> > > Busoni, Ferruccio: Transkriptionen
Donnerstag, 27. November 2014

Busoni, Ferruccio - Transkriptionen

Spektakulr und tiefgrndig


Label/Verlag: Brilliant classics
Detailinformationen zur Platte


Klanglich nicht perfekt, aber pianistisch umso spektakulrer: Sandro Ivo Bartoli spielt Liszt-Bearbeitungen von Ferruccio Busoni.

Einer beliebten Anekdote zufolge nannte sich jeder Pianist, dem Franz Liszt auch nur die Hand geschüttelt hatte, von da an stolz ‚Liszt-Schüler‘. Einige hundert Musiker genossen auch tatsächlich den Unterricht bei der Klavier-Legende und wurden ihrerseits wieder zu gefragten Lehrern, so dass der Einfluss Liszts bis weit ins 20. Jahrhundert hinein reichte. Doch die Inspiration des rastlos schaffenden Pianisten, Komponisten, Pädagogen und Musikschriftstellers ging über seinen Schülerkreis hinaus: Auch Ferruccio Busoni, dessen Ruf als Klavier-Virtuose demjenigen Liszts kaum nachstand, berief sich pianistisch wie kompositorisch auf den Ungarn. Ein musikalisches Zeugnis hiervon legen Busonis Transkriptionen ab, die der Cherkassky-Schüler Sandro Ivo Bartoli auf vorliegender CD eingespielt hat.

Busoni bearbeite Liszts Werke nicht, um sie zu verbessern. Auch um ein pianistisches Feuerwerk ging es ihm nicht, obwohl beispielsweise die abschließende Fantasia mit Fuge über 'Ad nos, ad salutarem undam' noch ein gutes Stück virtuoser als das Original ist. Nein, Busoni wollte im Geiste seines Vorbildes nachschöpferisch tätig werden, um so zu einer Synthese zu gelangen – zur Verschmelzung seines Klavierstils mit demjenigen Liszts. Manchmal waren dazu nur kleinere Veränderungen notwendig, etwa bei der Mehrzahl der Paganini-Etüden. Bartoli spielt diese sechs Werke mit einem rasanten, fast aggressiv wirkenden Zugriff, die technischen Hürden überwindet er mühelos. Besonders zwingend wirkt die sechste Etüde, 'Tema e variazioni', doch auch die waghalsigen Läufe zu Beginn der 'Tremolo'-Etüde zeigen gleich, aus welch pianistischem Holz Bartoli geschnitzt ist.

Ein wenig gedämpft wird der positive Eindruck aber durch ein nicht optimales Klangbild, das den Flügel etwas hallig und distanziert wirken lässt. Bei den gewaltigen Akkord- und Oktavballungen kommt dieser Effekt deutlicher zum Vorschein als in den meist transparent umgeschriebenen Paganini-Etüden. Bartoli, der das Pedal dezent einsetzt und überhaupt auf größte Klarheit bedacht ist, trägt gewiss keine Schuld an diesen Einschränkungen. Man kann den Klangtechnikern zu Gute halten, dass die gewaltige Meyerbeer-Fantasie pianistisch ‚überkomponiert‘ ist, ein Problem, das man bei Busoni hin und wieder antrifft, beispielsweise in seinem titanischen Klavierkonzert. So ein Werk ist nur sehr schwer zufriedenstellend einzufangen. Dennoch bleiben Defizite hörbar.

Vor allem die drei größeren Stücke am Ende der CD wiegen diese Einschränkungen jedoch auf durch ein technisch wie musikalisch überzeugendes Klavierspiel. Bartoli zaubert die 19. Ungarische Rhapsodie, den ersten Mephisto-Walzer und die Meyerbeer-Fantasie aus der Klaviatur, als hätte Busoni die Originale erleichtert. Doch das Gegenteil ist der Fall: Die Transkriptionen steigern bei diesen drei Stücken den ohnehin schon hohen Schwierigkeitsgrad noch erheblich, so dass viele Pianisten lieber bei der Liszt-Fassung bleiben. Nicht so Bartoli, der vor allem der abschließenden Fantasie eine Klangpracht abgewinnen kann, dass man sich als Hörer anschließend erschöpft in den Sessel fallen lässt: Was ist auf einem Klavier möglich! Vorausgesetzt, es wird von einem echten Könner gespielt, wie es Bartoli ohne Zweifel ist.

Nur Liszt-Puristen, die jede Bearbeitung ablehnen, werden angesichts dieser CD die Nase rümpfen. Für Freunde spektakulären und tiefgründigen Klavierspiels ist Bartolis Auswahl ein echter Leckerbissen, der leider klanglich nicht optimal präsentiert wird. Sehr lesenswert ist zudem der (englische) Beiheft-Text, in dem Bartoli seine Begegnung mit einem Dirigenten schildert, dessen Namen er taktvoll verschweigt. Der Maestro rügt Bartolis Vorliebe für Busoni-Bearbeitungen und wirft dem Pianisten gar vor, an einer ‚Busonitis‘ erkrankt zu sein. Nach Kenntnisnahme dieser Einspielung kann man beruhigt diagnostizieren: Es handelt sich um eine 'Krankheit' mit praktisch ausschließlich positiven Symptomen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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