der Zone halb verdeckter Prominenz. Dank etlicher hochkarätiger Produktionen der jüngeren Vergangenheit ist er als eminente deutsch-italienische Größe für die Entwicklung der instrumentalen wie der vokalen Musik des 17. Jahrhunderts kaum mehr aus dem Kanon wegzudenken. Dazu mag die geradezu idealtypisch vollzogene Verbindung einer in Deutschland fundierten satztechnischen Solidität und jener für die Zeit typischen, modernen Klanglichkeit des italienischen Instrumentalstils wesentlich beigetragen haben, die sich in Rosenmüllers Schaffen beispielhaft materialisiert.

Eine auch für das über sehr weite Strecken bemerkenswert hochkarätige Werk des Komponisten nochmals auffällig geschlossene Sammlung stellen die zwölf 1682 in Nürnberg gedruckten Sonaten dar, die Roland Wilson und seine Musica Fiata auf einer aktuellen Produktion des Labels cpo vorstellen. Dieser Werkkorpus bildet einen eindrücklichen Höhepunkt der frühen barocken Sonate, der Rosenmüller als einen versierten Meister dieser Gattung vorstellt: Die Besetzungen sind überaus variabel möglich, die lineare Faktur ist höchst individuell und weit entfernt von formalistischen Üblichkeiten, die durchbrochene Struktur von energischer Bewegung und weit ausgreifenden ruhigen Entwicklungen gemahnt schon fast an ausgeprägte Satzfolgen, alte Techniken kontrapunktischer Provenienz werden mit leichter Hand und ohne schulmeisterliche Strenge integriert. Und Rosenmüller fügt all das zu überaus moderner, geradezu virtuoser Eleganz zusammen – was die Sammlung für versierte Ensembles hochattraktiv sein lässt.

Kundige Anwälte

Dennoch sind diese Sonaten Rosenmüllers überwiegend in gemischten Programmen zu hören, kontrastieren sie Vokalwerke derselben Epoche oder werden sie in den Kontext mit anderen Instrumentalkomponisten der Zeit gerückt. Roland Wilson, Zinkenist und Ensembleleiter, hat seiner Formation nun die Gesamtheit der zwölf Sonaten anvertraut und eine sehr ansprechende, auch für das Repertoire überaus interessante Interpretation realisiert. Die Besetzungen der Werke sind sehr farbig und in etlichen überzeugenden Varianten gestaltet. Dabei zeigt sich das vielfach erprobte Ensemble spielfreudig, im Ensembleklang mit Raffinesse und spieltechnischer Präzision ausgestattet. Auf der Langstrecke der üppigen durchbrochenen Arbeit ist eine Fülle bemerkenswerter Einzelleistungen zu konstatieren, am deutlichsten positionieren sich hier vielleicht die Violinen von Anette Sichelschmidt und Christine Moran sowie der in vielen Abschnitten fast schon konzertant hervortretende Dulzian von Adrian Rovatkay. Generell nimmt die intensive, oft kleinräumig akzentuierte Ensembleinteraktion für die Produktion ein. Dazu leisten die variantenreich gewählten Tempi in reicher Binnengliederung einen ebenso maßgeblichen Anteil wie die in breitem Spektrum realisierte artikulatorische Ebene: Natürlich ist das so, möchte man sagen, lässt sich diese Musik doch nur so spannungsreich spielen. Und also ist der auf engstem Raum vollzogene Wechsel von rasanter Kleinteiligkeit und großflächiger, nur spärlich akkordisch gestützter Linearität prägendes Element.

Das Klangbild gibt sich konzentriert und gesammelt, klar und plastisch ausgebaut. Insgesamt wirkt es etwas zu sehr vom Raumeffekt abgeschnitten und scheint so um eine Dimension klanglichen Luxus’ beraubt. Selten wirkt die Bassregion etwas unklar. Auch das eigentlich informative, in zwei Sprachen kundig edierte Booklet kennt Reserven, etwa wegen einer minimalistischen Gestaltung oder in seiner über die Basisdaten kaum hinausgehenden inhaltlichen Knappheit.

