Über einen langen Zeitraum hinweg ist Giuseppe Tartini schlichtweg der Komponist der ‚Teufelstriller-Sonate’ gewesen. Obgleich sonst kaum ein anderes Werk des Italieners seinen Weg auf die Konzertpodien gefunden hat: Die berüchtigte Sonate mit dem schwierigen Finalsatz durfte im Repertoire berühmter Geiger nicht fehlen, auch wenn sie dann doch häufig zum Virtuosenschmankerl verkam (was sicherlich auch der unnötigen Bearbeitung von Fritz Kreisler geschuldet war). Seit sich die historisch informierte Aufführungspraxis den Kompositionen Tartinis angenommen hat, sind jedoch etliche von solchen Manieren bereinigte Einspielungen mit der berühmten Sonata g-Moll op. 1 Nr. 4 erschienen. Die Palladians – vormals bekannt als Palladian Ensemble – ergänzen diesen Bestand nun bei Linn Records um eine neue SACD: Dazu hat das britische Ensemble mit Rodolfo Richter (Violine), Susanne Heinrich (Viola da gamba), Silas Standage (Cembalo) und William Carter (Erzlaute und Barockgitarre) neben dem original als ‚Trillo di Diavolo’ betitelten Werk auch die Sonata g-Moll op. 1 Nr. 10, überschrieben mit ‚Didone abbandonata’, sowie die ‚Sonata pastorale’ A-Dur op. 1 Nr. 13 ausgewählt.
Prinzipiell ist die Aufnahme sehr gut. Insbesondere Richter liefert in technischer Hinsicht eine eindrucksvolle Vorstellung, musiziert geschmeidig und höchst abwechslungsreich und nutzt die Bandbreite der verschiedenen Klangerzeugungsmöglichkeiten voll aus: In der ‚Teufelstriller-Sonate’ lässt er sein Instrument mal verstörend scharf, mal weich und betörend klingen, mal färbt er in ‚Didone abbandonata’ sein instrumentales Sprechen mit klagendem, leidendem und zärtlichem Tonfall ein. Diesen Umschwüngen steht ein abwechslungsreicher Vortrag des Continuoparts gegenüber, der jedoch dadurch an Wirkung einbüßt, dass die Balance des Ensembles bei mancher Fortepassage ein wenig zur Betonung der Bassregion oder im einleitenden ‚Larghetto affettuoso’ von op. 1 Nr. 4 gar zum übermäßigen Dröhnen neigt. Die Steigerungen des Affekts sind allerdings bewundernswert, die enorme dynamische Bandbreite verleiht gerade der ‚Trillo di Diavolo’-Sonate eine dramatische Intensität, die zudem durch ein fast rücksichtloses Ausmusizieren dissonanter Vorhaltsbildungen unterstrichen wird. Der mit stockendem Beginn vorgetragene zweite Satz fasziniert zunächst, zeigt dann aber auch, dass das Klangergebnis unter der halligen Akustik des Aufnahmeortes leidet, denn die Zeichnung der Violinstimme verliert an Deutlichkeit, während Harmonieinstrumente und Bass übermäßig deutlich wahrnehmbar sind.
Die sehr ausdrucksvoll musizierte und sorgfältig auf ihren emotionalen Gehalt hin abgetastete ‚Didone’-Sonate erscheint dagegen – vor allem im ersten Satz – wesentlich klarer, offenbart aber im ‚Presto’ gleichfalls ein allzu starkes Hervortreten der Harmonie tragenden Instrumente. Solche Probleme mit der instrumentalen Balance treten in der ‚Sonata pastorale’ nicht auf, so dass die eigenartig entspannte Stimmung dieses Werkes, resultierend aus der volkstümlich anmutenden und originell umgesetzten instrumentalen Koloristik, sehr gut zum Tragen kommt. Mit drei weiteren Beiträgen lockern die Palladians ihre Auswahl aus dem Fundus der bekannteren Werke Tartinis ein wenig auf: Einerseits integrieren sie mit der in ihrer Virtuosität packend dargebotenen Sonata A-Dur op. 1 Nr. 7 von Francesco Maria Veracini ein Beispiel für einen auch heute noch eher selten gespielten Barockkomponisten und dessen anspruchsvolle Sonatenkunst; andererseits demonstrieren sie anhand zweier Einzelsätze Tartinis, die hier auf ungewöhnliche Weise interpretiert werden, den melodischen Erfindungsreichtum des Komponisten, umrahmen die ‚Sonata pastorale’ mit dem allein mit Violine und Gambe vorgetragenen ‚Largo’ aus der Sonata E-Dur op. 1 Nr. 5 und dem Grave aus dem Gamben-Concerto d-Moll, das lediglich von Heinrich und Carter gestaltet wird. |