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Details zu Gade, Niels Wilhelm: Violinkonzert d-Moll op. 56
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Kritik zu DACAPO: Gade, Niels Wilhelm: Violinkonzert d-Moll op. 56

Dänische Violinkonzerte


Dr. Stefan Drees, 02.08.2009

Gade, Niels Wilhelm: Violinkonzert d-Moll op. 56
Label: DACAPO , VÖ: 22.06.2009
Hörbeispiele:
1 - 2 - 3 - 4 - 5 - 6 - 7 -


Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 
Booklet: 





Dass der dänische Komponist Niels W. Gade ein Violinkonzert komponiert hat, dürfte nicht ganz unbekannt sein. Im Konzertsaal oder auf CD erklingt es hingegen eher selten, womit es das Schicksal vieler hochwertiger Werke aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts teilt, die ungerechtfertigt im Schatten allzu häufig gespielter Kompositionen steht. Die Geigerin Christine Åstrand hat Gades Violinkonzert d-Moll op. 56 (1880) nun gemeinsam mit dem Tampere Philharmonic Orchestra unter Leitung von John Storgårds auf einer SACD des Labels Dacapo eingespielt – und es außerdem noch mit zwei weiteren Werken dänischer Provenienz flankiert. Entstanden ist eine sehr schöne Platte mit drei hörenswerten Kompositionen, die wieder einmal verdeutlicht, wie lohnenswert der Blick über die Grenzen unserer Nachbarn sein kann. Dass die Aufnahmen auch interpretatorisch gelungen sind, macht die Angelegenheit umso erfreulicher.

Åstrand, deren Einspielung von Gades drei Violinsonaten mit dem Pianisten Per Salo erst kürzlich auf den Markt gekommen ist, agiert als Solistin vor einem Orchester differenzierter als in ihrer Funktion als Kammermusikerin. Denn hier entfaltet sie jene tonlichen und klanglichen Nuancierungen, die ihrem Duospiel manchmal ein wenig fehlt. Vor allem offenbart sie das Gespür für die großen Atembögen von Gades Musik und führt mit einer wohl dosierten Mischung aus Brillanz und Hang zur Introvertiertheit durch dessen spätromantische, gelegentlich durchaus an Robert Schumann erinnernde Tonwelten, angesiedelt zwischen nobler Strenger und fantasierendem Gestus. Das Orchester mutet zwar gelegentlich ein wenig kompakt an, gibt aber beim Eintritt der Geigerin der Transparenz genug Raum, so dass es nie zu Balanceproblemen kommt. Im Gegenteil: Der Vortrag wirkt genau ausbalanciert, das Klangverhältnis ist ausgeglichen. Åstrand ist dort am überzeugendsten, wo sie sich den schwärmerischen Tonfall – etwa im Finale – zu Eigen macht, ohne indessen die Bodenhaftung zu verlieren. So bewahrt ihre Gade-Lesart immer die Verbindung zum immanenten Dramatik, was die lyrischen Ausbrüche umso wirksamer werden lässt.

Wie hier setzt die Geigerin auch in den beiden anderen Werken, dem Violinkonzert C-Dur op. 69 (1902) von Peter Erasmus Lange-Müller und dem Violinkonzert (1943/44) von Rued Langgaard auf eine gestische Gestaltung, die ganz aus ihrem Gespür für Agogik lebt. Dass dabei im Kopfsatz von Lange-Müllers Werk auch jenes spätromantische Pathos zur Geltung kommt, das Åstrand im Kontext ihrer Gade-Interpretation geflissentlich verweigert – man vergleiche nur den schwärmerischen Tonfall in den Rahmensätzen und den elegische gestimmten Gesang im Mittelsatz –, macht den besonderen Farbwert dieser Komposition aus. Und auch Langgaards einsätziges Violinkonzert wartet mit Überraschungen auf, entspricht es doch vielleicht nicht gerade dem, was sich viele als Zuhörer von einem entsprechenden Werk erwarten und fordert stattdessen aufgrund des hier immer wieder raffiniert eingesetzten Klaviersolos (gespielt von Ville Hautala) von der Solistin andere, nämlich kammermusikalisch geprägte Umgangsweisen mit dem Klang.

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