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Details zu Mozart, Wolfgang Amadeus: Sinfonie Nr. 8 D-Dur KV. 48
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Kritik zu Hänssler CLASSIC: Mozart, Wolfgang Amadeus: Sinfonie Nr. 8 D-Dur KV. 48

Historisches Flair und freche Spritzigkeit


Tobias Pfleger, 16.06.2008

Mozart, Wolfgang Amadeus: Sinfonie Nr. 8 D-Dur KV. 48
Label: Hänssler CLASSIC , VÖ: 15.02.2008
Hörbeispiele:
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Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 
Booklet: 





Nun liegt die dritte Folge der auf sechs Teile angelegten Reihe der ‘Essential Symphonies’ Wolfgang Amadé Mozarts vor, veröffentlicht vom Hause Hänssler Classic in Zusammenarbeit mit dem SWR. Aufgenommen beim Europäischen Musikfest Stuttgart im Mozart-Jahr 2006, bietet diese Reihe eine zweifellos reizvolle Zusammenstellung mozartscher Sinfonien. Interessant vor allem auch deswegen, weil auf jeder Platte drei Sinfonien verschiedener Entstehungsphasen kombiniert sind: eine frühe, eine mittlere und eine späte, um es ganz grob zu umreißen.

Anders jedoch als für die Sinfonien der 1770er und frühen 1780er Jahre, bei denen sich Norrington und sein Orchester an den historischen Besetzungsgrößen der jeweiligen Uraufführung orientieren, lässt Sir Roger die bekannten Schlachtrösser unter Mozarts Sinfonien vom großen Sinfonieorchester spielen; allerdings mit verdoppeltem Holz, um die ursprünglichen Kräfteverhältnisse auch im Großen abbilden zu können – dabei jedoch nicht an konkreten historischen Vorbildern orientiert, sondern als experimenteller Zugang der sprühenden Neugier des Dirigenten – freilich unter dem Signum einer historisch informierten Annäherung – verpflichtet. Dass hierbei historisch fundierte Aufführungselemente mit einigen Prämissen moderner Interpretationskultur vermischt werden, ohne dies ausdrücklich zu kennzeichnen oder klar zu benennen, gilt für das gesamte Sinfonie-Projekt Roger Norringtons. Durch einige aufführungspraktische Maßnahmen wird historisches Flair erschaffen; ein Flair aber, das einer Hinterfragung des Interpretationskonzepts im Gesamten nicht ganz standhält.

Das ist etwas ärgerlich, wo doch die musikalischen Ergebnisse auch ohne den Fingerzeig auf historischer Fundierungen durchaus überzeugen können, mehr als die der ersten beiden Veröffentlichungen aus der Reihe der ‘Essential Symphonies’. Würde Sir Roger die Grundlage seines Zugangs nicht ganz so stark in der historisch informierten Ausrichtung lokalisieren, sondern in seiner eigenen – künstlerisch überzeugenden und zu attraktiven Ergebnissen führenden – Experimentierlust, könnten diese Live-Aufnahmen in ihrer Gesamterscheinung noch mehr für sich einnehmen.

Spritzig, frech und mit dramatischem Impetus

Die dritte Folge bietet eine Zusammenstellung dreier in ihrem Ausdrucksspektrum höchst unterschiedlicher Sinfonien. Den Anfang macht die D-Dur-Sinfonie Nr. 8 KV 48 aus dem Jahr 1768, gefolgt von der ‘Posthorn’-Sinfonie D-Dur KV 320 aus dem Jahr 1779. Den Abschluss bildet die g-Moll-Sinfonie KV 550 in einer sehr anregenden, durchaus Kontroversen herausfordernden Interpretation.

