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Details zu Messiaen, Olivier: Quatuor pour la fin du Temps
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Kritik zu Linn Records: Messiaen, Olivier: Quatuor pour la fin du Temps

Der Ruf der Grasmücke


Miquel Cabruja, 05.08.2008


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Nach jüngsten Forschungen der amerikanischen Musikwissenschaftlerin Rebecca Rischin schrieb Messiaen das ‘Quatuor pour la fin du Temps’ unter weitaus dramatischeren Bedingungen, als bisher bekannt. Als Kriegsgefangener 1940 nahe Görlitz inhaftiert, wurde der Komponist von ‘farbigen Träume’ heimgesucht – Visionen, die auf mangelhafte Ernährung und die miserablen Lebensbedingungen im Lager zurückzuführen waren. Es waren diese Eingebungen, die Messiaen zu seinem Quartett inspirierten. Der Hauptmann des Lagers, Karl Albert Brüll – ein Kunstfreund, der auch vielen Juden im Lager das Leben rettete – besorgte Papier, Tinte und einen Arbeitsraum, so dass der Komponist arbeiten konnte. Am 15. Januar 1941 fand die Uraufführung statt. Die Musiker waren Messiaen und drei Häftlinge. Deutsche Offiziere und ca. 5.000 Kriegsgefangene waren das Publikum. Die ungewöhnliche Instrumentierung mit Klavier, Cello, Violine und Klarinette ergab sich aus den im Lager verfügbaren Musikinstrumenten.

Offenbarung der Herrlichkeit Gottes

Unter der Vielzahl von Einspielungen anlässlich des 100. Geburtstags von Olivier Messiaen überzeugt die Aufnahme des Hebrides Ensembles durch eine kluge Wahl aus dem kammermusikalischen Oeuvre Messiaens. Das ‘Quatuor pour la fin du Temps’ deuten sie dramatischer und temporeicher, als andere Formationen, die das Werk vor allem als realitätsentrückte Meditation lesen. Das Ensemble lenkt den Blick auf die Herkunft des Stückes aus Krieg und Mangel, nagelt den Zuhörer aber nicht darauf fest. Schließlich hat Messiaen selbst immer wieder betont, dass sein Quartett nicht die Bedrängnisse der Endzeit schildert. Vielmehr beschreibt es angelehnt an die Verse des 10. Kapitels der Apokalypse des Johannes: »…es wird keine Zeit mehr bleiben«, den Anbruch der Ewigkeit als Offenbarung der Herrlichkeit Gottes. Dieser Dimension gibt das Ensemble Raum und jedem der acht Sätze ein eigenes Kolorit. In der ‘Liturgie de cristal’ beschwören die Musiker das Erwachen der Vögel mit einer Transparenz, die geradezu gewaltsam vom Beginn des zweiten Satzes ‘Vocalise, pour l’Ange qui annonce la fin du Temps’ hinweggefegt wird. Nicht nur im Tanz für die Posaunen werden Dynamik und Kontraste des Quartetts bis aufs Äußerste getrieben; und dennoch bleibt das Zusammenspiel der Musiker stets präzise, der Zusammenklang kultiviert.

 

Lebendig und ausgewogen

 ‘Le Merle noir’ für Flöte und Klavier – schon der Titel des Stückes verrät Messiaens Vorliebe für den Gesang der Vögel, der sich wie auch in ‘Pièce pour piano et quatuor à cordes’ durch sein gesamtes Spätwerk zieht. Beide Stücke gestalten die Hebrides mit Akribie und besonderer Leidenschaft. Selten hat man den Ruf der Grasmücke (Pièce pour piano...) so plastisch gehört wie in dieser Aufnahme. Leidenschaftlich gelingt auch ‘Thème et Variations’, ein Werk für Klavier und Violine, das Messiaen als Hochzeitsgeschenk für seine Frau schrieb. Unter der künstlerischen Leitung des Cellisten William Conway beweisen die Musiker Flexibilität und große Vorstellungskraft angesichts der Vielfalt an Ausdrucksformen, die Messiaen im Laufe seiner Karriere entwickelte.

Bis 2007 verschollen

Besondere Aufmerksamkeit verdient die Ersteinspielung des bis 2007 verschollen geglaubten Werkes ‘Fantaisie’, das Messiaen als Konzertliteratur für sich und seine Frau schrieb. Das Stück, in dem sich die jubelnde Geige fast ekstatisch über das Klavier erhebt, steht beispielhaft für die frühe Schaffensperiode des Komponisten und erinnert an die Klangsprache von Johannes Brahms.
Mit geschärftem Sinn für die lineare Melodik und die sensible Harmonik legt das Hebrides Ensemble mit dieser Ersteinspielung eine reife Interpretation vor. Schon ihretwegen werden Messiaen-Fans zu dieser SACD greifen.

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