Hundert Meisterwerke
Kinderszenen
von Robert Schumann
13 Gedichte ohne Worte - dieser Zyklus von kurzen Klavierstücken ist das Werk eines jungen Komponisten, der eigentlich Dichter werden wollte. Fernab der im 19. Jahrhundert so dominierenden Virtuosität schuf Robert Schumann in kleinen Formen immer wieder Meisterwerke von hohem künstlerischen Gehalt.
Nicht nur in den so berühmten Kinderszenen dichtete Schumann für das Klavier.
Charakterstücke dieser Art finden sich in seinem Werk zu allen Schaffensperioden und spiegeln
Schumanns Auffassung von Musik. Kein Komponist vor ihm bemühte sich derart um eine Poesie zwischen
Wort und Klang. Ganz und gar Romantiker wollte Schumann die profane Welt hinter sich zurücklassen
und bemühte sich in seiner Kunst um das Unsagbare. Die Worte, mit denen die klassischen Dichter
so gewaltige Werke schufen, reichten den romantischen Dichtern nicht mehr aus. Viele von ihnen,
so wie im folgenden Zitat E.T.A. Hoffmann, maben der Musik eine besondere Bedeutung zu, wenn
es um die Mitteilung romantischer Empfindungen ging: Da wo die Worte aufhören, fängt die
Musik an. Andere Dichter glaubten die Grenzen des Wortes erweitern zu können und suchten
unter erheblicher physischer wie psychischer Belastung nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten.
Aber mit dem Wort hat auch der menschliche Geist seine Grenzen und gerade jene, die dies
nicht akzeptieren konnten, bezahlten ihr Streben mit einem hohen Preis: Novalis starb 29jährig,
Kleist beging mit 34 Jahren Selbstmord, Hölderlin endete, 36 Jahre vor seinem Tod, im Wahnsinn -
und auch Schumann sollte es nicht viel besser ergehen.. Die Werke jener romantischen Dichter
waren dem jungen Robert Schumann aus der Buchhandlung seines Vaters bestens bekannt. Er
begeisterte sich für die Poesie und zehrte von den Visionen und Sehnsüchten der Romantik.
Eine besondere Bewunderung hegte Schumann für Jean Paul, einen Dichter, der - nach eigener
Aussage - weniger nach Worten als vielmehr nach Tönen suchte. In diesem Zwischenraum
zwischen Poesie und Musik bildete sich Schumanns künstlerische Persönlichkeit, aber von einer
Doppelbegabung des Kindes hat damals niemand gesprochen. Der junge Robert schien sich in
besonderem Maße für die Dichtung zu interessieren, er las viel und schrieb auch selbst,
aber das musikalische Genie schlummerte noch. Ein Konzerterlebnis brachte den Neunjährigen
zur Musik, insbsondere zum Klavier. Sein Vater nahm ihn mit zu einem Konzert des Klaviervirtuosen
Ignaz Moscheles in Karlsbad - auf der Rückfahrt
nach Zwickau bat der begeisterte Junge um ein Klavier. Unterricht erhielt er bei einem recht
durchschnittlichen Musiker, einem Organisten namens Kuntsch. Schumann erwies sich als talentierter,
gelehriger Schüler und liebte es, am Klavier zu improvisieren. Immer aber waren es poetische
Gedanken und Stimmungen, die er dem Klavier anvertraute; der Dichter sprach - nicht der
Komponist. Mit 18 Jahren schrieb Schumann über sich selbst: Sein Talent als Musiker und
Dichter steht auf gleicher Stufe - mit Ausdauer. Dem Wunsch der Eltern nach einer soliden
Berufsausbildung entsprachen natürlich beide Talente nicht und so wurde der Künstler zunächst
Jurastudent in Leipzig. Im Sommer 1830 hatte Schumann dann endlich zu sich selbst gefunden und
lies Rechtswissenschaft und Poesie zurück, um sich ganz auf die Musik zu konzentrieren.

Jean Paul
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