> > > Rosenmller. Johann: Sonatas 1682
Samstag, 29. August 2015

Rosenmller. Johann - Sonatas 1682

Sonatenkunst


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Sonaten von Johann Rosenmller in einer in allen wichtigen Aspekten sehr gelungenen Einspielung durch Roland Wilson und das Ensemble Musica Fiata.

Johann Rosenmüller (1619-1684) bewegt sich in der Rezeption der Gegenwart längst nicht mehr in der Zone halb verdeckter Prominenz. Dank etlicher hochkarätiger Produktionen der jüngeren Vergangenheit ist er als eminente deutsch-italienische Größe für die Entwicklung der instrumentalen wie der vokalen Musik des 17. Jahrhunderts kaum mehr aus dem Kanon wegzudenken. Dazu mag die geradezu idealtypisch vollzogene Verbindung einer in Deutschland fundierten satztechnischen Solidität und jener für die Zeit typischen, modernen Klanglichkeit des italienischen Instrumentalstils wesentlich beigetragen haben, die sich in Rosenmüllers Schaffen beispielhaft materialisiert.

Eine auch für das über sehr weite Strecken bemerkenswert hochkarätige Werk des Komponisten nochmals auffällig geschlossene Sammlung stellen die zwölf 1682 in Nürnberg gedruckten Sonaten dar, die Roland Wilson und seine Musica Fiata auf einer aktuellen Produktion des Labels cpo vorstellen. Dieser Werkkorpus bildet einen eindrücklichen Höhepunkt der frühen barocken Sonate, der Rosenmüller als einen versierten Meister dieser Gattung vorstellt: Die Besetzungen sind überaus variabel möglich, die lineare Faktur ist höchst individuell und weit entfernt von formalistischen Üblichkeiten, die durchbrochene Struktur von energischer Bewegung und weit ausgreifenden ruhigen Entwicklungen gemahnt schon fast an ausgeprägte Satzfolgen, alte Techniken kontrapunktischer Provenienz werden mit leichter Hand und ohne schulmeisterliche Strenge integriert. Und Rosenmüller fügt all das zu überaus moderner, geradezu virtuoser Eleganz zusammen – was die Sammlung für versierte Ensembles hochattraktiv sein lässt.

Kundige Anwälte

Dennoch sind diese Sonaten Rosenmüllers überwiegend in gemischten Programmen zu hören, kontrastieren sie Vokalwerke derselben Epoche oder werden sie in den Kontext mit anderen Instrumentalkomponisten der Zeit gerückt. Roland Wilson, Zinkenist und Ensembleleiter, hat seiner Formation nun die Gesamtheit der zwölf Sonaten anvertraut und eine sehr ansprechende, auch für das Repertoire überaus interessante Interpretation realisiert. Die Besetzungen der Werke sind sehr farbig und in etlichen überzeugenden Varianten gestaltet. Dabei zeigt sich das vielfach erprobte Ensemble spielfreudig, im Ensembleklang mit Raffinesse und spieltechnischer Präzision ausgestattet. Auf der Langstrecke der üppigen durchbrochenen Arbeit ist eine Fülle bemerkenswerter Einzelleistungen zu konstatieren, am deutlichsten positionieren sich hier vielleicht die Violinen von Anette Sichelschmidt und Christine Moran sowie der in vielen Abschnitten fast schon konzertant hervortretende Dulzian von Adrian Rovatkay. Generell nimmt die intensive, oft kleinräumig akzentuierte Ensembleinteraktion für die Produktion ein. Dazu leisten die variantenreich gewählten Tempi in reicher Binnengliederung einen ebenso maßgeblichen Anteil wie die in breitem Spektrum realisierte artikulatorische Ebene: Natürlich ist das so, möchte man sagen, lässt sich diese Musik doch nur so spannungsreich spielen. Und also ist der auf engstem Raum vollzogene Wechsel von rasanter Kleinteiligkeit und großflächiger, nur spärlich akkordisch gestützter Linearität prägendes Element.

Das Klangbild gibt sich konzentriert und gesammelt, klar und plastisch ausgebaut. Insgesamt wirkt es etwas zu sehr vom Raumeffekt abgeschnitten und scheint so um eine Dimension klanglichen Luxus’ beraubt. Selten wirkt die Bassregion etwas unklar. Auch das eigentlich informative, in zwei Sprachen kundig edierte Booklet kennt Reserven, etwa wegen einer minimalistischen Gestaltung oder in seiner über die Basisdaten kaum hinausgehenden inhaltlichen Knappheit.

Dennoch: Diese Rosenmüller-Sammlung in der Deutung eines Ensembles zu erleben, ist selten. Auch daher rührt der hohe diskographische Wert der Platte. Doch liefern das hohe spieltechnische Niveau, die stilistische Reife der Akteure, die musikantische Spielfreude und die intellektuelle Durchdringung hinreichend Gründe für eine sehr positive Bewertung des interpretatorischen Ergebnisses. Roland Wilson und die Instrumentalisten seiner Musica Fiata dokumentieren Rosenmüllers Ansatz voller Individualität und Freude an der geistvollen Abwechslung sehr zutreffend.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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