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Details zu Bach, Johann Sebastian: Matthäus-Passion BWV 244
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Kritik zu Linn Records: Bach, Johann Sebastian: Matthäus-Passion BWV 244

Schottischer Bach


Dr. Matthias Lange, 17.04.2008

Bach, Johann Sebastian: Matthäus-Passion BWV 244
Label: Linn Records , VÖ: 22.02.2008
Hörbeispiele:
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Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 
Booklet: 





Die Diskussion um die vermeintlich ‚richtige’ Art der Aufführung ist in Bezug auf die Werke Johann Sebastian Bachs weitgehend der Einsicht gewichen, dass sehr verschiedene Herangehensweisen ihre Berechtigung haben: Die nach wie vor vielerorts geübte, romantisch begründete Praxis mit großem Chor und Orchester ebenso wie die nun schon vor mehreren Jahrzehnten von Joshua Rifkin angestoßene Diskussion um eine schmale, womöglich konsequent solistische Besetzung der Vokalstimmen in den Chören der Kantaten und Passionen – etliche inzwischen diskographisch reich dokumentierte Mischformen mit kleinen Ensembles eingeschlossen.

Mit der vorliegenden Aufnahme präsentiert sich das in Glasgow gegründete und ansässige Dunedin Consort mit seinem künstlerischen Leiter John Butt nach einer bei den Midem Awards des Jahres 2008 preisgekrönten Aufnahme des Händelschen Messias mit einem weiteren Großwerk des Barock. Zunächst: Butt besetzt alle Vokalstimmen solistisch und kommt zu klanglich überzeugenden Ergebnissen. Geschmeidigkeit zeichnet die Chorsätze aus, feine Schattierungen werden überzeugend herausgearbeitet. Dabei scheinen die Tempi zunächst gelegentlich zu langsam gewählt, um die innere dramatische Spannung zwischen erzählenden Rezitativen und reflektierenden Arien aufzubauen und zu halten. Doch besonders im zweiten Teil des Werkes gewinnt die dramaturgische Durchdringung an Intensität und wird zu einem wichtigen Merkmal der Interpretation.

Sehr gutes Potenzial

 

Wesentlich getragen wird jede Aufführung einer der Passionen Bachs vom Evangelisten: Hier ist es Nicholas Mulroy, der beweglich, klar, intonationsstark, mit einer sicheren und unangestrengten Höhe agiert und sich als potenter und entschiedener Gestalter präsentiert – durchaus mit erheblicher Emotionalität agierend. Die Gestaltung der Jesus-Partie durch Matthew Brook beinhaltet zunächst alles, was erwartet werden kann: Baritonale Wärme, ausgeglichene Register, präsente Tiefe, eine aktive Aussprache, intensive Gestaltung, gute Interaktion mit dem Evangelisten und den weiteren vokalen Akteuren. Brook hat sicher keine sehr bewegliche und technisch stabile Stimme, weshalb er in der diesbezüglich eigentlich nicht sehr anspruchsvollen Partie zum Anschleifen der Töne neigt – das ist leider nicht unüblich, aber trotzdem inadäquat.

Das solistische Niveau ist insgesamt gleichwohl sehr gut, was sich besetzungsbedingt positiv auf die chorischen Partien auswirkt: Turba-Chöre und Choräle werden klanglich dicht gestaltet und sind keineswegs ‚unterbelichtet’. Etwas gewöhnungsbedürftig ist es allerdings, den Evangelisten und Jesus – konsequenterweise – als Teil des ersten Chores zu hören.

Instrumental wird das Bild von einer sehr aktiven und differenzierten Artikulation geprägt. Auch die entspannte, gleichwohl konzentrierte Begleithaltung bei den Jesus-Rezitativen ist geglückt. Schließlich sind die großen obligaten Soli bei den zentralen Arien mit Eleganz und Delikatesse gespielt.

John Butt folgt mit dieser Aufnahme der letzten, vermutlich 1742 von Bach in Leipzig geleiteten Aufführung des Werkes, einschließlich kleinerer ‚Besetzungsspezialitäten’ – so erklingt im Continuo des zweiten Chores ein Cembalo an Stelle einer Orgel.

Dennoch überzeugt diese Aufnahme nicht wegen dieser Details, sondern als geschlossene Interpretation auf sehr hohem Niveau.

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