> > > Stlzel, Gottfried Heinrich: Sonate in C-moll
Samstag, 2. August 2014

Stlzel, Gottfried Heinrich - Sonate in C-moll

Elektrisierend


Label/Verlag: Ambitus
Detailinformationen zur Platte


Das Ensemble Neobarock entdeckt Gottfried Heinrich Stlzel

Eins vorweg: Hier liegt keine Jubiläums-CD vor. Das Ensemble Neobarock nimmt sich die Freiheit, an einen im Musikbetrieb meist unterbeleuchteten Barock-Meister zu erinnern, ohne sich an den Anlass eines Geburts- oder Sterbejahres zu klammern. Einen weithin Vergessenen ins rechte Licht zu rücken, ist immer die richtige Zeit, zumal, wenn es sich um einen handelt, der von den Zeitgenossen – darunter auch von einem gewissen Johann Sebastian Bach – hoch geschätzt wurde.

Gottfried Heinrich Stölzel – fünf Jahre jünger als Bach und ein Jahr vor ihm gestorben – ähnelt diesem insofern, als er es verstand, komplexe Satztechniken für unmittelbar eingängige, lebendige Musik fruchtbar zu machen. Stölzel kannte den italienischen Stil aus erster Hand (er besuchte Venedig, Florenz, Rom), war aber auch mit der französischen Kompositionsweise vertraut, wie seine auf dieser CD eingespielte Partie in g-Moll zeigt – der übrigens die Ehre zuteil wurde, von Vater Bach ins Klavierbüchlein für seinen Sohn Wilhelm Friedemann übertragen zu werden, inklusive eines hinzukomponierten Trios für das Menuet.

Die bei dem Label Ambitus erschienene Einspielung mit dem Ensemble Neobarock gibt einen Querschnitt durch Stölzels Kammermusik, der Trio- und Quadrosonaten mit zwei Cembalo-Solo-Werken kombiniert, darunter eine ‚Enharmonische Claviersonate‘, eine Art gelehrter Extravaganz, hier von Fritz Siebert auf einem Cembalo nach Johannes Ruckers mit silbrig-zartem Klang delikat musiziert.

Intensität und Laune

In den übrigen Werken zeichnet sich der Zugriff des Ensembles durch Temperament und hohe Expressivität aus. Wie ein Ausrufezeichen zu Beginn wirkt der Anfang der c-Moll-Triosonate mit der zum Grundklang scharf dissonierenden kleinen Sexte, tranceartig das eröffnende 'Andante' des Quadros in e-Moll mit seiner pulsierenden Bass-Figur. Zugespitzt bis zu der karikaturenhaften Typik der Commedia dell’arte gerät mancher schnelle Satz, zum Beispiel das an zweiter Stelle stehende 'Allegro' der besagten c-Moll-Sonate. Immer wieder fesselt die Intensität und Laune, mit der die beiden Violinen (Volker Möller und Maren Ries) einander mal kontrapunktisch umschlingen, mal sich gegenseitig vor sich hertreiben. Der Basso continuo ist nicht nur Fundament, tritt vereinzelt an musikalisch sinnvollen Stellen gleichsam solistisch hervor. Klangtechnisch ist das hervorragend wiedergegeben. Das Cembalo wird durch präsentes Cellospiel (Ariane Spiegel) unterstützt, das die Basslinie in den Quadrosonaten figurativ auflöst. Ein Extra für Freunde ausgefallener Besetzungen stellt die Sonate in G-Dur dar, wo an die Stelle der zweiten Geige eine Viola (Maren Ries) tritt, die einen ganz eigenen Ton ins klangliche und satztechnische Geflecht des Stückes bringt.

Was die Musiker von Neobarock für Stölzel in den Ring werfen konnten, haben sie geliefert: lebendige, mitunter elektrisierende Darbietungen dieser zweifellos zu Unrecht vergessenen Musik. Keinen Gefallen hat sich das Label mit der eigenartigen Gestaltung des Covers getan; die Kombination von quietschbuntem Rosa mit Ocker möchte wohl aufmüpfig erscheinen, wirkt aber reichlich hausbacken und nicht eben geschmackssicher. Auch im Inneren des Beiheftes wäre weniger an graphischen Gestaltungselementen vielleicht mehr gewesen, doch erfreut ein ausführlicher Beihefttext zu Stölzels Biographie und den eingespielten Stücken.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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