Vivaldi, Antonio - Kantaten RV. 660, 664, 678 & 679
Vivaldi aus Norwegen
Label/Verlag: 2 L
Detailinformationen zur Platte
Norwegischer Vivaldi: Kantaten und Konzerte mit der Sopranistin Tone Wik und dem Ensemble ‚Barokkanerne’.
Sich dem vielgestaltigen Werk Antonio Vivaldis zu widmen, bedarf keines äußeren Anlasses. Jedes Jahr ist Vivaldi-Jahr. Und auch wenn skeptische Geister es angesichts der unüberschaubar großen Diskographie des beliebten Italieners kaum glauben mögen – es gibt in jedem neuen Jahr wirklich eindrucksvolle Einspielungen in allen musikalischen Gattungen seines Gesamtwerks.
Eine gemischte Kantaten- und Konzert-Platte haben die Sopranistin Tone Wik und das Instrumentalensemble ‚Barokkanerne’ nun beim Label ‚2L’ vorgelegt. Es ist dies eine norwegische Produktion – skandinavischer Vivaldi gewissermaßen. ‚2L’ vertritt in seiner Labelphilosophie den Anspruch, dass die eigenen Produktionen entweder speziell norwegisches / skandinavisches Repertoire oder den besonderen interpretatorischen Blick auf Standardwerke bieten sollen. Da Vivaldi auch bei wolkigster Deutung kaum seriös als Skandinavier bezeichnet werden kann, muss der Ansatz der vorliegenden Platte demnach zwangsläufig im zweiten Aspekt zu finden sein.
Musiziert werden vier Soprankantaten RV 660, 664, 678 und 679, die teils mit Streicherbegleitung und ansonsten mit Basso continuo besetzt sind. Als kammermusikalische ‚Schwestern’ der Oper verfügen sie über ein gewisses dramatisches Potenzial, zeichnen belebte, variantenreiche Charaktere. Manche lineare Entwicklung deutet zart in vorklassische Gefilde, überraschende harmonische Wendungen würzen die Arien, teils verwobene Entwicklungen vollziehen sich auf engem Raum.
Die beiden gespielten Konzerte für Fagott RV 484 und Blockflöte RV 441 sind in Besetzung und Ausformung ebenso interessante wie typische Beispiele für Vivaldis beliebte und einflussreiche Konzertkunst.
Gelungen
Das schmal besetzte Orchester ‚Barokkanerne’ verrät hier einiges Temperament: Perkussiv werden die klangvollen Ritornelle musiziert, spannungsreich und vital. Aber auch die fein ausbalancierte Begleithaltung steht den exquisiten Instrumentalisten zu Gebot. Es wird aktiv und agil artikuliert und damit zugleich entschlossen interpretiert. Der Fagottist Per Hannisdal und die Flötistin Alexandra Opsahl sind technisch souverän und musizieren ansonsten in schöner Homogenität mit den anderen Instrumentalisten – für die Konzerte Vivaldis durchaus ein Qualitätsmerkmal.
In den Kantaten ist Tone Wik mit klarer, konzentrierter und sehr beweglicher Stimme präsent. Alle – durchaus erheblichen – technischen Herausforderungen werden gemeistert. Die in gemeinsamen Projekten mit Andrew Manze, Andrew Parrott oder Harry Christophers stilistisch geschulte Sängerin fasst die Stücke primär kammermusikalisch auf, was sehr berechtigt und begründet ist. Vielleicht wirkt die Interpretation dennoch gelegentlich zu kontrolliert: Eine Spur mehr von individuellem Temperament könnte die Musik durchwehen. Aber vielleicht liegt gerade in dieser Kühle der oben angedeutete genuin norwegische Ansatz. Es ist jedenfalls eine insgesamt gelungene – im plastischen, klaren und herrlich strukturierten Klangbild sowie beim inhaltlich sowie gestalterisch anspruchsvollen Booklet sogar sehr gute – Aufnahme im Reigen der Vivaldi-Einspielungen.
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Interpretation: Klangqualität: Repertoirewert: Booklet: |
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