> > > Gorecki, Henryk: Sinfonie Nr. 3 op. 36 "Sinfonie der Klagelieder"
Mittwoch, 17. September 2014

Gorecki, Henryk - Sinfonie Nr. 3 op. 36 "Sinfonie der Klagelieder"

Die Anmut der Schwermut


Label/Verlag: Sony Classical
Detailinformationen zur Platte


Die neu erschienene Einspielung von Goreckis Symphonie Nr. 3 durch das Danish National Symphony Orchestra unter John Axelrod hinterlsst einen bleibend dsteren Eindruck - jedoch auf musikalisch hohem Niveau.

Die Symphonie Nr. 3 op. 36 des 1933 geborenen polnischen Komponisten Henryk Gorecki ist nicht gerade das, was man fröhliche Musik nennen kann. Im Gegenteil: Gorecki setzt ihr das Programm der ‚Sorrowful Songs‘ hinzu, eine Stimmung, die den Hörer vom ersten bis zum letzten Ton einnimmt. Gorecki entfacht mystisch-religiöse Klangwelten, die der Komponist zu einem elegischen Klangteppich zusammenführt, lediglich durchbrochen von der glasklar hellen Stimme der Sopranistin Isabel Bayrakdarian.

Die Komposition ist vor allem etwas für Hörer, die sich von der schwermütigen Laune der Musik nicht so stark beeindrucken lassen. Die düstere Stimmung fängt das Danish National Symphony Orchestra auf überzeugende Weise ein. Unter der Leitung von John Axelrod bringt das Orchester genau den richtigen quälenden verschatteten Klang hervor. Gerade im ersten Satz wird dies deutlich: Mit einer gewissen Nervenstärke bleibt das Ensemble unerbittlich der dunklen Stimmung treu. Besondere Arbeit leisten hierbei die tieferen Streichinstrumente, die in besonderer Weise für die dunklen Wolken über der Musik zuständig sind. Glanzpunkt und Hoffnung ist die wie plötzlich aus dem Nichts erscheinende brillante Stimme der Sopranistin Isabel Bayrakdarian. Sie singt ein Klagelied aus den religiösen Lysagora-Liedern aus dem 15. Jahrhundert. Die Sopranistin Bayrakdarian ist vor allem auf dem amerikanischen Kontinent bekannt, jedoch auch einem breiteren Publikum durch ihren Beitrag im Soundtrack zum Film ‚Der Herr der Ringe – Die zwei Türme‘.

Der zweite Satz der Symphonie ist einem Gebet gewidmet, das eine Gefangene im Gestapo-Hauptquartier in Zadopane an eine Wand schrieb; darin wird die Heilige Mutter um Beistand in ihrer grauenvollen Situation angefleht. Die Sopranistin singt sie das Leid der Insassin mit ausgeprägtem Vibrato, begleitet von trostlosen Klangteppichen im Orchester. Auch im dritten Satz bleibt das Orchester den düsteren Klängen treu. Fast ostinat wechseln sich zwei elegische Klangtexturen ab. Zwischendrin erklingt die Stimme der Sopranistin, die in die Rolle einer den verlorenen Sohn beweinenden Mutter schlüpft. Verlust und Verzweiflung explodieren dabei förmlich in der Stimme Bayrakdarians.

Was nimmt der Hörer von dieser Musik mit? Zunächst einmal ist da viel Trauer, Hoffnungslosigkeit und Erschütterung über Verluste und Zerstörung. Doch da ist noch etwas anderes, das durch die Sopranistin in die Musik gebracht wird: der Lichtstrahl, die Anmut, die die Musik Goreckis erhellt und somit erträglich macht. Diese ausgezeichnete Interpretation lenkt den Hörer von der Düsternis der Musik ein wenig ab. Trotz des Dur-Schlusses der Symphonie hinterlässt Gorecki ein dumpfes Gefühl der Ausweglosigkeit mit seiner Komposition.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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