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Mittwoch, 16. April 2014

Debussy, Claude - Smtliche Werke fr Klavier

Groartige Gesamtleistung


Label/Verlag: Chandos
Detailinformationen zur Platte


Der Pianist Jean-Efflam Bavouzet legt eine eindrucksvolle Gesamtaufnahme der Soloklavierwerke Claude Debussys in fnf Teilen vor.

Es ist eine Freude, am Ende dieses Jahres noch eine herausragende Edition mit Kompositionen Claude Debussys besprechen zu können – beging man doch 2012 immerhin den 150. Geburtstag des französischen Komponisten, was sich auf dem Plattenmarkt durch eine Vielzahl von Veröffentlichungen, zumeist dem Klaviersektor gewidmet, niedergeschlagen hat. Aus diesen ragt die bei Chandos veröffentlichte Gesamtaufnahme der Solowerke für Klavier durch den französischen Pianisten Jean-Efflam Bavouzet aufgrund ihrer außerordentlichen Qualität besonders hervor. Eine Kartonbox mit fünf CDs, zwischen 2006 und 2010 eingespielt, erwartet den Käufer: Für jede einzelne Platte hat Roger Nichols eine knappe, aber informative Einführung von vier Seiten Umfang verfasst; ihr folgen zusätzliche Anmerkungen Bavouzets, die sich vor allem mit der pianistische Annäherungen an dieses gewichtige Œuvre von Klaviermusik befassen und auch die wohl durchdachte Anordnung der einzelnen Kompositionen innerhalb der Edition in den Blick nehmen.

Die gedankliche Tiefe, die sich hier andeutet – sie hebt sich erfrischend ab von so mancherlei Kommentar aus Interpretenmund, der sonst seinen Weg ins Innere von CD-Booklets findet –, wird durch die Aufnahme selbst bestätigt: Bavouzet strebt bei seiner Wiedergabe einerseits danach, die strukturellen Grundlagen der Musik – etwa die Qualitäten von Intervallen und Akkordverbindungen, die spezifische Konstruktion Debussy’scher Melodielinien oder auch die (oft versteckte) Arbeit mit rhythmischen Impulsen – auszuleuchten und mittels differenzierter Klanggebung zu unterstützen, während er andererseits seinem Vortrag immer wieder eine Art narrative Haltung verleiht. So hat man beispielsweise bei frühen Werken wie der 'Ballade' (1890/1903), bei den Einzelstücken der 'Préludes', bei den übermütigen Miniaturen aus 'Children’s Corner' oder sogar bei den späten 'Études' immer wieder das Gefühl, als Hörer der Erzählung kleiner, brillant vorgetragener Geschichten und Anekdoten beizuwohnen.

Fesselnd ist die Meisterschaft, die Bavouzet in solch unterschiedlichen Kontexten bei der Umsetzung pianistischer Aufgabenstellungen an den Tag legt: So schichtet er die immer wieder auftauchenden polyphonen Überlagerungen – etwa in 'Les sons et les parfums tournent dans l’air du soire' ('Préludes', I, Nr. 4) oder in einzelnen Sätzen der 'Images' – zu transparenten Klanggebilden mit starker Tiefenwirkung. Er streichelt aber auch in 'Des pas sour a neige' ('Préludes', I, Nr. 6) mit einer Mischung aus Behutsamkeit und Intensität die Klänge aus dem Klavier heraus und weiß, wie in 'La Cathédrale engloutie' ('Préludes', I, Nr. 10), die Klangwirkungen durch den Pedalgebrauch einzufärben und abzuschattieren oder – wie im 'Prélude' der 'Suite bergamasque', die Klanggestaltung mit einer an der melodischen Entfaltung orientierten Agogik zu verbinden. Plastisch und klangvoll wirkt Bavouzets Spiel an anderen Stellen aufgrund von präziser, obgleich oftmals doch nur leicht getupfter Artikulation, so bei den ins Herbe gewendeten Habanera-Klängen von 'La puerta del Vino' ('Préludes', II, Nr. 3) oder beim eher zupackenden Zugriff auf humoristische Stücke wie 'General Lavine – excentric –' ('Préludes', II, Nr. 6), in denen er trotz pointierten Spiels nie den Bezug zur Klanggebung verliert.

Dass Bavouzet niemals die intelligente Doppelbödigkeit von Debussys Musik aus den Augen verliert, sondern ihr in den hintergründigen Stücken aus 'Childrens Corner' ebenso seine Reverenz erweist wie beim fast schon szenisch ausgestalteten Serenadenton von 'La sérénade interrompue' ('Préludes', I, Nr. 9), gehört gleichfalls zu seinen unbestreitbaren Stärken. All dies wird untersützt durch die außergewöhnlich gute Klangqualität der gesamten Edition, die sich durch einen ausgeglichenen Klavierklang von großer Präsenz auszeichnet und räumlicher Tiefe. Schön ist auch, dass die Veröffentlichung späte Stücke wie 'Les soirs illuminés par l’ardeur du charbon' (1917) enthält, die noch in so manch anderer Gesamtaufnahme der Werke für Klavier zu zwei Händen fehlen. Und positiv ist schließlich, dass Bavouzet auf der letzten CD drei Ballettmusiken Debussys in den Klavierversionen eingespielt hat, die – gerade beim Vergleich mit den Orchesterfassungen – viel über das Denken des Komponisten in Farben verraten. Wenn man nach alldem noch etwas vermisst, so sind es die vierhändigen Werke an einem oder zwei Klavieren (etwa 'En blanc et noir') in einer vergleichbaren interpretatorischen Qualität – aber man kann ja leider nicht alles haben.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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