Dennoch: Diese Rosenmüller-Sammlung in der Deutung eines Ensembles zu erleben, ist selten. Auch daher rührt der hohe diskographische Wert der Platte. Doch liefern das hohe spieltechnische Niveau, die stilistische Reife der Akteure, die musikantische Spielfreude und die intellektuelle Durchdringung hinreichend Gründe für eine sehr positive Bewertung des interpretatorischen Ergebnisses. Roland Wilson und die Instrumentalisten seiner Musica Fiata dokumentieren Rosenmüllers Ansatz voller Individualität und Freude an der geistvollen Abwechslung sehr zutreffend.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Weitere CD-Besprechungen zum Label cpo:

  • Zur Plattenkritik... Feuriger Teufelsgeiger: Dieser 'Paganini' kann sich hren lassen und sich selbstbewusst an die Seite lterer Aufnahmen stellen. Weiter...
    (Benjamin Knzel, )
  • Zur Plattenkritik... Nicht nur ein Sammler: Psalmen und Kantaten von Georg sterreich: lohnende Musik in einer ausgewogen hochklassigen Interpretation durch Manfred Cordes und sein Ensemble Weser-Renaissance. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Plattenkritik... Innovativ: Ludger Rmy, Fasch-Preistrger des Jahres 2015, gelingt mit seinem Ensemble Les Amis de Philippe ein berzeugendes Pldoyer fr formal eigenwillige, hochinspirierte Musik Johann Friedrich Faschs. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle Kritiken von cpo...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Matthias Lange:

  • Zur Plattenkritik... Feiner Ton: Matthias Jung und das Schsische Vocalensemble setzen ihre Erkundungen in interessanten Grnden fort, dieses Mal im wenig bekannten Chorrepertoire der zweiten Hlfte des 18. Jahrhunderts, auf den Spuren Johann Adam Hillers. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Plattenkritik... Nicht nur ein Sammler: Psalmen und Kantaten von Georg sterreich: lohnende Musik in einer ausgewogen hochklassigen Interpretation durch Manfred Cordes und sein Ensemble Weser-Renaissance. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Plattenkritik... Klingende Pilgerreise: Eine gro dimensionierte Chorkomposition des Englnders Joby Talbot ber den Jakobsweg nach Santiago de Compostela, sehr gut gesungen vom texanischen Chor Conspirare. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Matthias Lange...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Plattenkritik... Problematische Fortsetzung: Nach gut zehn Jahren erscheint der etwas enttuschende zweite Teil der Gesamteinspielung von Hans Werner Henzes Violinkonzerten mit dem Geiger Peter Sheppard Skrved. Weiter...
    (Dr. Stefan Drees, )
  • Zur Plattenkritik... Wie Dresden Feste feiert: Festliche Musik, 3000 Besucher: Kammermusik. In einer Kirche unmglich? Doch! Eindrucksvoll zeigt das Dresdner Trompeten Consort und Kreuzorganist Holger Gehring, was in der Kreuzkirche zu Dresden mglich ist. Weiter...
    (Robert Pfretzschner, )
  • Zur Plattenkritik... Feiner Ton: Matthias Jung und das Schsische Vocalensemble setzen ihre Erkundungen in interessanten Grnden fort, dieses Mal im wenig bekannten Chorrepertoire der zweiten Hlfte des 18. Jahrhunderts, auf den Spuren Johann Adam Hillers. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Mozart II

Anzeige

Magazine zum Downloaden

harmonie mundi magazin (6/2015) herunterladen (2361 KByte) NOTE 1 - Mitteilungen (7/2015) herunterladen (2823 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Theodore Gouvy: Symphony No. 2 op. 12 in F major - II. Scherzo. Allegro assai

Radio starten

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

 Klavierduo Silver-Garburg im Portrait "Uns zuzuhren, ist wie eine Liebesgeschichte"
Ein perfekt eingespieltes Team musikalisch und privat: das Klavierduo Gil Garburg und Sivan Silver

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich