Drei bedeutsamen Sonaten für Violine und Klavier hat Niels W. Gade (1817–1890), der wohl international bekannteste dänische Komponist des 19. Jahrhunderts, im Laufe von vier Jahrzehnten in sehr unterschiedlichen Phasen seiner stilistischen Entwicklung geschrieben: Die Sonate Nr. 1 A-Dur op. 6 (1842) gibt Aufschluss über Gades jugendliche und überschwängliche Fantasie, die von leidenschaftlichem romantischem Ausdruck geprägte Sonate Nr. 2 d-Moll op. 21 (1849), unmittelbar nach dem Aufenthalt in Leipzig entstanden, zeigt Einflüsse von Felix Mendelssohn Bartholdy und Robert Schumann, die Sonate Nr. 3 B-Dur op. 59 (1885) wiederum steht für Gades Veränderung hin zu einer eher klassizistischer Strenge. Alle drei Kompositionen sind auf dieser bei Dacapo erschienen CD vereinigt, wobei sich die Interpreten interessanterweise für eine nicht-chronologische Anordnung in umgekehrter Reihenfolge entschieden haben und mit dem jüngsten Werk beginnen. Begleitet wird die Einspielung durch einen sehr lesenswerten und instruktiven Booklet-Text von Finn Egeland Hansen, der kenntnisreich in die Kompositionen und deren Entstehung einführt.
Was die beiden Kammermusiker Christina Åstrand (Violine) und Per Salo (Klavier) ansonsten aus der Einspielung gemacht haben, kann sich durchaus hören lassen und weist viele Schönheiten in der Umsetzung auf, könnte allerdings auch in Bezug auf Details wie Akzente, Sforzati und manche dynamische Feinheit noch ein wenig deutlicher herausgearbeitet sein. Grundsätzlich sehr positiv ist allerdings die Zurückhaltung, mit der die Musiker stellenweise agieren und dadurch ein unnötiges Pathos vermeiden: Durch die große Leichtigkeit ihres Vortrags erzeugen sie etwa im Kopfsatz der A-Dur-Sonate einen sehr luftigen Eindruck und so manche zauberhafte Farbgebung, ohne dies jedoch allzu stark in den Mittelpunkt zu rücken. Sehr schön ist auch die Einleitung des langsamen Satzes, die der Pianist mit großer Spannungssteigerung gestaltet, um so auf den gesanglich formulierten Einsatz seiner Partnerin vorzubereiten.
Auch an anderen Stellen gestalten die Interpreten die Musik mit einem hohen Maß an Schlichtheit, beispielsweise im 'Larghetto'-Teil aus dem zweiten Satz der Sonate d-Moll, der sehr wirkungsvoll mit der weitaus stürmischeren ‚Agitato’-Textur kontrastiert, vor allem aber in der Romanze aus der Sonate B-Dur, die eine wunderbare, ungekünstelte Schönheit atmet. Gerade die zuletzt genannten Sätze lassen jedoch manchmal im Hinblick auf die Geigerin auch den Wunsch nach einem feineren Vibrato sowie nach einer insgesamt wandelbareren Tongebung aufkommen. Besonders im Kopfsatz der d-Moll-Sonate macht sich dies auch bei den lang gehaltenen Tönen bemerkbar, die insgesamt abwechslungsreicher modelliert sein könnten, und auch das drängende Moment der Musik verdiente hier ein wenig mehr Beachtung. Dennoch: Die Einspielung bleibt rundum empfehlenswert, weil sie letzten Endes eine sehr überzeugende Lesart der drei so unterschiedlichen Werke bietet. |