> > > Ravel, Maurice: Smtliche Klavierwerke Vol. 2
Samstag, 28. Februar 2015

Ravel, Maurice - Smtliche Klavierwerke Vol. 2

Gelungene Fortsetzung


Label/Verlag: Linn Records
Detailinformationen zur Platte


Artur Pizarro und ?sein? Ravel: Eine vielschichtige Deutung der Klavierkompositionen des franzsischen Meisters.

Vor wenigen Jahren hatte sich der portugiesische Pianist Artur Pizarro mit dem ersten Teil der Gesamtaufnahme der Klavierwerke aus der Feder Maurice Ravels vorgestellt und mit seiner technisch souveränen und ästhetisch durchdachten Interpretation zu überzeugen gewusst. Nun liegt der zweite Teil vor und zeigt zweierlei – die Fortführung des konsequenten Ansatzes auf technisch beeindruckendem Niveau und eine interessante Wendung. Aber dazu später mehr.

Im Zentrum dieser zweiten Platte stehen als größere Zyklen die ‚Valses nobles et sentimentales’ sowie ‚Le Tombeau de Couperin’. Dazu erklingen kürzere, meist einsätzige Miniaturen, nicht selten nach historischen Vorbildern geformt – namentliche Bezüge auf Haydn, Borodin und Chabrier deuten in diese Richtung. Doch liegt hierin eine der von Ravel trickreich gestellten Fallen: Er verbindet sein Schaffen nur scheinbar mit älteren Vorbildern und Modellen, denn eigentlich ist alles ‚nur’ Gegenstand der musikalisch-schöpferischen Kraft Ravels, distanziert sich der Komponist oft ironisch von den formalen und stilistischen Vorlagen oder dekonstruiert sie gar. Denn dass Ravels Musik durchaus jenen kristallinen, kühlen und skeptisch-entfernten Zug hat, den ihr Zeitgenossen des Komponisten kritisch unterstellten, scheint eindeutig. Und das trotz des ästhetischen Weges, den Ravel nach eigenen Aussagen im Lauf der Zeit zurücklegte und der diese klar distanzierte Position in Frage stellte.

Souveräne Auffassung mit interessantem Aspekt

 

Pizarro beweist einmal mehr seine erhebliche Geläufigkeit, lässt die beweglichen Tonketten perlen. Dazu beherrscht er die Sätze agogisch zwingend, zeigt sein teils schäumendes Temperament. Zugleich profiliert er sich als behutsamer, geduldiger Gestalter, der akkordische Entwicklungen fein zeichnet. Diese Differenzen wärmen Ravels Musik spürbar. Doch nicht nur sie.

Denn hervorzuheben ist – damit kommen wir zur oben annoncierten interessanten Wendung – der Einsatz eines Blüthner-Flügels für die vorliegende Aufnahme. Im ersten Teil fand ein Instrument von Steinway Verwendung, das mit Brillanz, Klarheit und einer gewissen Härte den Strukturen der Ravelschen Kompositionen ideal zu entsprechen schien und vor allem in den bewegten Passagen eine bestechende Präzision ermöglichte. Ravel nun mit der wohligen Wärme eines Blüthner zu konfrontieren, ist interessant und kann in der Summe als gelungen bezeichnet werden: Eigentlich befindet sich das gerundete Klangbild des Blüthner-Instruments im Gegensatz zur lichten, kristallinen Struktur der Sätze Ravels. Doch dank der Artikulationskunst Pizarros sind hier keine Einschränkungen wahrnehmbar. Im Gegenteil: Die ausgewogenen Register mildern die Härte und Aggressivität mancher Forte-Passage günstig und verleihen den Kompositionen eine klangsinnliche Komponente jenseits ihrer bekannten Qualitäten.

Pizarro deutet ‚seinen’ Ravel komplex: Konzentriert und impulsiv, beherrscht und temperamentvoll, klangsinnig und hörend, strukturell und emotional erwärmt. Auch diese Wandlungsfähigkeit macht seine Interpretation so interessant.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Weitere CD-Besprechungen zum Label Linn Records:

  • Zur Plattenkritik... Bruckners Zweite als Ensemblemusik: Bruckners Zweite in einer Bearbeitung fr Ensemble: mehr Licht als Schatten. Weiter...
    (Dr. Aron Sayed, 30.09.2014)
  • Zur Plattenkritik... Gren des zweiten Blicks: Groe Komponisten der Tudor-Zeit in einem interessanten Programm, mit einem Schwerpunkt abseits der groen Namen. Das Ensemble Magnificat berzeugt mit feiner Vokalkunst. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, 26.08.2014)
  • Zur Plattenkritik... Feinheiten und Rafinessen: Eine musikalisch sehr gute und in der kammermusikalisch reduzierten Darstellung symphonischer Musik intime und durchsichtige Interpretation von Mahlers Vierter Sinfonie und Debussys 'Prlude l'aprs-midi d'un faune'. Weiter...
    (Dr. Claudia Maria Korsmeier, 04.07.2014)
blättern

Alle Kritiken von Linn Records...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Matthias Lange:

  • Zur Plattenkritik... Klangfreudig: Die Capella Cracoviensis legt eine weitere solistische Deutung der Motetten Johann Sebastian Bachs vor. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, 23.02.2015)
  • Zur Plattenkritik... Intim und inspiriert: Richard Egarr und seine Academy of Ancient Music mit einer sehr eleganten, solistisch besetzten Interpretation der Bachschen Orchestersuiten. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, 20.02.2015)
  • Zur Plattenkritik... Polnische Schmuckstcke: Ein hochinteressantes Programm mit Musik von Marcin Mielczewski, Adam Jerzębski und Mikołaj Zieleński in einer hochklassigen Interpretation durch Manfred Cordes und sein Ensemble Weser-Renaissance. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, 19.02.2015)
blättern

Alle Kritiken von Dr. Matthias Lange...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Plattenkritik... Nahe dran: Murray McLachlan erweist sich als in jeder Hinsicht sattelfester Interpret der Klavierwerke von Ronald Stevenson. Weiter...
    (Dr. Jrgen Schaarwchter, 28.02.2015)
  • Zur Plattenkritik... Melancholie und Dramatik: Tangos von Astor Piazzolla in gelungenen Arrangements fr Violine, Harfe und Bandoneon. Weiter...
    (Yvonne Rohling, 27.02.2015)
  • Zur Plattenkritik... Durchbruch: Jenő Jand fllt ein Vakuum: endlich eine berzeugende Interpretation der Klavierfassung von Haydns 'Sieben letzten Worten'. Weiter...
    (Thomas Gehrig, 27.02.2015)
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

harmonia mundi magazin (2/2015) herunterladen (3800 KByte) NOTE 1 - Mitteilungen (2/2015) herunterladen (2695 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Heinrich Wilhelm Ernst: Streichquartett B-Dur - I. Allegro non troppo con grazia

Radio starten

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

 Carles & Sofia im Portrait "Als Duo muss man Musik in der gleichen Art und Weise denken"
Sofia Cabruja und Carles Lama ber Herausforderungen und Mglichkeiten des vierhndigen Klavierspiels

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich