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Details zu Mendelssohn - Bartholdy, Felix: Sämtliche Werke für Cello und Klavier
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Kritik zu Passacaille: Mendelssohn - Bartholdy, Felix: Sämtliche Werke für Cello und Klavier

Kernig kühle Romantik


Tobias Roth, 29.09.2008

Mendelssohn - Bartholdy, Felix: Sämtliche Werke für Cello und Klavier
Label: Passacaille , VÖ: 01.09.2008
Hörbeispiele:
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Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 
Booklet: 





Der Cellist Sergei Istomin ist, mit den vorsichtigen Versuchen gesprochen, in denen solche Einordnungen Stich halten, der Riege der historisch-informierten Praktiker zuzuordnen. Dem Selbstverständnis nach, das etwa auf seiner Homepage zum Ausdruck kommt, spielt er zwei Instrumente, nämlich Cello und Viola da Gamba. Mit beiden ist er seit längerem erfolgreich auf den bedeutenden Brettern dieser Welt, die die Welt bedeuten, zu hören. Seine Diskographie weist eine tiefe Affinität zur Bach-Familie auf: und obwohl das ‘nur’ eine Familie ist, kann das doch fast gleichbedeutend mit weitgespannten musikalischen Interessen und Entdeckerfreude stehen.

Mit der Pianistin Viviana Sofronitsky hat er auf seiner neuen CD einen Zeitsprung nach vorne, in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts, gewagt, und sämtliche Kompositionen eingespielt, die Felix Mendelssohn für Cello und Klavier hinterlassen hat: drei Einzelstücke und zwei Sonaten, die über Mendelssohns kurzes Leben verstreut entstanden sind. Zwar sah der Komponist bei diesen Werken den Akzent auf dem Klavier noch stärker, als wir ihn heute wahrnehmen und etwa in der Reihenfolge der Instrumente im Titel zum Ausdruck bringen. Aber auch wenn Mendelssohn für ‘Pianoforte und Violoncello’, und nicht umgekehrt, komponierte, so ist doch seine Affinität zum Cello nicht zu unterschätzen: sein Bruder Paul war beispielsweise Cellist. Auch ist eine ‘Romance sans parole, op.109’ überliefert, die zwei Jahre vor dem Tod des Komponisten geschrieben wurde: es ist das einzige der wortlosen Lieder, das für ein anderes Instrument als nur das Klavier geschrieben ist.

Istomin pflegt einen sehr drahtigen, rauhen und kühlen, fast näselnder Ton. Im ‘Lied ohne Worte’ ist dabei zwar noch die Zartheit der Komposition unantastbar, aber gerade in den Sonaten entwickelt sich ein forscher, geradliniger Gang durch diese Musik. Das, und der metallische Klang des Instrumentes von Leopold Wildham (1722-1776) verhüten ein Pathos des Allzuwarmen. Das Andante der Sonate Nr.1, in B-Dur wie auch die zweite, gerät so zu einem aufmerksam tastenden, spannungsgeladenen Stück, das nie in eine übermäßig lieblich-melancholische Interpretation von ‘Romantik’ übergeht. Manchmal aber, vornehmlich in raschen oder tremolierenden Passagen, schlägt Istomins Spiel um, wird leicht verwaschen und rauchig, wie z.B. im großen, breit eröffnenden Allegro assai vivace der Sonate Nr.2. Hier, wie auch im letzten Satz, scheint das Cello klanglich dem voluminösen Klavier in aufbrausenden Momenten unterlegen. Gerade aber mit diesem voluminösen Klavier verbinden sich die von Mendelssohn oft komponierten unteren und untersten Register des Cellos vorzüglich, wenn Istomin und Sofronitsky unisono geführt werden. Der Klavierpart ist überhaupt rundheraus zu loben. Klangvoll, in all den schönen und weiten Bedeutungen des Adjektivs, beschreibt wohl mit einem Wort Sofronitskys Spiel. Ihr Instrument, der Nachbau eines Instruments aus dem Jahre 1819, stellt ihr dabei eine breite Farbpalette zur Verfügung, die sie ausschöpft.

Neben den Sonaten sind aber v.a. die ‘Variations concertantes, op.17’ hervorzuheben, ein Werk, das der zwanzigjährige Mendelssohn 1829 in London uraufführte. Sie waren zugleich die erste Publikation, mit der Mendelssohn außerhalb Deutschlands auftrat. Das sanfte, wunderbar schlicht vorgetragene Andante-Thema wird im Verlaufe dieses Stückes zu teils beängstigenden Rasereien getrieben, die aber durchweg überwältigen und überzeugen können. Mit rhythmischem Zug und pointiert akzentuierter Gliederung verbindet das Duo Variation um Variation, und wahrt ein wunderbares, enges Wechselspiel: bei allen plötzlichen Ausbrüchen und virtuosen Verzahnungen. In diesem Höhepunkt der CD verbinden sich alle bisher genannten Qualitäten dieser Einspielung: zu einer gelungenen, runden Interpretation auf einer rundweg hörenswerten CD.

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