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Details zu Ravel, Maurice: Sämtliche Klavierwerke Vol. 2
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Kritik zu Linn Records: Ravel, Maurice: Sämtliche Klavierwerke Vol. 2

Gelungene Fortsetzung


Dr. Matthias Lange, 13.11.2008


Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 
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Vor wenigen Jahren hatte sich der portugiesische Pianist Artur Pizarro mit dem ersten Teil der Gesamtaufnahme der Klavierwerke aus der Feder Maurice Ravels vorgestellt und mit seiner technisch souveränen und ästhetisch durchdachten Interpretation zu überzeugen gewusst. Nun liegt der zweite Teil vor und zeigt zweierlei – die Fortführung des konsequenten Ansatzes auf technisch beeindruckendem Niveau und eine interessante Wendung. Aber dazu später mehr.

Im Zentrum dieser zweiten Platte stehen als größere Zyklen die ‚Valses nobles et sentimentales’ sowie ‚Le Tombeau de Couperin’. Dazu erklingen kürzere, meist einsätzige Miniaturen, nicht selten nach historischen Vorbildern geformt – namentliche Bezüge auf Haydn, Borodin und Chabrier deuten in diese Richtung. Doch liegt hierin eine der von Ravel trickreich gestellten Fallen: Er verbindet sein Schaffen nur scheinbar mit älteren Vorbildern und Modellen, denn eigentlich ist alles ‚nur’ Gegenstand der musikalisch-schöpferischen Kraft Ravels, distanziert sich der Komponist oft ironisch von den formalen und stilistischen Vorlagen oder dekonstruiert sie gar. Denn dass Ravels Musik durchaus jenen kristallinen, kühlen und skeptisch-entfernten Zug hat, den ihr Zeitgenossen des Komponisten kritisch unterstellten, scheint eindeutig. Und das trotz des ästhetischen Weges, den Ravel nach eigenen Aussagen im Lauf der Zeit zurücklegte und der diese klar distanzierte Position in Frage stellte.

Souveräne Auffassung mit interessantem Aspekt

 

Pizarro beweist einmal mehr seine erhebliche Geläufigkeit, lässt die beweglichen Tonketten perlen. Dazu beherrscht er die Sätze agogisch zwingend, zeigt sein teils schäumendes Temperament. Zugleich profiliert er sich als behutsamer, geduldiger Gestalter, der akkordische Entwicklungen fein zeichnet. Diese Differenzen wärmen Ravels Musik spürbar. Doch nicht nur sie.

Denn hervorzuheben ist – damit kommen wir zur oben annoncierten interessanten Wendung – der Einsatz eines Blüthner-Flügels für die vorliegende Aufnahme. Im ersten Teil fand ein Instrument von Steinway Verwendung, das mit Brillanz, Klarheit und einer gewissen Härte den Strukturen der Ravelschen Kompositionen ideal zu entsprechen schien und vor allem in den bewegten Passagen eine bestechende Präzision ermöglichte. Ravel nun mit der wohligen Wärme eines Blüthner zu konfrontieren, ist interessant und kann in der Summe als gelungen bezeichnet werden: Eigentlich befindet sich das gerundete Klangbild des Blüthner-Instruments im Gegensatz zur lichten, kristallinen Struktur der Sätze Ravels. Doch dank der Artikulationskunst Pizarros sind hier keine Einschränkungen wahrnehmbar. Im Gegenteil: Die ausgewogenen Register mildern die Härte und Aggressivität mancher Forte-Passage günstig und verleihen den Kompositionen eine klangsinnliche Komponente jenseits ihrer bekannten Qualitäten.

Pizarro deutet ‚seinen’ Ravel komplex: Konzentriert und impulsiv, beherrscht und temperamentvoll, klangsinnig und hörend, strukturell und emotional erwärmt. Auch diese Wandlungsfähigkeit macht seine Interpretation so interessant.

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