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Hundert Meisterwerke

Das wohltemperierte Klavier

von Johann Sebastian Bach

Das Wohltemperierte Klavier ist eine Sammlung von Präludien und Fugen und ragt wie ein Denkmal über alles hinaus, was auf diesem Gebiet geschaffen wurde. Gerade deshalb wurde dieses Werk - oft zu dessen Nachteil - zu Studienzwecken analysiert und sowohl als Lehrbuch für das polyphone Klavierspiel als auch als Lehrbuch der Fugenkomposition genutzt. Die Musik blieb dabei oft auf der Strecke. Wie viel Originalität und Gefühl trotz aller theoretischen Grundlagen in diesen Stücken enthalten ist, zeigen nicht zuletzt die großen Aufnahmen der Pianisten Edwin Fischer (1936) und Glenn Gould (1975).

Wenn man dem Historisch-biographischen Lexicon der Tonkünstler glauben möchte, dann hat Bach dieses Meisterwerk "an einem Ort, wo er ohne Instrument gewesen, zur Vertreibung von Unmut und Langeweile in kurzer Zeit verfaßt". Ernst Ludwig Gerber, der dieses Lexikon 1791 herausgab, müßte es eigentlich wissen, denn sein Vater war ein Schüler Bachs und so dürfte er viele Informationen aus erster Hand bekommen haben. Der erwähnte Unmut kann allerdings nur vorübergehend gewesen sein, denn Bach hatte als Kapellmeister in Köthen wenig Grund zur Klage. Die Jahre zwischen 1717 und 1723 zählten sicherlich zu den besten seines Lebens: Fürst Leopold von Anhalt-Köthen brachte ihm große Anerkennung entgegen und ließ ihm viel Zeit zum Komponieren. Bach schrieb in jenen Jahren den Großteil seiner Kammermusik. Neben der Tätigkeit als Kapellmeister unterwies er seine Söhne und andere Schüler im Klavierspiel, was auch eine Einführung in die Komposition bedeutete - eine Trennung zwischen Theorie und Praxis gab es zu Bachs Zeit noch nicht. Für diesen Unterricht schuf Bach spezielle Werke, die nicht nur einen pädagogischen, sondern auch einen überaus hohen künstlerischen Wert besitzen. Dazu zählen die Inventionen und Sinfonien, die Kleinen Präludien und Fugen oder das Clavierbüchlein für Wilhelm Friedemann Bach, das der Komponist 1720 für seinen neunjährigen Sohn anlegte. In dieser Sammlung finden sich bereits elf Präludien des Wohltemperierten Klaviers in ihrer ersten Fassung. 1722 vollendete Bach dann den 24 Präludien und Fugen umfassenden Zyklus. Die Unterscheidung zwischen erstem und zweitem Teil wurde erst 1744 nötig, als Bach noch einmal eine Sammlung dieser Art anfertigte. Der Autograph des ersten Teils wird heute in der Deutschen Staatsbibliothek Berlin aufbewahrt. Auf der ersten Seite erläutert der Komponist in verzierter Handschrift den Titel des Werkes:

Vorwort

Hier der Inhalt dieser Titelseite - diesmal mit meinen Erläuterungen (in Klammern):

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