> > > Mendelssohn Bartholdy, Felix: Violinkonzerte in e-Moll & d-Moll
Freitag, 25. Juli 2014

Mendelssohn Bartholdy, Felix - Violinkonzerte in e-Moll & d-Moll

Epochenwechsel


Label/Verlag: Hyperion
Detailinformationen zur Platte


Alina Ibragimova spielt Mendelssohns Violinkonzerte mit dem Orchestra of the Age of Enlightenment unter Vladimir Jurowski und erweist sich dabei als Grenzgngerin.

Wie kaum ein anderes Orchester mit historischem Instrumentarium und Originalklanganspruch hat das 1986 gegründete britische Orchestra of the Age of Enlightenment (OAE) den Ambitus seines Repertoires ausgeweitet. Wagen Formationen wie das Freiburger Barockorchester, dessen Namen ebenfalls die Orientierung am 17. und 18. Jahrhundert in sich trägt, mittlerweile auch Ausflüge ins 19. Jahrhundert in Richtung Mendelssohn und Schubert, so legt das OAE dieser Tage gar eine Aufnahme von Gustav Mahlers 'Lieder eines fahrenden Gesellen' sowie der 'Totenfeier' vor – in der Vergangenheit standen dagegen noch barocke Größen wie Georg Friedrich Händel oder Henry Purcell auf dem Programm. Gleichfalls unter der Leitung Vladimir Jurowskis erscheint nun zeitgleich mit dem Mahler-Album eine Einspielung der beiden Violinkonzerte Felix Mendelssohn Bartholdys mit der russischen Geigerin Alina Ibragimova. Die noch junge Ibragimova ist bei Hyperion in der letzten Zeit mit einer ganzen Reihe von CD-Aufnahmen in Erscheinung getreten, die vorwiegend bei der englischen Kritik auf positive Resonanzen gestoßen sind

Klassischer Stil und romantische Individualität

Wie eine Insel zwischen dem d-Moll-Violinkonzert des 13jährigen Mendelssohn und dem späteren, ungleich populäreren Violinkonzert in e-Moll von 1844 hat man auf dieser CD die ebenfalls sehr bekannte Ouvertüre 'Die Hebriden' platziert. Dank der sensiblen und klangfarblich strahlenden Gestaltung der Instrumentengruppen im Verbund unter Vladimir Jurowskis Leitung wird der Einsätzer jedoch nicht wie erwartet zu einem Lückenfüller. Vielmehr verdeutlicht die Interpretation schlagartig, wie stark sich Mendelssohn in diesem Werk von den tradierten Vorgaben in harmonischer, melodischer und vor allem instrumentatorischer Hinsicht entfernt. So transparent und gestaffelt in ihrer tonmalerischen Reichhaltigkeit hat man die Ouvertüre selten gehört. Atmosphärisches Flirren in den Violinen steht beispielsweise in aller Klarheit unmittelbar neben den parallel geführten Fagotten und tiefen Streichern während des zweiten Themenkomplexes.

Die Violinkonzerte

Überhaupt wirkt der Tuttiklang auch in den Konzerten zwar schlank, dabei aber zugleich wuchtig und federnd. Dies betrifft im frühen d-Moll Konzert natürlich alleine die Streicher, deren stimmliche Verschlingungen mit dem Part der Solovioline vorbildlich ausgebreitet werden. Alina Ibragimovas Spiel erweist sich in der Tongebung als äußerst variabel und gewandt. Schon im Kopfsatz des d-Moll-Konzerts zeichnet sich in den rasanten Läufen gegen Ende ab, dass sie auf ihrer Bellosio-Geige von 1775 weder dem Vorbild der historischen Aufführungspraxis noch einer ‚modernen‘ Spieltechnik gänzlich folgt, sondern sich zwischen beidem aufhält. So verwendet sie zwar wenig Vibrato, dies jedoch konstant, non-vibrato spielt sie nur sehr selten. Ihre Phrasierung wirkt zunächst gegenüber romantisierenden Interpretationen deutlich kleinteiliger und leicht abgehackt.

Im 'Andante' des e-Moll-Konzerts aber steht ihr Spiel ganz im Dienst des innigen Cantabile. Ihr Ton klingt in den expressiv aufgeladenen Moment des e-Moll-Violinkonzerts bisweilen breit und beinahe ‚unhistorisch‘, wie etwa in der Hinleitung zur Kadenz im Mittelteil des 'Allegro molto e appassionato'. Im Finale dann aber scheint ihr Vortrag wieder leichtfüßig und schlank. Diese Hybridität ließe sich kritisieren, wäre sie nicht in der Musik selbst angelegt, bewegt sich Mendelssohns Konzert doch auf der Grenze zwischen den Epochen und deutet bereits auf das Pathos der kommenden Virtuosenkonzerte hin, während es auf der anderen Seite teils noch im klassischen Stil verankert ist. In dieser Hinsicht bietet diese Einspielung also einen überaus interessanten Blick auf Mendelssohns Violinkonzerte.

Interpretation:
Klangqualität:
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