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Details zu Schnyder, Daniel: Colossus of Sound
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Kritik zu Enja: Schnyder, Daniel: Colossus of Sound

Mann zwischen den Fronten


Andrea Hampe, 06.10.2005


Interpretation: 
Klangqualität: 
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Booklet: 





Sein Haarschnitt erinnert eher an die 1980er, im Stil vergangener Zeiten schreibt Daniel Schnyder (*1961) aber sicherlich nicht. Er zählt zu den gefragten Komponisten Neuer Musik. Ausgebildet im Bereich der klassischen sowie der Jazzmusik verschmilzt Schnyder in seinen Stücken verschiedene Kulturkreise, indem er asiatische Klänge mit südamerikanischen Rhythmen, nordische Schwermut mit südländischer Leichtigkeit kombiniert. Der in Zürich geborene, in New York lebende Musikkosmopolit ist fest davon überzeugt, dass sich die Verbindung von Jazz und Klassik, von festen Formen und Improvisationsstil nicht reibt.

Verständnis für Neben- und Miteinander

Genau in dieser Mischung liegt der besondere Reiz seiner Kompositionen. Unter dem Dirigat Kristjan Järvis ist dem Philharmonischen Orchester des NDR eine bemerkenswerte Einspielung gelungen, die allen Beteiligten viel Spaß gemacht zu haben scheint. Zum Zeitpunkt der CD-Aufnahme handelte es sich bei allen vier Werken, die Ende der 1990er Jahre geschrieben wurden, um Ersteinspielungen.

Der erste Satz des Violinkonzertes beginnt ganz im Zeichen des ’Colossus of Sound’, Name seiner Symphonie Nr. 4 und Schlagwort, das Schnyder für den Titel dieser CD gewählt hat. Nach einer Ruhe-vor-dem-Sturm-Einleitung lassen das NDR-Radioorchester und die Solistin Kathrin Rabus ihrer Energie freien Lauf mit dynamischen forti- und sforzati-Passagen, massiven Klangschichtungen und rhythmischen Fragmenten aus östlicher und westlicher Volksmusik. Vor allem in den hohen Registern, durch die das Konzert seinen Charakter erhält, glänzt Rabus mit scheinbar schwerelosem, dabei aber tief emotionalem Spiel. Mit russischem Kolorit gefärbt schließt das Violinkonzert mit einem furiosen Finalsatz.

Aus abgeschlossenen Abschnitten aufgebaut stellt sich ’Colossus of Sound’ als Konzert für Orchester vor, dem neben den erneut hohen Registern der Streicher vor allem Blech- und Holzbläser seinen Charakter verleihen. Ähnlich energiegeladen verbreitet ’African Fanfare’ – ursprünglich als Einleitungsarrangement für Abdullah Ibrahims ’African Symphony’ gedacht – ein ganzes Feld unterschiedlicher Klangfarben, dominiert von positiven, heiteren Schattierungen.

Ein wesentliches Merkmal seines Musikverständnisses sieht der gebürtige Schweizer im synchronen Gebrauch von Dissonanz und Harmonie. Beinah fließend gehen melodiöse und schräge Passagen ineinander über, wandeln sich klassische Tanzmuster in ausgefallene Jazz- und Latinrhythmen. Auch der zweite Solist des Albums, Reinhold Friedrich an der Trompete und am Flügelhorn, ist hörbar angetan von Schnyders Konzert für Trompete und meistert dabei in einer emotionalen, expressiven Interpretation scheinbar spielend die verschiedenen musikalischen Stile und Phrasierungen, die Schnyder in das dreisätzige Konzert einfließen hat lassen.

Neue Früchte

Für alle, die mit dem Namen Schynder bisher noch keine Assoziationen knüpfen konnten, zeichnet dieses Album ein interessantes Porträt mit vielen Facetten des Komponisten, und auch die Liebhaber werden ob der musikalischen Kreativität, die man in den vier Werken findet, nicht enttäuscht sein. Für immer noch unentschlossene sei auf die sehr überzeugende Umsetzung des NDR-Orchesters verwiesen, das mit viel Energie, Leichtigkeit und Gespür für diese Musik dieser CD einen zusätzlichen Pluspunkt verleiht. Daniel Schnyder zeigt, welche interessanten Früchte entstehen können, wenn man klassische Elemente mit denen des Jazz kreuzt.

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