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Details zu Telemann, Georg Philipp: Pariser Flötenquartette
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Kritik zu Brilliant classics: Telemann, Georg Philipp: Pariser Flötenquartette

Telemann Reloaded


Dr. Stefan Drees, 05.05.2008


Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 
Booklet: 




Diese Aufnahme ist besonders empfehlenswert.


Wenn es um anspruchsvolle und musikalisch gelungene Neuaufnahmen im Bereich des Niedrigpreissektors geht, hat das Label Brilliant Classics inzwischen schon längst dem Konkurrenten Naxos den Rang abgelaufen. Nicht nur, dass die Produktionen von Brilliant Classics klanglich weit hochwertiger sind, sie können sich auch mit einer ganzen Reihe erstklassiger Musiker zieren und schicken sich nicht selten an, ältere Aufnahmen mit Repertoirecharakter zu entthronen. Im vorliegenden Falle hat mich das Ensemble Musica ad Rhenum mit Jed Wentz (Flauto traverso), Igor Ruhadze (Violine), Cassandra L. Luckhardt (Viola da gamba), Job ter Haar (Violoncello) und Michael Borgstede (Cembalo) gerade in dieser Hinsicht zum Staunen gebracht. Denn die Musiker legen auf drei CDs eine Aufnahme von Georg Philipp Telemanns ‚Six quatuors à violon, flute viole ou violoncello et basse continue’ und ‚Nouveaux quatuors en six suites à une flûte traversière, un violon, une basse de viole ou violoncel et basse continue’ vor, die ein völlig neues Bild dieser so genannten ‚Pariser Quartette’ vermitteln.

Dass ich die Werke bislang nie so spannend, differenziert und mitreißend musiziert gehört habe, liegt ganz offensichtlich an dem überlegten interpretatorischen Konzept der Musiker, die den Kriterien der historisch-orientierten Aufführungspraxis eine durchaus eigenständige Akzentuierung verleihen. Bemerkenswert sind vor allem die rascheren Tempi, die teils sehr deutlich von der üblichen Tempogestaltung abweichen, weil sie sich an französischen Quellen orientieren und damit die geografisch lokalisierbare Zielgruppe der Kompositionen und deren Musiziertraditionen fokussieren. Dies hat zur Folge, dass die Virtuosität der Musik weit deutlicher in den Vordergrund rückt als bei anderen Einspielungen; doch setzen die Musiker zugleich auch die Freiheit von Tempofluktuationen ein, um diesem Eindruck einen Gegenpol zu verleihen. Ganz gemäß den Auffassungen Jean-Philippe Rameaus bekommen ausdrucksvolle Akkordverbindungen mehr Zeit zur Entfaltung, so dass es letzten Endes zu einem ständigen Wechselspiel von rascher Temponahme und größerer Freiheit im Umgang mit dem regelmäßigen Zeitmaß kommt.

Angesichts der klingenden Ergebnisse kann man eigentlich nur konstatieren, dass hier das Potenzial von Telemanns Musik ganz neu entdeckt wird. Die manchmal drögen Interpretationen der Vergangenheit sind wie weggewischt, weil hier nicht der geringste Anlass zur Langeweile besteht. Dabei machen die Mitglieder von Musica ad Rhenum auch deutlich, welche unterschiedlichen Bezüge in den Quartetten verborgen sind. Die Wiedergabe der ‚Six quatuors’ folgt der Verknüpfung dieser Werke mit verschiedenen Gattungen – Concert, Sonate und Suite – und macht dementsprechend den kammermusikalischen oder konzertanten Duktus der einzelnen Kompositionen bewusst. Unterstützt wird dies durch ein hervorragendes und durchsichtiges Klangbild, das alle Feinheiten der instrumentalen Umsetzung zur Geltung kommen lässt und dadurch besonders einprägsame Momente – etwa die in Perfektion parallel geführten Bassinstrumente im Affettuoso-Satz des Concerto secondo D-Dur oder auch die Ablösung zwischen den solistisch gestalteten Passagen im Andante der Sonata prima A-Dur – zusätzlich unterstreicht.

Großartig sind aber auch die sechs ‚Nouveaux quatours en six suites’, die – wie die beiden Suiten aus den ‚Six quatuors’ – besonders vom Interpretationsansatz des Ensembles profitieren. In Werkteilen wie dem Schlusssatz aus dem dritten Quartett G-Dur, in dem die instrumentale Brillanz der ‚Vite’-Abschnitte an den ausdrucksvollen ‚Lente’-Passagen gebrochen wird, im Prélude des e-Moll-Quartetts (Nr. 6) mit seinem Kontrast zwischen rezitativischen, ‚à discretion’ vorzutragenden und den ‚Tres vite’ fordernden Passagen oder in dessen aufregendem ‚Modéré’-Schlusssatz –, zeigt sich, wie positiv die auf Lebendigkeit bedachten Gestaltungsmodi der Musiker sich auf die Erscheinung der Musik auswirken. Das makellose Zusammenspiel kommt gerade bei Übergängen und gemeinsamen Verzögerungen – so im ‚Modéré’-Satz aus dem G-Dur-Quartett oder dem wunderbaren ‚Tristement’ aus dem Quatuor Nr. 4 h-Moll, der wie das gesamte Quartett ein Musterbeispiel für die Gestaltungskraft der Instrumentalisten ist – besonders gut zur Geltung. Dass zudem auch die humoristischen Elemente von Telemanns Schöpfungen klar zu Tage treten (etwa im Schlusssatz des Quatuor Nr. 5 A-Dur), ist ein weiterer Pluspunkt dieser Einspielung, in der jedes Quartett eine individuelle Farbe erhält. Der einzige Minuspunkt der Produktion ist das rein englischsprachige Booklet, in dem leider die Details zu Aufnahmedatum und Produktion völlig fehlen.

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