Das auf kammermusikalische Größe reduzierte Radio-Sinfonieorchester Stuttgart lässt der Eingangssinfonie jenes Maß an Kontrasten und wirkungsvollen Überraschungsmomenten angedeihen, das der recht flächig angelegte Komposition zu sprühendem Feuer verhilft. Stellenweise mag man sich eher an deftige Späße und feinsinnigen Humor Haydns erinnert fühlen, etwa in plötzlichen dynamischen Umbrüchen oder dem mit einem Augenzwinkern im Piano verklingenden Finale-Schluss. Das vom Cembalo-Continuo unterstützte Orchester agiert dabei mit einer heiteren Spiellust, durchwegs flotten Tempi und einer sehr klaren, subtil gestalteten Phrasierung bzw. Artikulation. Dabei scheint sich Norrington nicht an der modischen Überbietung in noch schrofferen Akzenten, noch extremeren Kontrasten oder noch knalligerer Tongebung zu beteiligen. Federnd leicht, beschwingt und stellenweise geradezu elektrisierend wird hier musiziert, dabei durchweg auf hohem spieltechnischem Niveau. Mag man auch vielleicht das durchpulsierende Cembalo im ersten Satz nach einiger Zeit etwas dröge finden; zusammen mit dem gut gelaunten, von heiterem Esprit durchtränkten Musizieren voller dynamischer Schattierungen ergibt sich eine Atmosphäre ansteckender Ausgelassenheit – durchaus passend zu dieser Jugendsinfonie. Das gilt nicht minder für die D-Dur-Sinfonie KV 320 nach der ‘Posthornserenade’, deren Adagio-Einleitung von den Streichern sehr fein phrasiert wird. Die Orientierung an rhetorischen Gesten bedeutet hier nicht nur Kleinteiligkeit, sondern auch die subtile Gestaltung von Spannung und Entspannung. Mag sein, dass Norrington im ‘Andantino’ nicht jene Tiefe erzielt, die andere Dirigenten in diesem Satz fanden; dass sich melodische Gesten nahtlos verketten, und eine interpretatorische Arbeit im Detail stattfindet (die man nach nur einer Durchspielprobe für kaum möglich hält), steht für die Qualität und die Vertrautheit mit stilistischen Kernelementen klassischer Aufführungspraxis (oder zumindest was wir heute dafür halten) dieses Ensembles ein.

Zu wirklicher Größe läuft das Radio-Sinfonieorchester Stuttgart in der von hohem dramatischem Impetus durchdrungenen g-Moll-Sinfonie KV 550 auf. Fern aller dröhnenden Klobigkeit entfalten Norrington und sein Orchester hier eine Klangwelt, die dem Ausdrucksspektrum dieses grandiosen Werkes ganz neue Facetten zu verleihen vermag. Durch die Verdopplung der Holzbläser erhalten diese ein Gewicht, das zuweilen ganze Satzverläufe in ihrer Atmosphäre kippen lassen. Was sonst von den melodischen Figuren der Streicher beherrscht scheint, bekommt durch präsentes Holz und klanglich vorgezogene Hörner hier eine dunkle Färbung, dabei fast frühromantische Stimmungswelten evozierend. Auch manch Gegeneinander von weit gezogener Streichermelodie und kleingliedriger Bläserfiguration erhält durch die Stärkung der Letzteren eine neue Tönung. Neben diesen aufregenden Schattierungen ist es auch das Alternieren von Tutti und zurückgenommener Besetzung in den Piano-Passagen, die hier für hohe Kontraste einstehen; eine Idee des Dirigenten, die durchaus wirkungsvolle Ergebnisse zeitigt. Norrington muss hier nicht den Sinfoniesatz als im Tempo stark divergierende Opernszene auffassen, um in der g-Moll-Sinfonie neue dramatische Tiefen auszuloten.

Diese Lesart mit zuweilen recht scharfen Klangqualitäten wird bestimmt nicht jedermanns Geschmack sein. Aber wie so oft stellt Roger Norrington hier eine Interpretation zur Debatte, die zur Auseinandersetzung mit ihr herausfordert. Dass Norringtons ‘Essential Symphonies’-Projekt zusammen mit dem Radio-Sinfonieorchester Stuttgart sicherlich zu den interessanteren Beiträgen des Mozart-Jahr 2006 zählen durfte, wird durch diese Einspielung bestätigt.

Vom Autor zu dieser Rezension empfohlene Plattenbesprechungen:
Zur Plattenkritik... Duft des Historischen (24.02.2008) :
Norrington hat mal wieder ein Kuckucksei gelegt. Auf den ersten Blick sieht es gut aus, was er für das Europäische Musikfest Stuttgart 2006 ausgeheckt hat, auf den zweiten stellen sich Fragen, die seinem Konzept des historischen Dufts den Boden entzieht. Weiter...
Zur Plattenkritik... Aufführung statt Interpretation (24.02.2008) :
Norrington hat mal wieder ein Kuckucksei gelegt. Auf den ersten Blick sieht es gut aus, was er für das Europäische Musikfest Stuttgart 2006 ausgeheckt hat, auf den zweiten stellen sich Fragen, die seinem Konzept des historischen Dufts den Boden entzieht. Weiter...
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