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Mittwoch, 1. Juni 2016

Rosenmüller. Johann - Sonatas 1682

Sonatenkunst


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Sonaten von Johann Rosenmüller in einer in allen wichtigen Aspekten sehr gelungenen Einspielung durch Roland Wilson und das Ensemble Musica Fiata.

Johann Rosenmüller (1619-1684) bewegt sich in der Rezeption der Gegenwart längst nicht mehr in der Zone halb verdeckter Prominenz. Dank etlicher hochkarätiger Produktionen der jüngeren Vergangenheit ist er als eminente deutsch-italienische Größe für die Entwicklung der instrumentalen wie der vokalen Musik des 17. Jahrhunderts kaum mehr aus dem Kanon wegzudenken. Dazu mag die geradezu idealtypisch vollzogene Verbindung einer in Deutschland fundierten satztechnischen Solidität und jener für die Zeit typischen, modernen Klanglichkeit des italienischen Instrumentalstils wesentlich beigetragen haben, die sich in Rosenmüllers Schaffen beispielhaft materialisiert.

Eine auch für das über sehr weite Strecken bemerkenswert hochkarätige Werk des Komponisten nochmals auffällig geschlossene Sammlung stellen die zwölf 1682 in Nürnberg gedruckten Sonaten dar, die Roland Wilson und seine Musica Fiata auf einer aktuellen Produktion des Labels cpo vorstellen. Dieser Werkkorpus bildet einen eindrücklichen Höhepunkt der frühen barocken Sonate, der Rosenmüller als einen versierten Meister dieser Gattung vorstellt: Die Besetzungen sind überaus variabel möglich, die lineare Faktur ist höchst individuell und weit entfernt von formalistischen Üblichkeiten, die durchbrochene Struktur von energischer Bewegung und weit ausgreifenden ruhigen Entwicklungen gemahnt schon fast an ausgeprägte Satzfolgen, alte Techniken kontrapunktischer Provenienz werden mit leichter Hand und ohne schulmeisterliche Strenge integriert. Und Rosenmüller fügt all das zu überaus moderner, geradezu virtuoser Eleganz zusammen – was die Sammlung für versierte Ensembles hochattraktiv sein lässt.

Kundige Anwälte

Dennoch sind diese Sonaten Rosenmüllers überwiegend in gemischten Programmen zu hören, kontrastieren sie Vokalwerke derselben Epoche oder werden sie in den Kontext mit anderen Instrumentalkomponisten der Zeit gerückt. Roland Wilson, Zinkenist und Ensembleleiter, hat seiner Formation nun die Gesamtheit der zwölf Sonaten anvertraut und eine sehr ansprechende, auch für das Repertoire überaus interessante Interpretation realisiert. Die Besetzungen der Werke sind sehr farbig und in etlichen überzeugenden Varianten gestaltet. Dabei zeigt sich das vielfach erprobte Ensemble spielfreudig, im Ensembleklang mit Raffinesse und spieltechnischer Präzision ausgestattet. Auf der Langstrecke der üppigen durchbrochenen Arbeit ist eine Fülle bemerkenswerter Einzelleistungen zu konstatieren, am deutlichsten positionieren sich hier vielleicht die Violinen von Anette Sichelschmidt und Christine Moran sowie der in vielen Abschnitten fast schon konzertant hervortretende Dulzian von Adrian Rovatkay. Generell nimmt die intensive, oft kleinräumig akzentuierte Ensembleinteraktion für die Produktion ein. Dazu leisten die variantenreich gewählten Tempi in reicher Binnengliederung einen ebenso maßgeblichen Anteil wie die in breitem Spektrum realisierte artikulatorische Ebene: Natürlich ist das so, möchte man sagen, lässt sich diese Musik doch nur so spannungsreich spielen. Und also ist der auf engstem Raum vollzogene Wechsel von rasanter Kleinteiligkeit und großflächiger, nur spärlich akkordisch gestützter Linearität prägendes Element.

Das Klangbild gibt sich konzentriert und gesammelt, klar und plastisch ausgebaut. Insgesamt wirkt es etwas zu sehr vom Raumeffekt abgeschnitten und scheint so um eine Dimension klanglichen Luxus’ beraubt. Selten wirkt die Bassregion etwas unklar. Auch das eigentlich informative, in zwei Sprachen kundig edierte Booklet kennt Reserven, etwa wegen einer minimalistischen Gestaltung oder in seiner über die Basisdaten kaum hinausgehenden inhaltlichen Knappheit.

Dennoch: Diese Rosenmüller-Sammlung in der Deutung eines Ensembles zu erleben, ist selten. Auch daher rührt der hohe diskographische Wert der Platte. Doch liefern das hohe spieltechnische Niveau, die stilistische Reife der Akteure, die musikantische Spielfreude und die intellektuelle Durchdringung hinreichend Gründe für eine sehr positive Bewertung des interpretatorischen Ergebnisses. Roland Wilson und die Instrumentalisten seiner Musica Fiata dokumentieren Rosenmüllers Ansatz voller Individualität und Freude an der geistvollen Abwechslung sehr zutreffend.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Rosenmüller. Johann: Sonatas 1682

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
cpo
1
20.10.2012
EAN:

761203768820


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Rosenmüller, Johann
 - Sonata IX à 5 - 2 Violinen, 2 Violen, Basso Viola, 2 Zinken, 2 Posaunen, Dulzian, Orgel, Chitarrone
 - Sonata V à 3 - 2 Violinen, Dulzian, Orgel, Chitarrone
 - Sonata XII à 5 - 2 Zinken, 2 Posaunen, Dulzian, Orgel, Chitarrone
 - Sonata VII à 4 - 2 Violinen, Viola, Basso Viola, Orgel, Chitarrone
 - Sonata VI à 3 - Violine, Zink, Dulzian, Cembalo, Chitarrone
 - Sonata II à 2 - 2 Violinen, Orgel, Chitarrone
 - Sonata VIII à 4 - Violine, Zink, Paosaune, Dulzian, Orgel, Chiatrrone
 - Sonata III à 2 - Violine, Dulzian, Cembalo, Chitarrone
 - Sonata XI à 5 - 2 Violinen, 2 Violen, Basso Viola, Cembalo, Chitarrone
 - Sonata I à 2 - Violine, Zink, Cembalo, Chitarrone
 - Sonata IV à 3 - 2 Violinen, Basso Viola, Cembalo, Chitarrone
 - Sonata X à 5 - 2 Violinen, 2 Violen, Basso Viola, Orgel, Chitarrone, 2 Zinken, 2 Posaunen, Dulzian


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Interpret(en):Wilson, Roland


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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